Value Sketching

Hin und wieder hört man von Miniaturenbemalern, dass sie im sketch style malen, value painting betreiben oder auch einen value sketch vornehmen. Für viele mögen allein schon diese Begriffe abschreckend wirken. Sie klingen so schön professionell, dass vermutlich nur echte Malprofis so etwas beherrschen. Doch wie so oft im Leben, sollte man sich hier von einem tollen Label weder täuschen noch abschrecken lassen. Value Sketching (so werde ich dieses Verfahren im Folgenden nennen) ist eine praktische Herangehensweise an das Bemalen von Miniaturen, die sowohl für denjenigen, der schnell zu recht passablen Ergebnissen kommen will, als auch für Vitrinenmaler hilfreich sein kann.

Letztendlich geht es um die Etablierung des Hell-Dunkel-Kontrasts auf deiner Miniaturen, bevor du mit dem eigentlichen Bemalen beginnst. Wenn dir der Begriff pre-shading etwas sagt, dann bist du bereits mit dem zugrundeliegenden Gedanken vertraut. Denn beim value sketching geht es lediglich um eine weitere (Über-)Steigerung des Effektes, der durch pre-shading erreicht wird. Sagt dir pre-shading nichts, ist das auch nicht weiter schlimm, denn auch darauf werde ich gleich noch eingehen.

Grundsätzliche Überlegungen zum Highlighten

Beim Bemalen von Miniaturen ist das Erzeugen von Kontrasten ein wichtiger Schritt, um seine Figuren „wirken“ zu lassen. Unter anderem bietet dabei der Kontrast, der durch die Kombination von hellen und dunklen Farbtöne erreicht wird, viele Möglichkeiten. „Viele Möglichkeiten“ bieten aber auch viel Raum für Kopfzerbrechen und unterschiedliche Malstile gehen durchaus sehr unterschiedlich beim Einsatz von Hell-Dunkel-Kontrasten vor. Hier einige Beispiele:

Guckt man sich die Figuren , die auf den Verpackungen der Games Workshop Miniaturen zu sehen sind (box art), genauer an, wird man auf größeren Flächen der Figuren keinerlei Hell-Dunkel Unterschiede erkennen können. Eine Panzerplatte eines Fahrzeugs ist beispielsweise komplett in einem Blauton gehalten – egal ob Bereiche davon eigentlich im Schatten liegen oder nicht. Stattdessen wird man aber sehr saubere Kantenakzente finden, die sogar in mehreren Stufen geschichtet wurden und die ganz klar deutlich heller als die Grundfarbe ausfallen.

Ein anderes Beispiel wären Miniaturen, die in einem Comic Stil bemalt wurden. Bei diesem Stil, kommt normalerweise blacklining zum Einsatz. Das bedeutet, dass die unterschiedlichen Flächen einer Miniature durch eine schwarze Linie entlang einer Vertiefung von einander abgegrenzt werden. Die sehr dunkle Linie kontrastiert dann wiederum deutlich mit den helleren Flächen.

Eine weitere Möglichkeit wäre das zenithal highlighting. Man geht dabei davon aus, dass sich über der Miniatur eine Lichtquelle befindet, die die höher liegenden Bereiche der Figur anstrahlt und somit heller erscheinen lässt als die Bereiche, die im Schatten liegen. Dementsprechend könnte man einen gelben Umhang beispielsweise im Bereich der Schultern in einem hellen, ins weißliche gehende Gelb bemalen und die Vertiefung einer Falte im unteren Bereich des Umhangs dunkelbraun darstellen.

In der Praxis lassen sich die eben beispielhaft genannten Vorgehensweisen nicht immer klar trennen. Und genau genommen kommen bei der Art, wie ich beim value sketching vorgehe, auch tatsächlich Elemente aus allen drei beispielen zum Einsatz.

Begriffserklärung

Der Begriff value sketching lässt sich etwas holperig mit „skizzieren von Farbwerten“ übersetzen. Dies macht zum einen deutlich, dass es beim value sketching erst einmal nicht auf absolute Sauberkeit und Detailliertheit ankommt – auch gezeichnete Skizzen sind in der Regel eher grob gehalten und definieren eben nicht jedes Detail genau aus.

Mit „Farbwerten“ bzw. „value“ ist in diesem Fall erst einmal nur gemeint, dass man durch das Skizzieren (auf der Miniatur) festlegt, wie hell oder dunkel ein Bereich auf der Miniatur ausfallen soll.

