„Figuren Bemalung“ von Danilo Cartacci

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In „Figuren Bemalung“ (*) hat sich mit Danilo Cartacci ein echter Meister seines Faches die Mühe gemacht, sein Vorgehen beim Bemalen von Miniaturen in hunderten von Fotos zu visualisieren.

Doch kann man als Normalsterblicher den Gedanken einer solche Koryphäe überhaupt folgen? Handelt es sich dabei wirklich um ein „lang ersehntes Standardwerk“, das auch für Anfänger geeignet ist, wie im deutschen Vorwort zu lesen? Diesen Fragen und auch die Frage danach, was mich an diesem Buch besonders inspiriert und anspricht, werde ich im Folgenden nachgehen.

Über den Autor

Der Italiener Danilo Cartacci wurde 1969 in Rom geboren und lebt und arbeitet noch heute dort. Die Tatsache, dass er zeitlebens von den Werken großer Künstler umgeben war, betrachtet er als wichtigen Einfluss auf sein künstlerisches Schaffen. Zudem gehört Cartacci zu den glücklichen Menschen, die schon früh an das Hobby Modellbau herangeführt wurden, da bereits seine Eltern Panzermodelle zusammenbauten. Seine erste eigene Zinnfigur bemalte er dann mit 11 Jahren.

Seit dieser Zeit hat Danilo Cartacci künstlerisch einen weiten Weg hinter sich gebracht, auf dem er seit den 90er Jahren auch mit einer Reihe namhafter Miniaturendesignern zusammenarbeitet. Wer seine Werke sieht, wird wenig verwundert sein, dass Herr Cartacci bereits eine Vielzahl nationaler und internationaler Preise für seine Kunst errungen hat. Wer mehr über ihn erfahren möchte, wird auf seiner Homepage fündig.

Da ich natürlich keine fremden Bildrechte verletzen möchte, kann ich im Folgenden keine Fotos aus dem Buch abbilden. Wer jedoch einen Eindruck von Danilo Cartaccis Arbeit bekommen möchte, dem sei sein Instagram Account empfohlen.

Zu den formalen Eckdaten des Buches

„Dipingere in Miniatura“ erschien bereits im Jahr 2007 in Italien und wurde dann neun Jahre später, also 2016, unter dem Titel „Miniaturen Bemalung“ in Deutschland veröffentlich.

Die deutsche Version von „Figuren Bemalung“ wurde von der Zeughaus Verlag GmbH herausgegeben. Es handelt sich dabei um einen Verlag, den man sich als historisch interessierter Hobbyist durchaus einmal merken sollte. Neben Bücher zur Militärgeschichte, finden man beim Zeughaus Verlag auch eine Menge zum Thema Modellbau.

Das Buch wird im DIN A4 Format aufgelegt, hat 120 Seiten (die Seiten des Softcover-Bindung nicht mitgezählt) und wirkt somit eher wie ein dickes Heft. Die Entscheidung für das recht große Format ermöglicht dabei jedoch die großformatige Abbildung einzelner Miniaturen und dem Leser somit eine genaue Betrachtung der Details.

Die eigentlichen Anleitungen (inklusive Fotos) umfassen 97 Seiten. Das Buch endet mit einer 17-seitigen „Galerie“, in der eine Reihe (großartig) fertig bemalter Modelle vorgestellt werden. Bei den übrigen Seiten handelt es sich um solche Dinge wie Vorwort, Einleitung etc.

Das Kernstück des Buches, also die Anleitungen, besteht aus 12 Kapiteln, die sich sowohl mit der Darstellung typischer Materialien, Figurenelementen und Effekten (Haut, Stoffe, Metalle, Tressen und Besätze, Heraldik, Natürliche Materialien, Bemalung eines Pferdes, Alterung, Komplexe Figuren) als auch mit modellbauerischen Aspekten (Vorbereitung und Zusammenbau, Sockelgestaltung) auseinandersetzen. Zudem gibt es ein Kapitel zu notwendigen bzw. hilfreichen Materialien.

