Waffenläufe aufbohren

Das Aufbohren von Waffenläufen ist ein Detail, das man am besten schon sehr früh im Bearbeitungsprozess einer Miniatur angehen sollte. Ist die Figur bereits vollständig zusammengebaut oder sogar bemalt, geht man das Risiko ein, dass man die bisherige Arbeit beschädigt. Zumindest aber muss man beim späten Aufbohren der Waffenläufe sehr vorsichtig vorgehen, was einfach mehr Zeit und Nerven kostet.

Wie bereits erwähnt, beschäftigt sich dieser Artikel zwar wirklich nur mit einem Detail, doch gelten die hier genannten Hinweise zum Bohren von Löchern auch für andere Situationen (wie etwa beim Stiften von Modell oder beim Vorbereiten vom Baugruppen für das Bemalen), sodass ich in späteren Artikel sicherlich immer mal wieder auf diesen Text hier verweisen werde.

Warum überhaupt Waffenläufe aufbohren?

Die eigentliche „Technik“ hinter dem Bohren von Löchern ist nun wirklich keine Zauberei und sicherlich für die allermeisten Leser hier auch nichts Neues. Das Gleiche, das für das Bohren eines Loches für das Versenken einer Schraube in der Wand gilt, gilt letztendlich auch für das Bohren von Löchern in Miniaturen. Allerdings erfordert der kleinere Maßstab ein noch höheres Maß an Präzision.

Ork Waffenarm (GW), nicht aufgebohrt

Für jemanden, der neu im Hobby ist, ist die wichtigste Info, die in diesem Artikel steckt, sicherlich einfach nur das Aufzeigen der Tatsache, dass bei vielen Miniaturen die Läufe von Pistolen, Gewehren, Kanonen etc. innen nicht etwa hohl sondern ausgefüllt sind. Steigt man gerade erst ins Hobby ein, ist dies sicherlich nicht das Erste, was einem ins Auge springt. In der Regel hat das Fehlen einer „echten“ Mündung mit dem Produktionsprozess der Miniaturen zu tun. (Es gibt natürlich auch Modelle, die bereits mit einem hohlen Waffenlauf produziert werden, doch bestehen diese Läufe in der Regel aus zwei Hälften. Dies hat dann wiederum den Nachteil, dass man den Lauf der Länge nach zusammekleben muss, was wiederum auch Nacharbeiten erfordert, um diese Klebestelle verschwinden zu lassen.)

Die Entscheidung für oder wider das Aufbohren der Waffen ist letztendlich eine rein ästhetische. Die allermeisten Modellbauer, die ich kenne, finden jedoch einen aufgebohrten Waffenlauf hübscher – man könnte wohl auch sagen „authentischer“.

Entscheidet man sich gegen das Aubohren, hat man im Wesentlichen zwei alternative Möglichkeiten. Erstens: Man tut so, als wäre am Ende des Waffenlaufs keine Öffnung und bemalt es in der gleichen Farbe wie den Rest des Laufes. Ich persönlich finde diese Lösung nicht sonderlich schön und würde bei einem Einzelmodell niemals so vorgehen. Wenn man allerdings eine komplette Armee bemalt, fällt dieser kleine „Fehler“ sicherlich nicht massiv ins Gewicht. (Ich selbst würde mir die Zeit zum Aufbohren trotzdem nehmen.)

Die zweite Möglichkeit lautet: Man bemalt die Spitze des Laufes so, als wäre dort tatsächlich eine Öffnung. Hobbyisten, die so vorgehen, malen in der Regel einfach einen kleinen schwarzen Punkt auf die Mündungsöffnung. Zumindest den flüchtigen Betrachter kann dieses Vorgehen kurz täuschen. Ich persönlich sehe dabei allerdings zum einen das Problem, dass es wirklich schwierig ist, einen echten Kreis zu malen. Ein Bohrer ist rund und schafft automatisch ein rundes Loch. Kleckst man aber einfach nur ein schwarzen Fleck auf eine Stelle, wird dieser Fleck in den seltensten Fällen wirklich kreisrund sein. Zum anderen hat ein schwarzer Klecks keine Tiefe und wird immer wie aufgemalt aussehen. Um dies zu verhindern, müsste man die dreidimensionale Illusion eines Loches aufmalen und DAS ist WIRKLICH aufwändig. (Es gibt Maler, die das wirklich grandios beherrschen. Ich gehöre nicht dazu und greife deswegen zum Bohrer.)

Bohren des Loches

Wie bereits erwähnt sind die eigentlichen Arbeitsschritte, die es beim Bohren des Loches zu beachten gilt, recht naheliegend und leicht abzuarbeiten.