Genau genommen ist value sketching wohl eher eine Bemalstrategie bzw. eine Abfolge von Techniken als eine eigenständige Technik. Wenn du bereits meine anderen Artikel zu Bemaltechniken gelesen hast, wirst du rein technisch schon mit allen Einzelschritten des value sketching vertraut sein. (Zur Sicherheit habe ich dir die relevanten Informationen aber auch in diesem Artikel an entsprechender Stelle verlinkt.)

Einsatzbereiche für value sketching

Interessanterweise kann value sketching bei sehr unterschiedlichen Bemalzielen sinnvoll zur Anwendung kommen.

Zum einen eignet es sich sehr gut dazu, wenn man innerhalb relativ kurzer Zeit zu recht ansprechenden Ergebnissen kommen möchte. Wer sich also für Möglichkeiten des speed painting interessiert, sollte sich durchaus einmal mit value sketching auseinandersetzen. Richtig angewandt, kann es den Bemalprozess deutlich beschleunigen.

Allerdings wird dieses Verfahren auch gerne als erster Schritt von Malern eingesetzt, die ihre Miniaturen für die Vitrine bemalen und somit einen hohen Bemalstandard anstreben. Der value sketch dient ihnen dann im Bemalprozess als Orientierungshilfe und lässt sie schnell erkennen, wohin Highlights gehören und wohin Schatten. Zudem sparen sie sich dadurch etwas Arbeit, da helle Farben auf bereits aufgehellte Bereiche aufgetragen werden und somit schneller decken.

Pre-Shading

Ein pre-shading ist ein sinnvoller, aber nicht zwingend notwendiger erster Schritt beim value sketching. (Da wir unsere Acrylfarben ja in dünnen und somit durchscheinenden Schichten auftragen, ist ein pre-shading eigentlich fast immer nützlich.)

Beim pre-shading trägt man auf einer dunklen Grundierung weitere hellere Grundierungen (oder ggf. helleren Farbe) auf, die den Lichteinfall auf dem Modell simulieren sollen. In den meisten Fällen geschieht dies wohl als zenithal highlighting – die gedachte Lichtquelle (z.B. die Sonne) liegt über der Miniatur und erhellt die höherliegenden Stellen.

Bogenschütze von Opsrey Games (Frostgrave) mit pre-shading

Am einfachsten funktioniert dies, wenn man einen Airbrush zur Verfügung hat. (Solltest du keinen haben: Lies weiter. Das macht nämlich nichts. Ich zeige value sketching weiter unten auch ohne Airbrush.) Nachdem das komplette Modell schwarz (oder auch dunkelgrau) grundiert wurde, sprüht man einen (mittel)grauen Farbton von oben auf die Miniatur. Man sollte dabei nicht nur senkrecht von oben sprühen, sondern die Farbe auch bis etwa 45 Grad von schräg oben auf die Miniatur treffen lassen. Anschließend trägt man noch einen hellgrauen oder weißen Farbton von oben (bis etwa 20-30 Grad von schräg oben) auf. Als Ergebnis hat man dann eine Figur, die von oben betrachtet sehr hell und von unten betrachtet sehr dunkel aussieht.

Als Alternative zum Airbrush kann man natürlich auch eine Sprühdose verwenden. Dieses Vorgehen habe ich bereist in dem Artikel zum Grundieren beschrieben.

Der Vorteil bei der Verwendung eines Airbrushes ist allerdings, dass man gezielter sprühen kann. Man kann sehr genau entscheiden, welche Elemente der Miniatur betont und somit aufgehellt werden sollen und diese dann gezielt bearbeiten: Klingen, Fäuste, Fußspitzen, Schulterpanzer…

Obwohl ein pre-shading vor dem value sketching sinnvoll ist, habe ich bei meinem Beispiel weiter unten jedoch darauf verzichtet. Falls du ein reiner „Pinselmaler“ bist, hoffe ich, dich damit motivieren zu können, dieser Bemalstrategie einmal eine Chance zu geben.

Wie geht man grundsätzlich vor?