Ein Großteil der meisten Buchseiten wird von Fotos eingenommen. Beschreibungen und Anleitungen in Textform finden sich dann in der Regel am Rand oder am Kapitelanfang.

Was erwartet den Leser?

In diesem Teil meiner Rezension versuche ich zwar weitestgehend objektiv zu bleiben und grob darzustellen, wodurch sich Cartaccis Stil und der Aufbau des Buches im Wesentlichen auszeichnen. Es handelt sich dabei letztendlich aber trotzdem nur um meinen persönlichen Eindruck und vor allem der Punkt „Stil“ lässt sich schwer objektiv greifen. Es geht mir in erster Linie darum, das Offensichtliche zu beschreiben und nicht zu sehr ins Detail zu gehen (womit ich vermutlich ohnehin überfordert wäre).

Die Miniaturen

Bei den in diesem Buch dargestellten Miniaturen handelt es sich fast durchgehend um historische Militärfiguren aus unterschiedlichsten Epochen. (Das „fast“ ist nötig, da der Heilige Georg in einem Mini-Diorama einen Drachen niederstreckt und es auch eine Miniatur des gestiefelten Katers gibt.) Darunter finden sich unter anderem römische Legionäre, normannischer Ritter, ein chinesischer Krieger und Soldaten des British Empire.

Soweit das auf den Fotos zu erkennen ist, handelt es sich zudem ausschließlich um Metallfiguren. Dies spielt allerdings in erster Linie in dem Kapitel über die Vorbereitung und den Zusammenbau eine Rolle. (Und dann, wenn es darum geht, wie Cartaccis seinen Metalliceffekt erreicht – aber dazu später mehr.)

Durchaus relevant ist jedoch, dass es sich bei den Miniaturen in der Regel um 54 mm Figuren (oder größer) handelt. Die im Buch getroffenen Aussagen behalten selbstverständlich auch bei kleineren Figuren ihre Gültigkeit, doch sollten man sich dieser Tatsache durchaus bewusst sein, wenn man die gezeigten Techniken auf 28 oder 32 mm Figuren anwenden möchte. Der gezeigte Detailgrad lässt sich auf kleineren Modellen natürlich schwerer erreichen.

Der Bemalstil

Cartacci setzt auf seinen Miniaturen sowohl Acryl– als auch Ölfarben ein und verbindet dabei geschickt die Vorteile beider Mittel. Die farbkräftigen Acrylfarben dienen ihm dabei in erster Linie zum Blocken der Grundfarben (also als basecoat). Außerdem nutzt er sie, um Stoffe zu bemalen (u.a. aufgrund des matten Finishs, mit dem sie austrocknen.) Für die meisten anderen Einsatzgebiete verwendet er dann Ölfarben. Da diese weniger stark decken als Acrylfarbe und sie sich recht einfach verblenden lassen, erreicht er mit ihnen unglaublich saubere, stufenlose Farbverläufe.

Im Ergebnis zeichnen sich die von Cartacci bemalten Modelle durch sowohl Realismus als auch Sauberkeit aus. Auf den ersten Blick könnte man die Fotos mancher Miniaturen fast für Fotos echter Menschen halten. Man sieht den Figuren an, dass jeder Pinselstrich bewusst gesetzt und beispielsweise nirgendwo eine ganze Figur einfach mit einer Schicht Wash überzogen wurde. Selbst an Stellen, an denen Weathering-Effekte zum Einsatz kommen, werden diese ganz gezielt gesetzt. An keiner Stelle könnte man den Eindruck gewinnen, dass Verschmutzungen genutzt werden, um Unsauberkeiten zu verdecken. (Nicht, dass überhaupt jemand auf so eine Idee käme… 😉 )

Cartaccis künstlerische Fähigkeiten und Sauberkeit werden nicht zuletzt auch an seinen freehand-Elementen sichtbar (also an den Stellen, an denen frei Hand Symbole, Muster oder ganze Bilder aufgetragen werden – außerhalb unseres Hobbys spricht man da auch gemeinhin von „malen“ 🙂 ).