Für das hier beschriebene Vorgehen benötigst du einen Handbohrer (*). Auf den Einsatz von elektrischen Bohrern gehe ich weiter unten ganz kurz noch ein.

Achte darauf, dass dein Bohrer nicht allzu stumpf ist. Wenn du gerade erst damit versucht hast einige Löcher in Stahlbeton zu bohren, solltest du vielleicht besser Geld in ein Set von Bohrern investieren, die du nur für dein Hobby verwendest. Ansonsten kannst du für das Bohren in Plastik eigentlich alle Arten von Bohrern außer Holzbohrern verwenden (bei letztere stört der Dorn an der Spitze).

Bevor du mit dem Bohren beginnst, solltest du außerdem unbedingt jeglichen Gussgrat von der Mündungsöffnung entfernt haben. Es ist unmöglich, nicht von der der Mündungsmitte abzurutschen, wenn genau dort noch ein Grat entlangläuft.

Schritt 1: Markieren der Mitte des Waffenlaufs

Betrachtet man den Lauf von vorne, also so, als würde man versuchen in den Lauf hineinzugucken, sieht man vor sich einen Kreis. Der erste Arbeitsschritt besteht nun darin, die Mitte dieses Kreis zu markieren. Bei Waffen mit kleiner Mündung (Pistolen, Gewehren) reicht es normalerweise, wenn man die Mitte mit bloßem Auge abschätzt. Bei größeren Mündungen kann man natürlich auch nachmessen. (Lege ein Lineal beliebig an dem Kreis an und suche nun die dickste Stelle. Ziehe mit einem Stift [der auf Kunststoff haftet, z.B. ein Folienstift] eine Linie, die diese Stelle mariert. Drehe das Lineal um etwa 90 Grad und suche noch einmal die dickste Stelle. Ziehe wieder eine Linie. Der Schnittpunkt beider Linien ist die Mitte des Kreises.)

Zusätzlich zum Markieren der Mitte mit einem Stift empfehle ich, die Mitte auch mit einer Reißzwecke bzw. einer Pinnnadel (siehe Foto) zu markieren. Drücke dazu einfach die Nadel fest in das Material der Figur, um eine kleine Vertiefung zu hinterlassen. Diese dient dir dann beim nächsten Arbeitsschritt als Ansatzpunkt. (Es geht hier wirklich nur um das Erzeugen einer kleinen Vertiefung. Achte unbedingt darauf, dass du nicht zu viel Druck ausübst. Dies führt nur zu einem unnötigen Verletzungsrisiko, wenn man doch einmal abrutscht.)

Das vorherige Anzeichnen des Mittelpunktes hat den Vorteil, dass man schnell sieht, ob man auch wirklich die Mitte getroffen hat. Liegt man ein klein wenig daneben, kann mann die Pinnnadel einfach an der korrekten Stelle ins Material stechen.

Schritt 2: Bohren des Führungskanals

Als nächstes verwendest du einen feinen Bohrer, um den Waffenlauf aufzubohren. Ich verwende für Pistolen und Gewehrläufe von 28/32 mm Figuren einen 1 mm Bohrer. Du setzt dabei an der vorher markieren Stelle an und bohrst senkrecht (!) in die Fläche. Verwende nur so viel Druck wie nötig ist, um den Bohrer ins Material zu bekommen und um ihn nicht aus der zuvor eingedrückten Vertiefung rutschen zu lassen.

Das Loch, das du bohrst, muss nicht sehr tief sein. Wenige Millimeter reichen für gewöhnlich, um den Eindruck zu erwecken, dass der Waffenlauf vollständig hohl ist. Bohrst du zu tief, besteht die Gefahr, dass der Bohrer an irgendeiner Stelle wieder aus dem Modell austritt und ein unerwünschtes Loch hinterlässt. Dies kann vor allem dann leicht geschehen, wenn man den Bohrer nicht genau senkrecht angesetzt hat.

Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass das nun entstandene Loch viel zu schmal ist, um authentisch zu wirken. Das ist nicht weiter schlimm, da die Aufgabe des soeben gebohrten Lochs nur darin besteht, als Führung für das eigentliche Aufbohren des Waffenlaufs zu dienen. Verzichtest du auf den eben beschriebenen Schritt, kann es dir leicht passieren, dass du beim Bohren mit einem dickeren Bohrer ein klein wenig von deiner Markierung abrutscht. Das Ergebnis ist dann ein Waffenlauf mit einer aus dem Zentrum geratenen Mündung.

Schritt 3: Aufbohren

Nun verwendest du einen Bohrer, dessen Durchmesser nur etwas geringer ist als der Durchmesser des Waffenlaufs, und wiederholst den vorherigen Schritt. Die erste Borhung dient dir dabei als Führung und sollte ein Abrutschen deines Bohrers verhindern.