Kommen wir nun zum Vorgehen bei dieser Bemalstrategie. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, würde ich dazu raten, die Miniatur fertig zusammenzubauen und nicht in Baugruppen aufzuteilen. Ich finde es sehr schwierig, bei einer nicht zusammengebauten Figur zu entscheiden, wo genau Highlights und Schattenwürfe liegen. Arme, Waffen usw. haben nun einmal einen eigenen Schatten. Bei einer bereits zusammengebauten Miniatur entstehen diese durch ein mögliches pre-shading und das nun folgende Trockenbürsten ganz natürlich und man muss darüber kaum Gedanken machen.

Schritt 1: Trockenbürsten

Nach den Auftragen einer schwarzen Grundierung (in meinem Fall war es Vallejo Surface Primer (*)) habe ich das Beispielmodell in drei Stufen trockengebürstet. Ich habe dazu zwei Grautöne (Gray Graphene, Graphite) und ein sehr helles Beige bzw. off-white (White Sands) von Scale 75 verwendet, aber die genaue Marke bzw. exakte Farbe spielt eigentlich keine Rolle. Zudem hätte ich auch sehr gut auf den ersten (also den dunkelsten) Grauton verzichten können, da dieser den abschließenden Effekt kaum beeinflusst. Der Einsatz eines mittleren und eines hellen Grautons ist völlig ausreichend.

Als Pinsel verwende ich für diese Art von Arbeit weiche Schminkpinsel (*).

Durch das Trockenbürsten (eine genaue Anleitung dazu findest du hier) werden die hervorstechenden Elemente der Figur aufgehellt und somit betont.

Chaosbarbar von GW (Shadespire): Trockenbürsten ohne vorheriges pre-shading mit Airbrush

Bei dem Beispielmodell habe ich, wie bereits erwähnt, ohne pre-shading gearbeitet. Mit dem Trockenbürsten können wir jedoch einen ähnlichen Effekt erzielen, indem wir die Bereiche, die von einer gedachten Lichtquelle beleuchtet werden, besonders lange bearbeitet und somit stärker aufhellen als andere Bereiche. In dem Beispiel oben waren das beispielsweise die Schultern, die Brust, die Stirn, der Haarschopf, die Waffenrücken und das vorne stehende Bein.

Um diesen Effekt (also dass oben liegende Bereiche heller geraten als unten liegende Bereiche) noch zu verstärken, kann man gezielt von oben nach unten trockenbürsten. (Man führt also die Borsten des Pinsels nur von oben nach unten über das Modell.) Auf diese Weise legt sich an den unten liegenden Bereichen der Kanten keine Farbe ab und diese bleiben dunkel. Da dadurch jedoch auch die Strukturen des Modells weniger herausgearbeitet werden, würde ich nur bei dem helleren Grauton so verfahren. Ansonsten würde die Miniatur später von unten nur noch schwarz aussehen.

Das Herausarbeiten der Strukturen ist im Übrigen auch der Grund dafür, dass ich auch nach vorherigem pre-shading das Trockenbürsten empfehle. Die vielen kleinen Ecken und Kanten unserer Modelle treten dadurch einfach viel besser hervor.

Insgesamt legt dieser Schritt die Grundlage dafür, wie hell oder dunkel das Modell am Ende wirken wird. Plant man mit vielen hellen Farben zu arbeiten oder strebt insgesamt eher leuchtende Farben an, sollte man beim Trockenbürsten recht großzügig vorgehen. Das bedeutet jedoch nicht, dass man den Pinsel mit mehr Farbe belädt. Dies würde einfach nur dazu führen, dass die Pinselstriche deutlicher hervortreten und dies gilt es beim Trockenbürsten eigentlich zu vermeiden. Vielmehr sollte man jeden Farbton einfach länger aufbürsten. Mit der Zeit legt sich dann automatisch mehr Farbe auf dem Modell ab. Mein Beispielmodell ist im Übrigen vergleichsweise dunkel angelegt. Vor allem die Beine der Figur wurden kaum aufgehellt.

Schritt 2: Schwarz und Weiß

Im nächsten Schritt folgt dann das eigentliche sketching mit Schwarz und Weiß. Ich empfehle hierfür den Einsatz von Inks (eine Erklärung des Begriffs – vor allem in Abgrenzung zu Washes findest du hier). Grundsätzlich funktioniert das Ganze natürlich auch mit „normalen“ Farben. Man sollte jedoch darauf achten, dass sie flüssig genug sind, um dünn aufgetragen werden zu können.