Wie von jemanden zu erwarten, der auf dem Level des Autors malt, arbeitet Cartacci mit wunderbaren Kontrasten. Dies gilt vor allem für Hell-Dunkel-Kontraste: Selbst weiße Stoffelemente werden in den tiefsten Schatten fast Schwarz dargestellt – und das, ohne dass einem ein Farbsprung/ eine Farbkante auffallen würde.

Die didaktische Konzeption

Hier muss ich kurz etwas weiter ausholen: Wenn es um die Vermittlung von Fähigkeiten geht, unterscheide ich persönlich zwei Strategien, die sozusagen die Extrempunkte einer gemeinsamen Skala darstellen.

Auf der einen Seite werden allgemeingültige Aussagen getroffen, die dem Lernenden helfen, in jeder erdenklichen Situation die richtige Frage zu stellen. Es geht also um generelle Prinzipien. Dazu gehören beispielsweise Aussagen, wie: „Achte darauf, dass deine Farben die richtige Konsistenz aufweisen.“ Man schafft dadurch ein Problembewusstsein und der Lernende denkt darüber nach, welche Konsistenz denn nun für sein konkretes Vorhaben „richtig“ ist. Leider ist diese Aussage auch recht abstrakt und vor allem Anfänger (aber nicht nur diese) wünsche sich viel konkretere Aussagen.

Diese finden sie auf der anderen Seite meiner gedachten Skala. Hier finden sich konkrete Rezepte, wie beispielsweise: „Wenn du GWs Mephiston Red mit einer Layering-Technik auftragen möchtest, solltest du dieses in einem 2:1 Verhältnis mit Wasser verdünnen.“ Man macht sich also die Erfahrungen anderer zu Nutze und weiß ganz genau, was man zu tun hat. Man bekommt allerdings ein Problem, wenn sich eine der Komponenten ändert. Vielleicht hat man nur Vallejo Farben zur Hand? Oder das Mephiston Red, das man verwendet, ist schon etwas älter und somit dickflüssiger geworden? Oder aber man kommt, trotz guter Erfahrungen anderer Maler mit diesem Mischungsverhältnis, mit der entstehenden Konsistenz selbst einfach nicht zurecht, weil sie nicht zum eigenen Malstil passt.

In „Figuren Bemalung“ finden sich zwar durchaus Beispiele für beide Enden der Skala, doch liegt der Schwerpunkt der didaktischen Konzeption des Buches auf der Rezeptseite. Cartacci geht dabei ziemlich kleinschrittig und somit gut nachvollziehbar vor. So beschreibt er beispielsweise die Bemalung eines Gesichts (ohne Haare) in 20 Einzelfotos. In der Regel nennt er auch die konkreten Farbbezeichnungen inklusive Herstellernummer.

Was hat mich an „Figuren Bemalung“ inspiriert?

Letztendlich bewerte ich für mich selbst die Qualität eines solchen Buches danach, inwieweit es mich in meinem Hobby weiterbringt bzw. inspiriert (etwas Neues auszuprobieren; etwas anders zu sehen als vorher usw.). Die folgenden Aussagen kann man also als besonders subjektiv betrachten.

Die Fotos

Schon beim ersten Durchblättern fallen einem die vielen, teilweise ganzseitigen Fotos ins Auge.

Selbst wenn es in diesem Buch keinen einzigen Satz zur Erklärung der Bemalung gäbe, würde ich die Sammlung der darin enthaltenen Fotos als Gewinn betrachten. Die professionellen Aufnahmen lassen jedes Detail erkennen und wirken zumindest auf mich absolut inspirierend.

Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, aber ich möchte es dennoch erwähnen: Es wird darauf verzichtet, die Miniaturen in bunten Farben anzustrahlen, um eine bestimmte Atmosphäre bzw. Stimmung zu erzeugen, wie dies beispielsweise mittlerweile in GWs White Dwarf gemacht wird. Auf diese Weise wird die Wirkung der Farben nicht verzerrt und man kann die gewählten Farbtöne gut erkennen.

