Lücken füllen

Das Füllen von Lücken in Miniaturen gehört zu der Art undankbarer Aufgaben, deren Erledigung man am fertigen Modell überhaupt nicht wahrnimmt, wenn man seine Arbeit gut gemacht hat. Gleichzeitig fällt es teils sehr stark ins Auge, wenn man sich dieser Aufgabe nicht gewidmet hat.

Wie in dem Artikel zum Zusammenbau von Modellen mehrfach angesprochen, lässt sich unterschiedlich viel Zeit in die Vorbereitung eines Modells investieren. Ich selbst habe den Anspruch, dass Lücken in Miniaturen nicht übermäßig stark herausstechen sollten. Insgesamt strebe ich eher ein gutes Zeit-Ergebnis-Verhältnis als absolute Perfektion an. (Getreu dem Motto „Besser fertig als perfekt„) Die von mir im Folgenden gegebenen Hinweise sind allerdings grundsätzlich auch dazu geeignet, Modelle ohne erkennbare Nähte zusammenzufügen. Man muss lediglich mehr Zeit bzw. Fleiß investieren als ich dies in der Regel tue. 🙂

Allgemeine Hinweise zum Füllen von Lücken

Bevor ich etwas Konkretes zu den möglichen Materialien und ihrem Einsatz schreibe, möchte ich kurz noch ein paar allgemeine Hinweise zum Füllen von Lücken loswerden.

Welche Lücken sollte man füllen?

Nachdem man sein Modell zusammengebaut hat (entweder vollständig oder mit Blick auf eine einfachere Bemalung in sinnvolle Baugruppen), sollte man sich einen Moment Zeit nehmen und gucken, ob man irgendwo unschöne Lücken auf der Miniatur entdeckt. Gemeint sind dabei vor allem die Klebestellen, an denen die Einzelteile zusammengefügt wurden.

Bei gelungenen Bausätzen wurde schon im Rahmen der Konzeption darauf geachtet, dass diese Nähte an Stellen liegen, die beim fertigen Modell möglichst wenig ins Auge fallen und im Idealfall sogar vollständig überdeckt werden. Außerdem gibt es Klebestellen, bei denen es durchaus Sinn ergeben kann, dass ein kleiner Spalt zu sehen bleibt. Das ist zum Beispiel bei nebeneinanderliegenden Panzerplatten einer Rüstung der Fall.

Es gibt allerdings auch durchaus Modelle, bei denen die Klebestellen an recht prominenter Position liegen (Ja, liebe Warhammer 40k Necron „Unsterbliche“, ich sehe euch an!) oder als störende gerade Linie in einer eher organisch wirkenden Umgebung wahrgenommen werden.

auffälliger Spalt an einem Warhammer 40k Höllenschlächter (GW)

In dem Beispielbild oben ist der Spalt schon sehr markant. Füllt man diese Lücke nicht, wird sie auch wenn das Modell bemalt ist, recht deutlich hervorstechen. Vor allem dann, wenn man gerne mit großflächig aufgetragenem Wash und mit Trockenbürsten arbeitet, wird diese Lücke im bemalten Zustand sogar noch prominenter ausfallen als sie es jetzt schon tut. Die Hoffnung, Spalte wie diesen mit viel Farbe verschwinden lassen zu können, haben schon viele von uns gehabt und sind enttäuscht worden. Wenn überhaupt lassen sich mit Farbe nur feinste Kratzer überdecken.

Zu viel Material ist besser als zu wenig

Egal welches Material du zum Füllen von Lücken verwendest, du solltest dich von dem Gedanken verabschieden, auf Anhieb exakt die richtige Menge Material in die Lücke einbringen zu wollen. Du wirst immer entweder etwas zu viel oder etwas zu wenig Material haben. Da du dich also ohnehin für eins dieser beiden Übel entscheiden musst, wähle lieber die „zu viel“-Variante. Zu viel Material lässt sich problemlos abschleifen.

Zu wenig Material bedeutet hingegen, dass trotz Füllstoff noch immer eine Lücke (oder eine Delle) bleibt. Wenn du diese Lücke trotzdem geschlossen haben möchtest, musst du eine weitere Schicht Material aufbringen. Das nervt und verzögert letztendlich vor allem aufgrund der wiederholten Trocknungszeit die Fertigstellung deines Projekts.