Für die Beispielminiatur habe ich Inktense Black von Scale 75 und Mischweiß Ink von Schmincke (*) verwendet. Unabhängig davon, dass ich gerade geschrieben habe, dass man nicht zwingend ein Ink verwenden muss, würde ich insbesondere bei Weiß jedoch dringend dazu raten. Weiß ist grundsätzlich eine problematische Farbe, da die verwendeten Farbpigmente, eine recht kreidige Struktur haben. Dadurch kann es schnell passieren, dass man eine unerwünschte Struktur auf sein Modell aufträgt. Beim Einsatz von Inks hat man dieses Problem normalerweise nicht, was vermutlich daran liegt, dass diese oftmals (allerdings nicht immer) wasserlösliche Farbstoffe und keine festen Pigmente beinhalten. (Wenn man seine Farben nicht im Internet bestellen möchte, bekommt man die Inks von Schmincke oder anderer namhafter Hersteller auch problemlos im Künstlerbedarf.)

Beim sketching verstärkt man nun die besonders hellen Bereiche mit Weiß und die besonders dunklen Bereiche mit Schwarz.

In dem Beispiel oben lassen sich eigentlich nur die mit Weiß bearbeiteten Bereiche erkennen. Da ich mit einer schwarzen (und keiner dunkelgrauen) Grundierung gearbeitet habe, gab es auch wenig Anlass einzelne Bereiche noch weiter abzudunkeln. Bei einem vorherigen pre-shading mit Airbrush oder Spraydose wäre dies anders gewesen, da dieses immer auch Bereiche aufhellt, die eigentlich dunkel bleiben sollen.

Vor allem auf den Schultern und der Brust erkennt man deutlich, dass die Flächen noch einmal aufgehellt wurden. Diese Bereiche habe ich sogar mit zwei Schichten Ink versehen. Ansonsten bietet sich in diesem Schritt natürlich edge highlighting an, um z.B. die Kanten der Waffen zu betonen.

Dieser Schritt ist wohl der insgesamt langwierigste bei dieser Bemalstrategie. Je nachdem, ob man darauf abzielt, mittels value sketching möglichst schnell möglichst viele Modelle zu bemalen oder ob man es vielmehr als Grundlage für eine immer feinere Ausarbeitung des Modells betrachtet, muss man auch entscheiden, wie detailliert man hier arbeiten möchte.

Es ist sehr hilfreich, wenn man während der ersten beiden Schritte schon weiß, mit welchen Farben man anschließend weiterarbeiten möchte. Je dunkler der folgende Farbton auf einem bestimmten Bereich ausfallen wird, desto krasser kann man die Highlights skizzieren. Das vordere Bein des Beispielmodells weist im oberen Bereich einen weißen Strich auf, der zu diesem Zeitpunkt noch etwas fehl am Platz wirkt. Auf dem Foto zum nächsten Schritt wirst du allerdings sehen können, dass man diesen Strich kaum noch wahrnehmen kann. Und dies liegt wiederum daran, dass ich hier die GW Contrast Farbe Cygor Brown (*) aufgetragen habe, die wirklich dunkel ausfällt.

Schritt 3: Farben auftragen

Im nächsten Schritt werden die eigentlichen Farben aufgetragen. Hierbei ist es wichtig, dass man diese als Lasur bzw. glaze auf das Modell aufbringt. Würden wir mit absolut deckenden Farben arbeiten, hätten wir uns das eigentliche value sketching auch sparen können, da dieses ja nun überdeckt werden würde. Da wir jedoch mit transparenten Farben weiterarbeiten, wird immer etwas (je nachdem, wie stark wir die Farben mit Acrymedium strecken) von den vorher aufgetragenen Graustufen durchscheinen.

In dem glazing Artikel gehe ich detaillierter darauf ein, was es beim Anmischen eines Glazes und beim anschließenden Auftragen zu beachten gilt. Ich möchte hier nur kurz auf einen gerne gemachten Fehler hinweisen: Ein Glaze wird kontrolliert aufgetragen und nicht etwa wie ein Wash gehandhabt. Nachdem man seine Pinselspitze in die Farbe getunkt hat, lässt man einen großen Teil der sich im Haarkörper befindlichen Flüssigkeit in ein Stück Haushaltspapier „ausbluten“. Erst dann trägt man die Farbe auf das Modell auf. Beinhaltet die Farbe noch zu viel Flüssigkeit, würde diese in die Vertiefungen des Modells laufen und – wie bei einem Wash – dazu führen, dass sich dort viele Farbpigmente ablagern. Dies wiederum würde dann dazu führen, dass die Vertiefungen farbiger ausfallen als die höherliegenden Stellen. Und genau das ist ja das Gegenteil von dem ist, was wir eigentlich erreichen wollen.