Dass Cartacci anders denkt als ich

Ich bilde mir ein, in meinem Hobby immer offen für Neues zu sein – also quasi mit einem offenen Geist durch meine Hobbywelt zu spazieren. Da ich mittlerweile aber nun schon die eine oder andere Miniatur bemalt habe, bin ich dennoch, auch wenn ich das nicht möchte, auf einen bestimmten Weg eingefahren.

Ich finde es deswegen immer besonders erfreulich, wenn mir klar vor Augen geführt wird, dass man auch völlig anders vorgehen kann. Cartacci tut in seinem Buch genau dies. So verwende ich beispielsweise für fast alle Arbeitsschritte Acrylfarben. Ölfarben setze ich zumeist nur in Form eines Washes oder zur Darstellung von Verschmutzungen ein. Cartacci hingegen nutzt Acrylfarben, wie bereits erwähnt, vor allem zur Schaffung eines satten Untergrundes, auf dem er dann mit Öl weitermalt.

Natürlich bedeutet das nicht, dass ich von heute auf morgen alle meine Acrylfarben durch Ölfarben ersetzen werde und dass ich bis heute alles falsch gemacht habe. Ich finde es aber erfrischend zu sehen, dass man auch völlig anders vorgehen kann, als ich dies zumeist tue. Ob sich dies nun konkret auf meinen Bemalstil in der Zukunft auswirkt, kann ich nicht sagen. In meinem Hinterkopf schwelt jetzt aber der Gedanke, Ölfarben vielleicht noch etwas häufiger und in neuen Situationen einzusetzen.

Anmerkung: Auch wenn ich mich gerne an anderen Vorgehensweisen und Meinung reibe, empfinde ich es dennoch als beruhigend, dass auch ein Künstler wie Cartacci nicht alles komplett anders macht als ich. Sein Kapitel über die Bemalung von Stoffen entspricht ziemlich genau dem, wie ich auch vorgehen würde. (Sein Ergebins übertrifft meine Fähigkeiten dann aber doch deutlich.)

Beispiel: Metallics

Als konkretes Beispiel für ein Vorgehen, an das ich nicht im Traum gedacht hätte, möchte ich kurz zusammenfassen, wie Cartacci bei Metalleffekten vorgeht – zumindest, wenn es sich um größere Flächen handelt.

Wenn ich selbst Metall auf einer Miniatur darstellen möchte, dann verwende ich dafür Metallicfarben. Alternativ dazu besteht natürlich noch die Möglichkeit, Metall im NMM-Stil (non-metallic metal) darzustellen. Hierbei malt man Spiegelungen bzw. Reflexion mit „normalen“ Farben und recht viel Aufwad von Hand auf. Und eigentlich bin ich bis vor der Lektüre dieses Buches auch davon ausgegangen, dass das eigentlich die einzigen beiden Vorgehensweise sind. Cartacci geht aber noch einen anderen Weg, der – wenn man darüber nachdenkt – eigentlich ziemlich naheliegend ist:

Er macht sich dabei das Material der Miniaturen zunutze. Da die Figuren des Autors aus Metall bestehen, weisen sie ja ohnehin schon eine metallische Oberfläche auf. Um diesen metallischen Glanz noch zu verstärken, poliert er die entsprechenden Stellen mit einer kleinen Messingbürste. Dadurch dass er die erhabenen Stellen etwas stärker poliert als die tiefer liegenden Stellen, erzielt er schon in diesem Arbeitsschritt eine gewisse Tiefenwirkung. Anschließend setzt er Öl-Washes ein, um die Details herauszustellen. Mithilfe weiterer Washes oder anderer durchscheinender Farben, wie beispielsweise der Tamyia Clear Reihe (*), lässt sich dann der Farbton des Metalls noch nach Belieben verändern.

Was hat mich an „Figuren Bemalung“ gestört?