Solltest du dir bei der Wahl des korrekten Bohrerdurchmessers nicht sicher sein, verwende einfach den schmaleren der in Frage kommenden Bohrer. Sieht das Ergebnis am Ende nicht stimmig aus, kannst du diesen Schritt beliebig oft mit dickeren Bohrern wiederholen.

beschädigte Mündung

Beachte, dass um das Bohrloch herum noch immer genug Material übrig bleiben sollte. Wenn du beispielsweise einen 2 mm Waffenlauf aufbohren möchtest, wäre bereits ein 1,5 mm Bohrer vermutlich schon zu breit. Rechnerisch hättest du zwar noch immer 0,5 mm übrig, doch die Gefahr ist sehr groß, dass das Plastik der Figur beim Bohren reißen wird. Einen solchen „Unfall“ kannst du in dem Foto oben bewundern.

Sicherheitshalber noch eine Warnung: Solltest du keinen Bohrer mit dem passenden Durchmesser haben, versuche nicht, mit einem kleineren Bohrer ein größeres Loch bohren zu wollen. (Indem du beispielsweise mit dem Bohrer im Loch „herumrührst“ und die Ränder ausfranst.) Das Ergebnis wird immer unsauber aussehen. Investiere stattdessen lieber wenige Euros in deinem Baumarkt des Vertrauens (oder online (*)) in einen Bohrer mit passendem Durchmesser (oder gleich ein ganzes Set).

Metallmodelle

Das Aufbohren von Metallmodellen unterscheidet sich nicht groß vom Aufbohren von Kunststoff- oder Resinmodellen. Ein paar Hinweise möchte ich aber dennoch geben:

Während so ziemlich jede Art von Bohrer in Plastik hineinbohren kann, sollte man für das Bohren in Metallmodelle einen Metallbohrer verwenden.

Vor allem bei Metallmodellen solltest du im Zweifelsfall lieber etwas mehr als etwas zu wenig Material um die Bohröffnung herum übriglassen. Die Legierungen aus denen unseres Minis bestehen, sind recht weich und du möchtest schließlich keine unnötigen Schwachstellen erzeugen.

Achte auch besonders darauf, nicht mit zu viel Gewalt und Druck zu arbeiten. Die Gefahr ist sonst groß, dass du das weiche Material zusammendrückst bzw. verbiegst. Während Plastikfiguren zumindest bis zu einem gewissen Grad in ihre Ursprungsposition zurückfedern, bleiben Metallfiguren dagegen einfach verbogen.

Verwendung eines elektrischen Bohrers

Theoretisch besteht natürlich die Möglichkeit, einen elektrischen Bohrer für diese Art von Arbeit zu verwenden. (Ich denke dabei in erster Linie an Dremel-artige (*) Geräte.) Ich persönlich ziehe aber einen Handbohrer eindeutig vor, da ich dadurch deutlich mehr Kontrolle darüber habe, was ich mache. Zudem geht es ja immer nur um das Bohren in wenige Millimeter Tiefe, sodass man auch eigentlich nicht von einer echten Zeit- oder Kraftersparnis durch das elektrische Gerät sprechen kann.

Andererseits gibt es auch viele Leute, die deutlich versierter im Umgang mit solchen Geräte sind, als ich es bin. Die Tatsache, dass ein elektrischer Bohrer mit entsprechender Drehzahl und scharfer Bohrerspitze nahezu widerstandslos in das Bauteil eindringen kann, ist durchaus ein Vorteil. Hat man eine ruhige Hand und trifft die Mitte der Mündungsöffnung auf Anhieb, hat man eigentlich gar keine Gelegenheit irgendwo abzurutschen. Die größte Kunst ist dabei, das Bauteil so festzuhalten oder sonstwie zu fixieren, dass es nicht wegrutschen kann. Beherrscht man dies, kann ein elektrischer Bohrer also durchaus auch ein praktisches Werkzeug sein.

Mündungsfeuer als Alternative

Ich möchte nicht unerwähnt lassen, dass man alternativ zum Aufbohren des Waffenlaufs diesen auch mit Mündungsfeuer modellieren kann. Besonders kreativen Hobbyisten gelingt es, mittels Green Stuff (*) (oder ähnlicher Materialien) recht überzeugende Ergebnisse zu erzielen.

Wem das zu viel Aufwand ist, seine Miniaturen aber dennoch auf diese Art ein wenig aufpeppen möchte, der kann fertig gestaltetes Mündungsfeuer kaufen. Anvil Industry (aus England) bietet mit ihrem Muzzle Flash conversion set genau solches Mündungsfeuer an. Wer Zugang zu einem 3D Drucker hat, könnte sich Entsprechendes sicherlich auch ausdrucken.

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