In dem Beispielmodell oben habe ich meinen Fokus vor allem auf den Hautton gelegt und in den anderen Bereichen etwas geschlampt. Ich glaube aber, dass das Wesentliche trotzdem deutlich wird.

Insgesamt kamen auf diesem Modell folgende Farben zum Einsatz:

Die Scalecolor Farben (Light Skin und Graphite) wurden dabei mit etwa der doppelten Menge Vallejo Glaze Medium (*) und die GW Contrast Farben (Cygor Brown, Skeleton Horde und Blood Angles Red) wurden mit Contrast Medium (*) (ca. 1:1) gestreckt. Die Inks habe ich pur eingesetzt.

Ob wirklich nur eine einzige Farbschicht oder mehrere dünne Schichten notwendig sind, hängt natürlich von der Kombination aus verwendeter Farbe und der Helligkeit des Untergrundes ab. Wie viele Schichten notwendig sind, erkennt man während des Malprozesses. So war beispielsweise die Deckkraft von Light Skin nicht sonderlich gut – dies war natürlich bei den dunklen Bereichen zu erwarten, doch auch auf den sehr aufgehellten Schultern, wirkte das Ergebnis ziemlich fleckig. Sobald ich allerdings eine zweite Schichte aufgetragen hatte, war das Ergebnis viel gleichmäßiger. Im Zweifelsfall sollte man zuerst lieber mit zu dünnen als zu dicken Farben arbeiten. Das Auftragen einer weiteren Schicht ist kein Problem – das Abkratzen einer einzelnen Farbschicht hingegen schon.

Überlegungen zur Farbauswahl der Lasuren

Wie aus der Liste der von mir verwendeten Farben ersichtlich wird, funktioniert diese Technik mit unterschiedlichsten Farbsorten. Farben, die ohnehin schon auf Transparenz ausgelegt sind (vor allem Inks und GW Contrast, aber auch Washes), machen einem das Leben dabei besonders einfach.

Man sollte allerdings beachten, dass value sketching tendenziell zu eher entsättigten Farben führt. Das bedeutet, dass die Farben – von den hellsten Punkten abgesehen – immer einen gewissen Grauanteil aufweisen und somit weniger leuchten. Das ist zunächst einmal eine völlig wertfreie Aussage, da strahlende Leuchtkraft in den Farben ja auch nicht immer erwünscht ist. (Nebenbemerkung: Ein Trick, um einzelne Farben auf einem Modell besonders hell erstrahlen zu lassen, ist, jeder (anderen) Farbe ein klein wenig Grau beizumischen. Im Verhältnis zu den Farben mit Grauanteil wirken die Farben ohne Grauanteil dann besonders leuchtend.)

Auf meiner Beispielminiatur sieht man sehr schön, was ich mit „entsättigt“ meine, wenn man die Haut betrachtet.

Wenn man nun jedoch trotz value sketching möglichst viel Leuchtkraft aus seinen Farben herausholen möchte, bietet sich der Einsatz von Inks im besonderen Maße an, da diese nun einmal sehr farbintensiv sind. Auch die Contrast Serie von Games Workshop kann hier glänzen. Es gilt allerdings zu beachten, dass diese Farbintensität auch wirklich nur auf den hellen Bereichen der Miniatur hervorsticht. Sowohl Inks als auch Contrast Farben sind auf einem schwarzen Untergrund so gut wie gar nicht wahrnehmbar. Wie bereits in Schritt 2 geschrieben, ist es hilfreich, wenn man vorher schon weiß, welche Farbe auf welchen Bereich der Miniatur kommt. Bereiche, auf denen mit Inks oder Contrast gearbeitet werden soll, dürfen dann beim Trockebürsten gerne schon etwas mehr Grau bzw. Hellgrau „abbekommen“.