Ich selbst wäre wohl kaum in der Lage, ein Buch zu diesem Thema zu schreiben, an dem mich dann nicht doch noch etwas stören würde. Dementsprechend habe ich auch bei Cartacci einige Punkte gefunden, an denen ich herummeckern kann. Aber natürlich sind auch die nachfolgenden Aussagen wieder sehr subjektiv.

Absolute Formulierungen

Schon der erste Punkt, den ich anspreche, macht deutlich, dass es sich bei meinen Kritikpunkten wohl eher um persönliche Vorlieben handelt. Denn für meinen Geschmack formuliert Cartacci stellenweise zu absolut. Ich weiß, dass sich viele Menschen durch absolute und somit sehr konkrete Aussagen angesprochen fühlen. Doch in der Realität gibt es selten reines Schwarz und Weiß und stattdessen viele Schattierungen von Grau.

Natürlich kann man diese Form der Darstellung auch als ein Mittel der didaktischen Reduktion begreifen: Vor allem Anfänger möchten anfangs nicht durch überkorrekte Differenzierungen verwirrt werden. Ich finde es aber ungünstig, wenn es dadurch zu – meines Erachtens – falschen Aussagen kommt. Wenn Cartacci also Ölfarben bevorzugt, weil sich diese leicht auf der Miniatur verblenden lassen, finde ich das vollkommen nachvollziehbar. Dass er dann aber – quasi im Umkehrschluss – sagt, dass „[e]ine wichtige Eigenschaft der Acrylfarben“ sei, „dass sich Farbübergänge nicht wie bei Ölfarben durch Verblendungen erreichen lassen“ (S. 29), halte ich inhaltlich für nicht korrekt. Unter anderem zeige ich ja in meinem Artikel zum wet blending, dass dies durchaus funktioniert (und ich bin bei Weitem nicht der einzige, der diese Technik thematisiert und gezeigt hat).

Schöner fände ich jedenfalls Formulierungen wie: „Ölfarben lassen sich deutlich leichter verblenden als Acrylfarben. Bei Letzteren ist dies zwar auch möglich, doch erfordert dies ein gewisses Maß an Übung, kann aber durch weitere Hilfsmittel erleichtert werden.“

Allerdings sollte man auch im Hinterkopf behalten, dass es sich bei „Figuren Bemalung“ um eine Übersetzung handelt und es dabei manchmal auch zu kleineren inhaltlichen Veschiebungen kommen kann. Das ist in diesem Fall aber eine reine Mutmaßung.

Der Aspekt „absolute Formulierungen“ überschneidet sich durchaus etwas mit meinem zweiten Kritikpunkt.

Rezeptlastig

Wie bereits weiter oben angesprochen, sehe ich „Figuren Bemalung“ eher auf der Rezept- als auf der Prinzipienseite meiner gedachten Skala. Vor allem dann, wenn im Vorwort von einem „Standardwerk“ die Rede ist, das sich auch an Anfänger richtet, hätte ich persönlich den Fokus gerne etwas mehr in Richtung allgemeingültige Prinzipien verschoben gesehen.

So gibt es beispielsweise keine grundlegende Einführung in die Farbtheorie, die einem Anfänger bei der Auswahl der Farben unterstützen würde. (*hüstl* Ich weiß, dass ich mit dieser Kritik durchaus selbst im Glashaus sitze, da Informationen darüber derzeit auch auf bemalminis.de noch fehlen.) Dies mag allerdings bis zu einem gewissen Grad auch daran liegen, dass der Autor in erster Linie historische Modelle bamelt und sich dementsprechend bei der Farbwahl an historischen Vorbildern orientiert. (Dennoch muss ein Maler auch in diesem Fall noch eine Reihe von Farbentscheidungen treffen.)

Cartacci geht, wenn er die Bemalung eines Gesichts beschreibt, durchaus auf das Erzielen von Kontrasten ein und zeigt in diesem Zusammenhang auch, wie er seine Farben auf der Palette zusammenstellt. Dies wäre durchaus eine Gelegenheit gewesen, allgemeingültigere Überlegungen zur Farbwahl anzustellen und dem Leser an seinem Gedankengang teilhaben zu lassen.