Schon einmal ein erster kurzer Hinweis zu den Materialien: Die fertig angemischten Pasten, die man in unserem Hobby für diese Zwecke zu kaufen gibt, neigen dazu, teils recht stark an Volumen zu verlieren, wenn sie trocknen. Diese Mittel sollte man dann entsprechend großzügig auftragen.

Modellierwerkzeuge können hilfreich sein

Oftmals sind die Spalten, die wir zu verschließen suchen, so schmal, dass wir unsere jeweilige Modelliermasse nicht auf Anhieb mit bloßen Fingern in sie hineindrücken können. Für solche Fälle bietet sich der Einsatz von Hilfsmitteln an. Dies können Dinge sein, die man ohnehin im Haus hat, wie beispielweise Messerspitzen oder auch Zahnstocher. Es gibt aber auch eigens für das Modellieren geschaffene Werkzeuge (z.B. das hier (*)) in allen erdenklichen Ausführungen. Mich erinnern diese Werkzeuge immer etwas an Zahnarztbesteck. Da ich selbst eigentlich nicht richtig modelliere, sondern in der Regel nur Lücken schließen möchte, reichen mir ein bis zwei Werkzeuge eigentlich völlig aus. Dabei ist es praktisch, wenn man ein Werkzeug mit möglichst feiner Spitze besitzt und ggf. noch ein weiteres, mit einer Rundung bzw. weichen Biegung an der Spitze.

Auch Modellierwerkzeuge mit Silikonspitze können hilfreich sein (z.B. sowas hier (*)), da man damit das Material mit etwas mehr Druck in die Lücken einarbeiten kann, ohne dabei Gefahr zu laufen, das Modell zu beschädigen.

Wiederholungen bleiben eine Option

Obwohl ich eben geschrieben habe, dass man versuchen sollte, unnötige Wiederholungen des Auftragens von Material zu vermeiden, bedeutet dies nicht, dass man dies niemals tun sollte. Vor allem dann, wenn man ein sehr glattes Finish antrebt, ist die Chance groß, dass man „noch mal ran“ muss.

Wer schon einmal eine Wand gespachtelt und abgeschliffen hat, weiß vermutlich, wovon ich rede. Beim Abschleifen des überschüssigen Materials kann es durchaus auch zu Fehlern kommen. Beispielsweise kann man unbeabsichtigt unschöne Kanten in eine Oberfläche schleifen. Hier kann dann ein nochmaliges Auftragen und Abschleifen von Material durchaus sinnvoll sein.

Materialien und ihre Anwendung

Im Folgenden werde ich auf einige Details der Anwendung bzw. Eigenheiten konkreter Produkte eingehen. Dabei werde ich nur die Produkte berücksichtigen, mit denen ich selbst bereits Erfahrung sammeln konnte. Ich denke aber, dass es sich dabei auch um die gängigsten Materialien im Kontext unseres Hobbys handelt. Ich bin mir aber auch durchaus bewusst, dass es noch andere Produkte gibt, die sich potenziell für das Ausbessern von Lücken in Miniaturen handeln. Solltest du bereits gute Erfahrungen mit einem anderen Produkt gemacht haben, schreibe mir sehr gerne einen entsprechenden Kommentar unter diesen Artikel.

Zum besseren Verständnis: Im Folgenden werde ich der Einfachheit halber den Einsatz einiger Produkte auf einem Stück Plasticard zeigen. Dazu habe ich im Vorfeld recht große Spalten in die Plasticard-Oberfläche geritzt. Die oben zu sehenden Spalten sind an der dicksten Stelle etwa 4-5 Millimeter breit. Sie sind somit größer als das Allermeiste, was uns an Lücken in unserem normalen Hobbyalltag begegnet.

Zwei-Komponenten-Epoxidharz

Eine sehr beliebte Möglichkeit, um Spalten und sonstigen Lücken und Macken in unseren Modellen zu verdecken, sind Zwei-Komponenten-Epoxidharze. Die beiden vermutlich bekanntesten Vertreter dieser Kategorie in unserem Hobby sind Green Stuff und Milliput. Diese beiden Produkte verhalten sich durchaus unterschiedlich, sodass ich sie gleich auch separat besprechen werde. Da es sich in beiden Fällen aber um Zwei-Komponenten-Epoxidharze handelt, haben sie auch gewisse Gemeinsamkeiten, auf die ich hier nun kurz zu sprechen kommen möchte:

Beide Produkte bestehen aus zwei Komponenten (Wer hätte das gedacht? ;-)) und müssen vor ihrem Einsatz zusammengeknetet werden. Dabei vermischt man immer nur so viel, wie man für das anstehende Projekt gerade benötigt und kann des Rest für einen späteren Einsatz aufheben. Eine der beiden Komponenten ist dabei die eigentliche Epoxidmasse und die andere Komponente ist ein Aktivator, der das Epoxid aushärten lässt. Getrennt voneinander lassen sich die beiden Materiaien recht lange (=jahrelang) lagern. Knetet man sie zusammen, härtet die Masse innerhalb weniger Stunden aus.