Im Übrigen habe ich das Messer des Modells mit einer echten Metallic-Farbe (Gunmetal Grey, Vallejo Metal Color (*)) bemalt und wollte dadurch veranschaulichen, dass value sketching bei Metallics nicht gut funktioniert. Die Metallic-Pigmente decken einfach zu stark. Ironischerweise wird das in dieser Aufnahme leider überhaupt nicht deutlich, da der Metallic-Effekt nun einmal auch dazu führt, dass das Licht so zurückgeworden wird, dass helle und dunkle Bereiche auf der Waffe entstehen. Das hat allerdings nichts mit den darunterliegenden Farbschichten zu tun.

Optionale weitere Schritte

Wer möchte, kann an dieser Stelle seine Arbeit als getan erklären und sich dem nächsten Projekt zuwenden. Mein Beispielmodell ist sicherlich alles andere als perfekt, aber vor allem wenn ich viele ähnliche Modelle zu bemalen hätte, wäre das Ergebnis für mich durchaus in Ordnung und ich hätte wenig Scheu das Modell so auf den Spieltisch zu bringen. (Okay, vielleicht würde ich dem Base noch etwas Aufmerksamkeit widmen und die unterschiedlichen Finishes mit einer Schicht Lack vereinheitlichen.)

Aber natürlich kann man dies auch nur als den Anfang der Arbeit an dem Modell betrachten und noch viel mehr Zeit in seine Verfeinerung stecken.

Eine relativ einfache Methode, um noch etwas mehr aus der Figur herauszuholen, wäre beispielsweise das Betonen einzelner Details durch eine weitere (noch hellere) Highlightfarbe. Vor allem ein paar Kantenakzente wären sicherlich schnell zu machen.

Eine Möglichkeit, etwas mehr Farbsättigung zu erreichen, wäre das Hinzufügen weiterer dünner Farbschichten. In dem Beispiel, das oben zu sehen ist, habe ich die Haut meines Beispielmodells mit einer dünnen Schicht Reikland Fleshshade (1:1 mit Lahmian Medium gestreckt) gewasht. Das Ergebnis ist ein etwas dunklerer, kräftigerer Farbton. (Ich möchte betonen, dass laut Hintergrundstory dieser Chaosbarbar viel Wert auf das Waschen seiner Hände legt und zudem außerhalb des Schlachtfeldes immer Handschuhe trägt. Dass seine Hände kein Wash abbekommen haben, war also eine völlig bewusste Entscheidung meinerseits und keinesfalls etwas, was ich blödsinnigerweise übersehen hätte. Nur um das klarzustellen… 😉 )

Des Weiteren hat man auch die Möglichkeit, Schritt 2 des value sketching unbegrenzt oft zu wiederholen. In der Praxis reicht dabei das erneute Auftragen von weißen Highlights. Man könnte also beispielsweise die äußersten Haarspitzen noch einmal mit Weiß akzentuieren und anschließend die Haare noch einmal mit Rot lasieren. Auf diese Weise erhält man einen noch markanteren Kontrast. Gleichzeitig gilt hier allerdings zu beachten, dass die nicht noch einmal mit Weiß bearbeiteten Bereiche durch die Lasur ein klein wenig dunkler geraten werden.

Vor- und Nachteile dieser Strategie

Wie eigentlich jedes Vorgehen hat auch diese Bemalstrategie ihre Stärken und ihre Schwächen. Gelegentlich ist eine Einteilung dieser Eigenschaften in „gut“ und „schlecht“ allerdings schwer möglich, da es am Bemalziel liegt, ob man eine bestimmte Eigenschaft des Malergebnisses als positiv oder negativ bewertet.

Niedrige Farbsättigung

Ein Beispiel für eine Eigenschaft, die nicht per se negativ ist, ist die relativ niedrige Farbsättigung, wenn man mit „normalen“ Acrylfarben gearbeitet hat. Dieser Punkt ist bereits weiter oben von mir thematisiert worden. Für manche Bemalziele (z.B. düstere Stimmung) mag dies sogar sehr praktisch sein. Und wie bereits angesprochen kann der Einsatz von Inks dieser Eigenschaft bis zu einem gewissen Grad entgegenwirken.

Ausbesserungen sind umständlich

Als durchaus störender empfinde ich das Problem, dass sich das Ausbessern von Malfehlern (im Sinne von Farbe, die auf die falsche Stelle geraten ist) etwas mühsam gestaltet. Die relativ organisch wirkenden Farbverläufe lassen sich mit einer einzelnen Schicht Farbe nur schwer immitieren. (Bei wirklich auffälligen Fehlern ist es wohl besser, die bisherigen Bemalschritte zumindest teilweise zu wiederholen: Auftragen der Graustufen und dann wieder lasieren.)