Vor allem dann, wenn sich das Buch auch an Anfänger richten soll, wären auch grundlegende Hinweise zur Pinselführung hilfreich. Der Autor geht hier offensichtlich von gewissen Mindestmaß an Vorkenntnissen aus. In dem Kapitel über die Bemalung von Stoffen hat er allerdings die Pinselstrichrichtung auf der Miniatur mit Pfeilen aufgemalt. Das wiederum halte ich für sehr gelungen und hätte ich mir noch öfter gewünscht.

Keine Lichteffekte

Der letzte Punkt, den ich anspreche, mag etwas willkürlich anmuten. Beim Durchlesen des Buches fiel mir auf, dass Cartacci eigentlich durchgängig von (mehr oder weniger zentralem) zenitalem (Sonnen-)Licht als einzige Lichtquelle bei seinen Miniaturen ausgeht. Ich konnte nirgendwo Lampen-, Fackel- oder sonstiger Feuerschein entdecken (also kein OSL – object source light).

Natürlich ist die Darstellung von OSL keine absolute Notwendigkeit, um eine grandios bemalte Miniatur zu schaffen. Dennoch handelt es sich hierbei um ein Thema, das vermutlich vor allem viele fortgeschrittenere Maler interessieren würde. (Und auch hier möchte ich wieder auf das Vorwort verweisen, in dem angekündigt wird, dass sich das Buch auch an „Fortgeschrittene“ und „Experten“ richtet.)

Allerdings sollte ich an dieser Stelle wohl darauf hinweisen, dass die Darstellung von OSL wohl schlicht und ergreifend nicht zu Cartaccis Stil passt. Auch auf der Instragram Seite des Autors konnte ich kein Beispiel für diesen Effekt finden. Ich unterstelle einfach mal, dass ein Maler wie der Autor dieses Buches durchaus in der Lage wäre, diesen Effekt zu erzielen, wenn er es wollte.

Zudem sollte ich wohl anmerken, dass die Darstellung von OSL vor allem in den letzten (ich schätze hier grob) 15 Jahren immer beliebter geworden ist. Cartacci hat etwa 2005 mit der Arbeit an seinem Buch begonnen und das Ergebnis spiegelt natürlich auch den damaligen Zeitgeist wider.

Apropos: Das Thema Spiegelungen und bunte Reflexionen wird ebenfalls nicht angesprochen.

Für welche Zielgruppe ist „Figuren Bemalung“ geeignet?

Letztendlich bleibt die Frage, für welche Zielgruppe „Figuren Bemalung“ zu empfehlen ist.

Hobbyenthusiasten und begeisterte Maler

Fangen wir mit dem Offensichtlichen an: Das Buch ist absolut für Leute wie mich geeignet. Also Hobbyenthusiasten, deren Körper allein dann schon Glückshormone ausschütteen, wenn sie Fotos von toll bemalen Miniaturen betrachten können.

Außerdem ist es für Hobbyisten geeignet, die sich gerne mit dem künstlerischen Aspekt unseres Hobbys auseinandersetzen. Ich rede hier von denjenigen, die die Bemalung von z.B. Tabletop Figuren nicht nur als notwendiges Übel betrachten und dabei gerne einmal über den eigenen Tellerrand hinausblicken (auch zu dieser Gruppe zähle ich mich). Eher nicht geeignet ist es für Tabletop-Spieler, die alle zwei Monate eine neue Armee aus dem Boden stampfen möchten und auf der Suche nach effektiven, schnellen Techniken sind.)

Anfänger (?)