Abgesehen davon, dass die getrocknete Masse ziemlich widerstandsfähig ist, bieten Zwei-Komponenten-Epoxidharze auch den großen Vorteil, dass sie beim Trocknen nicht an Volumen verlieren und somit ihre Form beibehalten. (Die Ausgangsstoffe beinhalten kein Wasser, das verdunsten könnte.) Aus diesem Grund eignen sich diese Massen auch gut zum Modellieren.

Wer Interesse an den chemischen Hintergründen hat, die erklären, warum sich Epoxidharze verhalten, wie sie es nun einmal tun, dem sei dieses englischsprachige Video ans Herz gelegt. Brent, der Betreiber von Goobertown Hobbies, ist nicht nur enthusiastischer Hobbyist, sondern hat auch einen Doktor in Chemie und kann folglich die naturwissenschaftlichen Zusammenhänge deutlich besser erklären als ich.

Green Stuff

Green Stuff (manchmal auch noch einem Hersteller Kneadatite genannt) ist eine Modelliermasse, die von unterschiedlichen Herstellern angeboten wird. Oft werden die beiden Komponenten an einem gemeinsamen Band geliefert, wie das beispielsweise bei Produkten von Army Painter (*) oder Green Stuff World (*) der Fall ist. Gelegentlich erhält man Green Stuff aber auch in zwei getrennten Rollen. In beiden Fällen ist immer einer Komponenten blau und eine gelb. Mischt man diese zusammen, entsteht grünes „Zeug“, also green stuff.

Materialeigenschaften und -eigenheiten

Sobald man die beiden Komponenten verknetet, wird die entstehende Masse sehr klebrig. Das ist einerseits gut, weil sie entsprechend leicht an unserem Modell hält. Andererseits kann diese Eigenschaft bei der Verarbeitung aber auch eine gewisse Herausforderung darstellen, da das Green Stuff auch an allem anderen (u.a. Werkzeuge und Hände) klebenbleibt. Bei der Arbeit mit Green Stuff empfiehlt es sich also, immer ein Schälchen mit Wasser an seinem Arbeitsplatz stehen zu haben, mit dem man seine Finger oder Modellierwerkzeuge immer wieder anfeuchten kann. Wasser wirkt wie ein Wundermittel und hebt die Klebrigkeit das Masse auf.

Green Stuff ist beim Verarbeiten relativ zäh, sollte aber grundsätzlich gut formbar sein. (Ist Letzteres nicht der Fall, ist das Material vermutlich überlagert.)

Man hat relativ viel Zeit, um die Masse in die gewünschte Position zu bringen. Nach etwa 90 Minuten (ich verlasse mich hier auf Herstellerangaben und habe dazu keine eigenen Tests mit Stoppuhr durchgeführt) sollte man allerdings zum Ende gekommen sein, da die Masse dann aushärtet. Nach etwa 24 Stunden ist das Material durchgehärtet.

Im endgültigen Trocknungszustand bleibt die Masse noch etwas elastisch. Das spielt für das in diesem Artikel besprochene Einsatzgebiet eigentlich keine große Rolle, kann beim Modellieren aber ggf. hilfreich (oder auch störend) sein.

Verarbeitung

Verwendet man ein Produkt, das in Form eines zweifarbigen Bandes verkauft wird, empfiehlt es sich, die Kontaktstelle der beiden Farben herauszuschneiden. Da die beiden Komponenten an dieser Stelle bereits verbunden wurden, ist dieser feine Streifen schon etwas ausgehärtet und könnten im weiteren Verarbeitungsprozess als nerviger kleiner Klumpen in Erscheinung treten. Anschließend feuchtet man seine Hände mit etwas Leitungswasser an und knetet die beiden Farben zusammen, bis eine gleichfarbig grüne Masse entsteht.