Organische Farbverläufe

Andererseits sind nun einmal die durchaus organischen Farbverläufe, die sich vor allem durch das Trockenbürsten (und ggf. pre-shading) fast stufenlos ergeben, eine Stärke dieser Bemalstrategie.

Einheitliche Schattierungsgrade

In diesem Zusammenhang sehe ich auch die recht einheitlichen Schattierungsgrade auf der Miniatur als positiv. Bei einer Miniatur, die vor allem durch Layern und anschließendem Washen bemalt wurde, kann es passieren, dass ein gewisses Missverhältnis zwischen den Highlights und Schatten der einzelnen Farben entsteht. Wenn beispielsweise ein roter Bereich mit einem sehr farbintensiven, dunkelroten Wash und ein brauner Bereich mit einem nur leicht dunklerem braunen Wash behandelt wurde, wird der braune Bereich flacher wirken als der rote. Durch das value sketching basieren alle Farben auf der gleichen Grundlage und Highlights und Schatten befinden sich im gleichen „Schattierungsspektrum“. (Es sei allerdings angemerkt, dass die Wahl der Lasurfarben, diesen Eindruck trotzdem noch verschieben kann.)

Hoher Kontrast in kurzer Zeit

Dies hatte ich zu Beginn dieses Artikel schon angesprochen: Da die Grundfarbschicht, auf die die Lasuren aufgetragen werden, von Weiß nach Schwarz verlaufen, erreicht man mit value sketching einen hohen Grad an Hell-Dunkel-Kontrast. Dieser kann sogar noch dadurch erhöht werden, dass (wie oben beschrieben) ein Teil von Schritt 2 wiederholt wird.

Weniger (Anmischen von) Farben nötig

Wenn man seine Miniatur nach dem value sketching nicht noch weiter bearbeiten möchte, kommt man zudem mit weniger Farben auf der Palette aus. Da Highlights und Schatten durch die Vorarbeit entstehen, muss man auf die geblockte Grundfarbe nicht – wie z.B. im Layering-Verfahren üblich – mehrere weitere, leicht hellere Farbtöne auftragen. Man spart sich also das Anmischen oder gar den Kauf zusätzlicher Farben.

Tempo

Wenn man sich erst einmal mit dieser Art des Malens vertraut gemacht hat, kann man damit sehr zügig arbeiten. Washen und highlighten ist nach value sketching nicht mehr unbedingt nötig und somit spart man sich einige Arbeitsschritte. Auch die Tatsache, dass man mit weniger Farben hantiert, erhöht letztendlich das Tempo.

Alternative Vorgehensweisen

Das von mir hier beschriebene Verfahren ist das – soweit ich das aufgrund meiner Erfahrung und Recherche zur Vorbereitung auf diesen Artikel beurteilen kann – das wohl gängigste Vorgehen beim value sketching. Das bedeutet natürlich nicht, dass dies der einzig mögliche Weg ist. Um Beispiele dafür zu geben, was ansonsten noch möglich ist, möchte ich nur ganz kurz zwei alternative Vorgehensweisen anreißen.

Farbiger Sketch statt Graustufen

In meinen bisherigen Überlegungen bin ich immer davon ausgegangen, dass man das value sketching in Graustufen (mit den Extremen dann in Schwarz und Weiß) durchführt. Diese „Regel“ ist natürlich nicht in Stein gemeißelt. Schwarz und Weiß haben den Vorteil, dass sie mit jeder anderen Farbe mehr oder weniger gut funktionieren. Allerdings erreicht man mit ihnen selten den maximal möglichen Effekt, was die Darstellung von Stimmung auf einem Modell angeht.

Aus diesem Grund skizzieren manche Maler die Highlights und vor allem die Schatten ihrer Miniaturen farbig. Ein typisches Beispiel wäre der Einsatz von Rot oder Rotbraun als dunkelster Farbton auf einem Modell, das hauptsächlich in Grün gehalten ist. Da bei Rot und Grün ein Komplementärkontrast vorliegt (sie befinden sich auf gegenüberliegenden Seiten des Farbkreises bzw. der meisten Farbkreise), sind sie ideale Gegenspieler bei der Darstellung von Hell und Dunkel. (Der Sketch könnte dann beispielsweise von rotbraunen Schatten zu weißen Highlights verlaufen, die dann anschließend mit einer grünen Lasur versehen werden.)