Doch wie sieht es mit der anfangs gestellten Frage aus, ob sich das Buch auch für Anfänger eignet? Diese Frage lässt sich nicht mit einem klaren Ja oder Nein beantworten:

Ich denke, dass jemand, der ansonsten noch keinen Kontakt zu unserem Hobby hatte, es sehr schwer haben wird, nur mit „Figuren Bemalung“ zu ersten Erfolgserlebnissen zu kommen. Aus meiner Sicht fehlen hier einfach einige grundlegendere Aspekte u.a. zum Handling der Arbeitsmittel bzw. teilweise werden diese Dinge angesprochen, kommen aber etwas zu kurz. Das soll aber auf keinen Fall heißen, dass ein Anfänger aus diesem Buch gar nichts herausziehen könnte. Nein, das Buch beinhaltet eine Vielzahl nützlicher Hinweise und stellt sicherlich eine Bereicherung dar. Doch glaube ich eben nicht, dass man mit diesem Buch all das Bemalen von Miniaturen lernt. (Das ist aber auch gar nicht unbedingt nötig. Schließlich gibt es im Internet ja mindestens einen ganz hervorragenden Blog, der sich mit diesem Thema beschäftigt. *hüstl* 😉 )

Eine Ausnahme stellen vielleicht Menschen dar, die ohnehin schon mit dem Malen mit Ölfarben vertraut sind und somit einen gewissen künstlerischen Background haben. In diesen Fällen könnte ich mir vorstellen, dass die von Cartacci gegebenen Anleitungen ausreichend sind, um sich auf dem neuen Untergrund zurechtzufinden.

Strikte Acrylmaler (?)

Möglicherweise denkt sich der eine oder andere nun: „Das klingt ja alles ganz interessant, aber ich möchte schlichtweg nicht mit stinkigen Ölfarben malen. Kann sich die Anschaffung des Buches dann überhaupt lohnen?“ Ich glaube schon. Zum einen gibt es Kapitel, die ohnehin allgemeiner Natur sind (Materialien; Vorbereitung und Zusammenbau; Sockel) oder in denen ohnehin nur in Acryl gemalt wird (Stoffe). Zum anderen lässt sich das allgemeine Vorgehen in den meisten Kapiteln auch gut auf Acrylfarben übertragen. Ja, möglicherweise sieht das Ergebnis dann etwas anders aus, aber eine Übertragung der Arbeitsschritte sollte in den meisten Fällen gut möglich sein.

Abschließende Überlegungen

So, das wäre also meine erste Rezension auf bemalminis.de. Ich muss sagen, dass ich mich vor dem Schreiben länger gefragt habe, ob es eine gute Idee ist, eine Rezension wie diese zu schreiben.

Es ist ein komisches Gefühl, die Arbeit eines anderen öffentlich zu bewerten. Man fühlt sich dabei schnell wie ein Besserwisser oder gar Hochstapler, der so tut, als könne er selbst alles viel besser. (Und das ist in diesem konkreten Beispiel definitv nicht der Fall.) Allerdings liegt es eigentlich in der Natur der Sache, dass nicht jeder Nutzer, der eine Rezension über ein Produkt schreibt, dieses auch wirklich besser herstellen könnte. Vermutlich könnten die Wenigsten, die eine Rezension über einen Kühlschrank schreiben und bei Amazon einstellen, diesen tatsächlich besser bauen. Dennoch haben sie als Kunden und Nutzer natürlich das gute Recht, ihre eigene, subjektive Meinung über dieses Produkt kundzutun. Und andere Kunden und potenzielle Nutzer finden diese Rezensionen in der Regel auch hilfreich. Ich musste mir also immer vor Augen führen, dass ich mit diesem Artikel hier nichts anderes tue.

Es bleibt die Frage, ob ich mit Rezensionen wie dieser überhaupt auf Interesse stoße. Meine grundsätzliche Überlegung ist, dass sich Personen, die im Internet nach textbasierten Erklärungen suchen (und eben nicht nach YouTube Videos), möglicherweise auch ein grundsätzliches Interesse an analogen textbasierten Quellen (=Büchern) haben könnten.

Das Verfassen von Rezensionen, wird wohl nie einen Schwerpunkt auf meinem Blog ausmachen. Dennoch könnte ich mir vorstellen, dies hin und wieder zu wiederholen. Nicht zuletzt, weil es mir Spaß macht und mich die Beschäftigung mit dem jeweiligen Buch durchaus neue Inhalte entdecken lässt, die mir vorher entgangen sind.