In den meisten Fällen forme ich das zusammengemischte Green Stuff zu einer Rolle, indem ich einen kleinen Klumpen (man benötigt immer weniger als man denkt) auf meiner Bastelunterlage mit der Hand hin und her rolle. Der Durchmesser der Rolle sollte sich am Spalt orientieren, den man schließen möchte – d.h. er darf etwas kleiner Sein als der Spalt.

Anschließend drücke ich die Rolle in die Lücke (Anfeuchten der Hände bzw. des Werkzeugs nicht vergessen), sodass dieser möglichst nahtlos geschlossen wird.

In dem Foto oben links habe ich den Spalt recht großzügig geschlossen. Dies diente in erster Linie der Veranschaulichung, dass sich Green Stuff gut schleifen lässt, wenn es erst einmal getrocknet ist. (Man möge mir verzeihen, dass das Foto teilweise unscharf geworden ist. Meine Kamera hatte hier offenbar einen anderen Fokuspunkt im Kopf als ich. Das kann man auch an anderer Stelle im Artikel bemerken. Ich glaube aber, dass alle Fotos immer alles Relevante gut genug darstellen.)

Auf dem Foto rechts sieht man, dass der Spalt nach dem Schleifen bündig verschlossen wurde. Auf dem Foto sind einige Kratzspuren zu sehen. (Nach Möglichkeit sollte man natürlich in kreisenden Bewegungen schleifen. Unsere Modelle geben diese Möglichkeit allerdings aufgrund ihrer Form nicht immer her.) Diese Kratzspuren sind jedoch sehr fein. Ich selbst konnte sie mit dem Finger nicht erspüren und habe sie eigentlich erst auf dem Foto so richtig wahrgenommen. Nach dem Grundieren sollte man diese kleinen Kratzer jedoch nicht mehr wahrnehmen können.

Persönliche Anmerkung zum Einsatz

Ich persönlich finde die Verwendung von Green Stuff zum Schließen von Lücken etwas mühsam und nutze es eigentlich nur bei wirklich großen Spalten. Wenn aber tatsächlich einmal Strukturen oder kleine Details neu- oder nachmodelliert werden müssen, dann ist Green Stuff für mich normalerweise das Mittel der Wahl.

Milliput

Milliput gibt es in unterschiedlichen Farben. Ich habe jahrelang gedacht, dass diese Farben für unterschiedliche Anwendungsgebiete stehen, allerdings stimmt das nur sehr bedingt. Im Folgenden arbeite ich hier mit Miilliput Standard (*) (in gelb-grau). Es gibt allerdings noch Terracotta und Black, die sich tatsächlich nur in der Farbe vom Standardprodukt unterscheiden. Zusätzlich gibt es dann noch das etwas feinere Silver-Grey und das noch feinere Superfine White. Einen tatsächlichen Vergleichstest habe ich noch nicht gemacht und kann somit nicht mit absoluter Sicherheit sagen, ob der Unterschied wirklich ins Gewicht fällt. Für mich war auch die Standardvariante bisher völlig ausreichend.

Materialeigenschaften und -eigenheiten

Milliput ist weicher als Green Stuff, allerdings ist die Masse nicht so klebrig. Auch bei der Arbeit mit Milliput kann es nicht schaden, wenn man seine Hände und die Werkzeuge etwas anfeuchtet. Man sollte es damit aber nicht übertreiben, da Milliput ansonsten etwas schmierig werden kann.

Das Material härtet innerhalb von etwa 1-2 Stunden aus. Im getrockneten Zustand ist Milliput härter, aber auch spröder als Green Stuff.

Verarbeitung

Wie auch beim Green Stuff knetet man bei Milliput die beiden Komponenten einfach zusammen. Dabei schneide ich mir zuerst immer so viel von den Rollen ab, wie ich benötige. Wenn die Rollen schon eine Weile lagern, haben ihre Ränder ggf. schon angefangen zu oxidieren – sie haben sich also etwas verfärbt. Zur Sicherheit schneide ich diese Stellen ab. Da die Oxidation wirklich nur oberflächlich ist, verliert man nur sehr wenig Material.

Beim Zusammenkneten der Komponenten ist zu beachten, dass sich die Farbe der fertigen Mischung nur wenig von den Komponenten (vor allem von der gelben) unterscheidet und man somit schlechter sehen kann, ob alles ausreichend vermischt ist. Im Zweifelsfall sollte man einfach noch etwas länger kneten, da schlecht vermischtes Milliput auch schlecht aushärtet.

Ganz grundsätzlich lassen sich Spalten mit Milliput genauso verschließen, wie man dies mit Green Stuff tun würde. Man kann also beispielsweise kleine Schnüre bzw. Rollen rollen, diese dann in Spalten einbringen und anschließend mit Modellierwerkzeugen nacharbeiten.

Milliput hat aber eine wichtige Eigenschaft, die Green Stuff nicht hat und diese lässt sich durchaus zu unserem Vorteil verwenden: Es ist wird durch Isopropylalkohol (zum Beispiel diesen hier (*)) oder auch Brennspiritus angelöst und lässt sich dadurch sehr fein verarbeiten.

Milliput auf Warhammer 40k Necron Krieger (GW): links grob aufgetragen, rechts mit Isopropanol ausgetrichen

In dem Foto oben links habe ich eine Lücke sehr großzügig mit Milliput verschmiert. Anschließend habe ich einen alten Pinsel in etwas Isopropylalkohol getupft und dann die Masse geglättet. Das Ergebnis sieht man rechts. Da ich diese Möglichkeit hier ganz bewusst veranschaulichen wollte, habe ich hier allerdings etwas zu viel Milliput verwendet und dieses auch auch wirklich nur grob aufgetragen. Weniger Masse und etwas mehr Sorgsamkeit beim Auftragen wären hier sicherlich sinnvoll gewesen. Trotzdem sieht das Ergebnis rechts schon ganz okay aus und könnte mit noch etwas mehr Mühe auch noch deutlich verbessert werden. Zum einen könnte man die Ränder noch etwas sauberer ausstreichen und zum anderen könnte man das Ganze nach dem Trocknen auch noch sauber abschleifen.

Eine andere Möglichkeit mit Milliput zu arbeiten ist, dass man es in einem kleinen Schälchen oder Becher gleich von vornherein mit Isopropylalkohol verdünnt. Auf diese Weise erhält man eine Paste, mit der man jeden noch so feinen Haarriss verschmieren kann. Die Konsistenz dieser Paste lässt sich je nach Flüssigkeitszugabe nach den jeweiligen Bedürfnissen frei einstellen.

Persönliche Anmerkung zum Einsatz

Für mich ist Milliput in der Regel das Mittel der Wahl, wenn es wirklich nur um das Schließen von Spalten geht. Es lässt sich leicht verarbeiten und formen und vor allem die Tatsache, dass es in Isopropylalkohol löslich ist, gibt einem viel Flexibilität bei den Einsatzgebieten.

Fertige Modelliermassen

Viele Hersteller bieten Modelliermassen an, die man fertig aus einer Tube drücken (z.B. Plastic Putty (*) von Vallejo) oder aus einem Topf entnehmen kann (z.B. Liquid Green Stuff (*) von Games Workshop/ Citadel). Je nach konkretem Produkt können die Materialeigenschaften durchaus in Details von einander abweichen. Ich versuche hier aber meine Erfahrungen mit unterschiedlichen Produkten zusammenzufassen, da sie sich, meiner Meinung nach, in wesentlichen Punkten ähnlich verhalten.

Materialeigenschaften und -eigenheiten

Die fertigen Modelliermassen sind in der Regel von weicherer Konsistenz als Milliput oder Green Stuff.

Der wichtigste Punkt, den man beim Einsart dieser Produkte beachten sollte, wurde bereits weiter oben erwähnt: Aufgrund der Verdunstung des in ihnen enthaltnen Wassers verlieren diese Fertigmischungen beim Trocknen an Volumen.

In den Fotos oben habe ich Plastic Putty von Vallejo in einen Spalt eingebracht und anschließend mit einem Holzstäbchen bündig zur Oberfläche abgestrichen. Links sieht man den Spalt direkt nach dem Einbringen und Glattstreichen der Modelliermasse. Rechts sieht man den gleichen Spalt etwa einen Tag später, nachdem die Masse getrocknet war. Wie man erkennen kann, ist die Plastic Putty geschrumpft, sodass nun wieder eine klar erkennbare und spürbare Delle im Plastikcard bleibt.

Verarbeitung und Anwendung

Je nach Produkt kann man die Modelliermasse entweder direkt aus der Tube in den zu schließenden Spalt hineindrücken oder aber aus einem Töpfchen herausnehmen und mittels Modellierwerkzeut in die zu füllende Lücke einarbeiten.