Findest du Artikel wie diesen hilfreich? Über eine Anmerkung in den Kommentaren würde ich mich freuen.

4 Replies to “„Figuren Bemalung“ von Danilo Cartacci”

  1. Danke für diese Rezension! Ich werde zwar niemals ein Buch zu Minis bemalen lesen, obwohl ich sehr gerne Bücher lese, allerdings möchte ich das Hobby nicht so weit ausbauen.
    Ich lese diese Rezension hier aber sehr gerne weil ich dabei merke, dass deine Vorgehensweise und deine Pläne was du hier anbieten willst, sich sehr gut mit dem deckt was ich lernen möchte. Weiterhin möchte ich dich motivieren weiterhin Rezensionen zu veröffentlichen (du bist dir ja noch unsicher bei dem Thema). In dem von dir geplanten Maße sollte das eine Bereicherung des Blogs sein. Es ist immer gut zu wissen wo man weitere Informationen bekommen kann.

    Weiter so!

    1. Hallo Christoph,
      vielen Dank für dein Feedback. Es freut mich, dass die Rezension als erweitertes Angebot verstanden wird – so sehe ich es nämlich auch. Ich lasse mich bei meinen Artikeln ja durchaus auch durch meine eigenen Interessen treiben, da es sich bei der Zeit, die ich zum Schreiben aufwende, letztendlich um meine Hobbyzeit handelt. Und wenn sich meine Interessen zumindest mit einem Teil der regelmäßigen Leser des Blogs decken, freut mich das natürlich.
      Andererseits ist wohl für fast jeden die Zeit, die er in sein Hobby investieren kann bzw. will, begrenzt. Ich kann deswegen auch absolut nachvollziehen, dass du sagst, dass du nicht so tief in die Materie eintauchen möchtest, dass du nebenher noch ein Buch zum Thema lesen möchtest. Um so mehr freut es mich natürlich, dass du dir die Mühe gemacht hast, mir einen entsprechenden Kommentar dazulassen.
      Viele Grüße!

      1. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich das Gefühl habe, dass mir das Buch nicht viel bringt. Ich bin einer der sehr viele verschiedene Interessen (und entsprechend viele Hobbys hat) und in kaum ein Thema richtig tief eintaucht. Bei dir merkt man, dass du dich intensiv mit dem Thema beschäftigst und so viel wie möglich wissen willst. Ich bin mir sicher auch solche Leute befinden sich unter deinen Lesern. Aber genauso einer wie ich kann aus deinem Blog sehr viel lernen. Daher ist es meiner Meinung nach genau richtig was du machst.
        Das Buch bringt mir vermutlich nichts weil ich mich auf einen Stil eingefahren habe der mir gut gefällt und meinen Bedürfnisse deckt (Sketch und dann lasieren). Auf diesen Stil bin ich übrigens über dich gekommen obwohl du es noch nicht behandelt hast. Aber durch deine Rezension weiß ich jetzt, dass das Buch einen anderen Stil abdeckt, der mich kaum interessiert und damit nichts für mich ist. Genau das ist ja das Ziel deiner Rezension uns Lesern einen Eindruck zu verschaffen, ob es sich lohnt das Buch zu lesen.
        Tja und du bist mir so sympathisch, dass ich schon wieder viel zu viel schreibe 😉

        1. Ich bin wohl der Letzte, der sich über längere Texte aufregen würde. Wie schon hin und wieder erwähnt, denke ich oftmals, dass sich XYZ bestimmt ganz schnell erklären lassen müsste und dann fällt beim genaueren darüber Nachdenken doch noch alles Mögliche ein, das ich noch ergänzen möchte.

          Sketch und lasieren ist eine super Sache. Da sollte icb wirklich bald mal ausführlicher drauf eingehen. Auf meiner to-do-Liste steht es schon drauf, aber das gilt für eine ganze Reihe von Dingen.

          Vielen Dank nochmals für dein Feedback!

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