Wie aus meinem Beispielfoto oben deutlich geworden sein sollte, bietet sich die Verwendung von fertigen Modelliermassen in erster Linie bei wirklich feinen Rissen an. Mit viel Geduld lassen sich zwar auch tiefere Risse ausfüllen, doch bedürfte dies mehrerer Durchgänge und das würde wiederum im Gegensatz zu dem stehen, weswegen man überhaupt erst auf Fertigmischungen zurückgreift: Bequemlichkeit und Zeitersparnis.

Persönliche Anmerkung zum Einsatz

Der Einsatz von fertigen Modelliermassen endet bei mir meistens mit einer Enttäuschung. Das Ergebnis ist nach einem einzigen Durchgang selten so, wie man es sich erhofft, sodass ich lieber auf andere Mittel zurückgreife.

Unabhängig von dem Einsatzgebiet für das Plastic Putty, Liquid Green Stuff etc. ja eigentlich gedacht sind, lassen sich diese Produkte auch zweckentfremden. So gelingt es mit diesen Produkten ziemlich gut Texturen auf eigentlich glatte Oberflächen aufzubringen. Dies kann z.B. zur Darstellung von korrodiertem Metall oder einer unreinen Haut sehr praktisch sein.

Sprue Goo

Das letzte „Produkt“, das ich hier vorstellen möchte, hat keinen offiziellen Namen. Im englischsprachigen Bereich habe ich schon den Begriff „sprue goo“ gehört. Es handelt sich dabei lediglich um Plastikrest (zum Beispiel aus einem Gussrahmen), die in Plastikkleber aufgelöst wurden.

Herstellung

Der Begriff „Herstellung“ klingt etwas hochtrabend für diesen simplen Prozess: Man schabt ein paar Plastikspäne von einem Gussrahmen ab und vermischt diese mit Plastikkleber.

Wenn man auf Vorrat arbeiten möchte, kann man einfach den Inhalt einer Tube bzw. eines Fläschchens Plastikkleber in ein möglichst luftdicht abschließbares, kleines Gefäß geben. Anschließend schnippelt man möglichst kleine Stücke Plastik in dieses Gefäß. Am besten funktioniert dies mit den oben bereits angesprochenen Spänen – allerdings kann das Schaben auch ganz schön lange dauern. Danach rührt man die Paste gut um und lässt sie über Nacht (verschlossen!) stehen. Am nächsten Tag sollte sich das Plastik aufgelöst haben – ggf. ist noch einmal Rühren notwendig.

Alternativ kann man sich diese Paste auch immer nach bedarf anrühren. In diesem Fall ist das Arbeiten mit feinen Spänen allerdings unerlässlich, da es sonst zu lange dauert, bis das Plastik geschmolzen ist. Ich selbst gebe dazu einfach ein paar Tropfen Plastikkleber auf einen kleinen Haufen Späne und rühre diese mit einem Zahnstocher so lange um, bis ich eine homogene Masse vor mir habe. Man sollte natürlich darauf achten, dass der Untergrund, auf dem man arbeitet, nicht ebenfalls aus einem Kunststoff besteht, der vom Plastikkleber angelöst wird.

Ich kann an dieser Stelle kein konkretes Verhältnis von Plastik zu Plastikkleber nennen. Zum einen sind die Kleber selbst von unterschiedlicher Konsistenz und zum anderen können unterschiedliche Arbeiten auch eine unterschiedliche Konsistenz erfordern. Je feiner der Spalt ist, den ich schließen möchte, desto dünner darf mein sprue goo sein. Grundsätzlich ist es eine gute Idee zuerst mit eher wenig Plastik zu beginnen und dann nach und nach etwas mehr hinzuzufügen. Auf diese Weise kann man leicht sehen, ab wann die Masse die Konsistenz erreicht hat, mit der man arbeiten möchte.

Materialeigenschaften und -eigenheiten

Das schöne an sprue goo ist, dass dieses ganz grundsätzlich die gleichen Eigenschaften hat wie unsere Plastikminis – beides besteht ja aus dem gleichen Material.

Wenn man allerdings eine eher flüssige Mischung angerührt hat, dann wird diese Masse auch im getrockneten Zustand einen höheren Grad an Elastizität aufweisen als das reine Plastik. Es verhält sich insofern dann eher wie Green Stuff.

„sprue goo“

Ein anderes Phänomen ist auf dem Foto oben zu sehen: (Abgesehen davon, dass auf meinem Arbeitsplatz offensichtlich irgendwelche kleinen Fusseln herumfliegen.) Es kann vorkommen, dass es zu Lufteinschlüsse in der Plastikmasse kommt, die dann beim Schmirgeln der Fläche hervortreten. Allerdings ist das in der Praxis selten ein Problem. Man sollte nicht vergessen, dass mein Beispiel oben eine wenige Millimeter starke Plasticard-Platte ist und die Bläschen entsprechend klein. Zudem füllen sich die Bläschenkrater mit dem Schmirgelstaub, sodass sie nach einer weiteren dünnen Schicht Plastikkleber eigentlich nicht mehr wahrnehmbar sind.

Ich vermute, dass der Grund für diese Lufteinschlüsse darin liegt, dass ich a) die Masse nicht gut genug durchgerührt habe oder b) ich zu viel Plastikkleber auf zu wenig Plastik verwendet habe. Aber wie gesagt: In der echten Anwendung haben sich die Bläschen für mich bisher nie als Problem erwiesen.

Verarbeitung

Da die Konsistenz von sprue goo flüssiger ist als die von beispielsweise Milliput oder Green Stuff lassen sich damit keine Röllchen oder Ähnliches vorformen. Stattdessen tupft man die Masse mit einem Zahnstocher, einem Modellierwerkzeug (das man zügig reinigen sollte) oder einem (sehr) alten Pinsel auf die zu korrigierende Stelle. (Der Pinsel ist nach diesem Einsatz wirklich zu nichts anderem mehr zu gebrauchen.) Anschließend verstreicht man die Masse so gut es geht, wartet bis alles getrocknet ist und schleift dann alles, was zu viel ist, weg. Ich persönlich lasse die Masse immer über Nacht trocknen, bis ich zum Schleifen übergehe.

Beim Auftragen der Masse ist natürlich zu beachten, dass man möglichst keine Details umschließt. Die Masse würde sich mit den Details verbinden und diese somit unkenntlich machen oder zumindest anschmelzen.

Auf dem Foto oben links sieht man, wie ich bereits die Plastikmasse aufgetragen habe. Ich hatte mich im Vorfeld für eine sehr flüssige Mischung entschieden, sodass sich diese auch erwartungsgemäß gut an die Oberfläche angepasst hat. Rechts sieht man dann die angeschliffene Version. Die kleinen hellen Stellen sind die oben beschriebenen Lufteinschlüsse und waren für mich mit bloßem Augen nicht zu erkennen. Auch mit dem Finger konnte ich sie nicht erfühlen.

Persönliche Anmerkung zum Einsatz

Sprue goo kommt für mich vor allem dann in Frage, wenn ich feine Lücken zu schließen habe, an die ich leicht herankomme. Sollte ich beim Einsatz dieses Plastikgemisches Gefahr laufen, Details zu verdecken, greife ich allerdings lieber auf Milliput mit Isopropylalkohol zurück.

Was gibt es sonst noch?

In diesem Artikel bin ich auf die Materialien eingegangen, mit denen ich selbst schon einige Erfahrungen sammeln konnte, also Green Stuff (*), Milliput (*), fertige Modelliermassen wie Vallejo Plastic Putty (*) oder GWs Liquid Green Stuff (*) und sprue goo.

Wie bereits erwähnt, gibt es noch eine Vielzahl anderer Hersteller, die Produkte anbieten, die sich grundsätzlich zum Modellieren bzw. Reparieren von kleineren Makeln eignen. Für den hier beschriebenen Zweck sind allerdings all die Modelliermassen, die zum Aushärten in den Backofen gesteckt werden müssen (also z.B. Fimo (*)), denkbar ungeeignet. Es ist nun einmal wenig ratsam, eine Kunststoffminiatur zu großer Hitze auszusetzen.

Außerdem gibt es noch die Möglichkeit, mit flüssigem Resin bzw. Reperaturstiften zu arbeiten (z.B. so etwas hier (*)). Diese sind allerdings nicht ganz günstig und ich habe hiermit bisher auch noch keine Erfahrungen gesammelt.

10 Replies to “Lücken füllen”

  1. Salve,
    mal wieder ein sehr schöner Artikel, super!
    Das mit Milliput und Iso wusst ich noch garnich 🙂
    Die Möglichkeit beide 2K Massen (Green Stuff und Milliput) zu mischen ist auch noch interessant.
    Es ergeben sich je nach Mischungsverhältniss unterschiedliche Eigenschaften.
    50:50 zum Beispiel nehm ich zum abformen für filigrane Sache, da diese durch das GS elastischer sind und nicht so spröde wie Milliput allein.
    Mp 80:20 GS verkneten und mit Wasser vermischt bis es pastös wird ,ist zum Lücken füllen nicht schlecht.

    1. Hallo running_mind,

      vielen Dank für das Feedback!

      Das mit dem Mischen der Zwei-Komponenten-Massen wollte ich eigentlich auch noch erwähnen, habe es dann aber tatsächlich einfach vergessen. Vielen herzlichen Dank also für die Ergänzung.

  2. Dauert lange und wird gut 😉 Schön, dass du überhaupt Zeit findest weitere Artikel zu schreiben.
    Danke für den Artikel. Lückenfüllen, ist bei mir noch ein Schwachpunkt. Ich habe zwar schon einiges aus deinem Artikel gewusst. Aber er ist eine hervorragende Auffrischung und an einigen entscheidenden Stellen, auch ein sehr gute Ergänzung für mich. Noch besser: Ich weiß jetzt wo ich nachlesen kann, wenn ich was wissen will 😉

    Viele Grüße
    Christoph

    1. Hallo Christoph,

      dankeschön für deinen Kommentar.
      Du wirst lachen, aber es kommt nicht selten vor, dass ich Dinge in meinem eigenen Blog nochmal nachlese. Unser Hobby ist so vielfältig, da kann man auch einfach mal was vergessen. 🙂

  3. Vielen Dank, auch für nen alten Hasen is hier mal wieder was dabei. Bisher hab ich greenstuff genommen, obwohl miliput ebenfalls aufm Hobbytisch liegt….das habe ich bisher aber zum „kopieren“ in Kombination mit bluestuff genommen.

    Und der Tip mit Iso ist natürlich sehr gut.

    Mal wieder herzlichen Dank

    1. Hallo UrielVentris,

      vielen Dank. Alten Hasen noch einen Tipp geben zu können, macht mich schon ein wenig stolz.

      Viele Grüße!

  4. Ich kenne die Herstellung von „Sprue goo“ mit Aceton. Habe diese Variante genutzt um damit Restverwertung der Gußrahmen zu betreiben. Habe aus der Masse z.B. Panzerplatten und Barrikaden geformt.

    1. Hallo Jens,
      vielen Dank für deinen Hinweis. Das habe ich bisher noch nicht ausprobiert, zumal ich den Geruch von Aceton noch etwas krasser finde als den vom Plastikkleber. Aber ich glaube, ich werde es da wirklich mal auf einen Versuch ankommen lassen, zumal sich damit die Flüssigkeit der Masse noch etwas besser einstellen lassen müsste. Das ist aber wohl eher eine Arbeit für draußen.
      Viele Grüße!

  5. Schöner Artikel über ein wichtiges aber leider oft vernachlässigtes Thema. Insbesondere für umgebaute Modelle ist das Lückenfüller oft unumgänglich. Danke das du dir soviel Mühe mit der Theorie machst , solche Artikel findet man so ausführlich nur schwer (insbesondere auf deutsch).
    Was ich noch fragen wollte: willst du auch etwas über Basegestaltung schreiben, ich denke das ist sicherlich auch ein sehr wichtiger Aspekt.
    MfG Mohonobilis

    1. Hallo Mohonobilis,

      vielen Dank für dein Feedback. Es gibt Artikel, die schreiben sich quasi von alleine. Beim Thema „Lücken füllen“ war das nicht so, weil es sich eher nicht um ein Thema handelt, für das ich so wirklich brenne. Das ist aber, glaube ich, verständlich. Gleichzeitig halte ich es aber, wie du es ja auch schreibst, für wirklich wichtig. Und da ich den Anspruch habe, mit meiner Seite nach und nach einen Ratgeber für alles rund ums Bemalen von Miniaturen zusammenzustellen, darf ein solche wichtiger Punkt einfach nicht fehlen.
      Ja, die Sache mit der Basegestaltung steht auch auf meiner to-do Liste. Allerdings glaube ich, dass es wohl sinnvoll wäre, sogar mehrere Artikel dazu zu schreiben. Mir schwebt derzeit eine Art Grundlagenartikel + mehrere fortgeschrittene Artikel vor. Jedenfalls wäre das ein Thema, dass mir garantiert deutlich leichter von der Hand gehen würde als das mit dem Lücken schließen. Basegestaltung macht einfach total viel Spaß.

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