Grobe Tontrennung

Durch pre-shading und/oder Trockenbürsten werden relativ feine Abstufungen in den Graustufen erreicht. Nach Hinzufügen einer Lasur hat man dann schon ein ansehnliches Modell mit recht natürlich wirkenden Farbverläufen.

Vor allem diejenigen unter uns, die sehr viel Zeit mit jedem einzelnen Modell verbringen und diese auf ein höchstmögliches Bemalniveau bringen möchten, arbeiten aber lieber jedes Highlight und jeden Schatten individuell aus. Vor allem, wenn man fortgeschrittene Bemaleffekte, wie gerichtete Lichteffekte (z.B. der Flammenschein einer Fackel, der sich auf der Rüstung eines Ritters spiegelt) einsetzen möchte, ist unser „normales“ Vorgehen zu ungenau.

Dennoch profitieren auch diese Maler davon, vor dem eigentlichen Bemalprozess schon einmal die Highlights und Schatten grob auf dem Modell zu skizzieren. Und dies kann durchaus in einer Art Tontrennungsverfahren geschehen. Im Prinzip wird Schritt 1 weggelassen und gleich mit Schritt 2 begonnen. Es werden also alle Bereiche der Miniatur in entweder hell (weiß) oder dunkel (schwarz) eingeteilt. Diese Einteilung dient dann im weiteren Verlauf des Bemalprozesses als Richtschnur für die Ausarbeitung der eigentlichen Highlights und Schatten.

7 Replies to “Value Sketching”

  1. Vielen Dank für einen weiteren sehr hilfreichen und informativen Artikel.
    Er beantwortet auch meine Frage, wie man mit zenithal highlighting denn arbeitet. Ich konnte mir nicht vorstellen, wie man den dadurch gewonnen Vorteil der highlights erhalten kann, wenn man dann an das Bemalen selbst geht, da ich bisher immer nur mit stark deckenden Farben gearbeitet habe.

    Glazes / washes / transparentere Farben sind also hier die Antwort. Sehr interessant, werde ich eventuell bei meinen nächsten Projekten mal ausprobieren.

    1. Hallo Michael,
      wenn ich bestehende Fragen klären konnte, hat der Artikel schon mal seine Daseinsberechtigung. Das freut mich natürlich sehr. 🙂
      Viel Erfolg beim Lasieren.

  2. So jetzt komm ich auch noch und gebe meinen Sempf dazu. Wie du weißt arbeite ich auch auf diese Weise. Allerdings möchte ich vorweg erwähnen, dass ich noch in der Findungsphase bin und mich erst richtig rein arbeite. Ich möchte aber auch meine Erfahrung und Vorgehensweise einbringen, da ich denke Alternativen einbringen zu können.

    1. Ich grundiere meine Figuren mit Schwarz. Dann sprühe ich mit Grau in einem 45° Winkel von oben und dann mit Weiß von ca. rechtwinklig oben. Dabei nutze ich Sprühdosen da ich noch keine Airbrush besitze.
    2. Anschließend gehe ich mit einem Shader/Wash drüber um die Vertiefungen zu verdunkeln. Dabei gehe ich gezielt vor. Wenn ich alles überpinsel wird die Figur recht dunkel und die Vorteile der hellen aufgesprühten Farben reduzieren sich.
    3. Nun setze ich mit weißer Farbe Akzente durch Dry-Brushing. Dabei bewege ich den Pinsel immer von oben nach unten.
    4. Ich Lasiere mit einer Farbe einen Bereich. Anschließend nehme ich die selbe Lasur in dunkler (mit Schwarz abgedunkelt) um die dunkleren Stellen dunkler zu lasieren. Das selbe mache ich anschließend mit weiß um die helleren Stellen aufzuhellen.
    5. Ich setze Details.
    6. Ich versiegel die Figur mit Lack.

    Durch diese Vorgehensweise erhalte ich Figuren mit realistischem Lichteinfall auf einfache Art und Weise. Meine Vorgehensweise ist dabei keine Bessere wie die obige sondern nur diejenige, die mich mehr anspricht und mir mehr Spaß macht. Rouvens Vorgehensweise z.B. habe ich auch schon getestet und liefert mir persönlich zu düstere Ergebnisse. Mit meiner Vorgehensweise bekomme ich eine recht feine Abstufung inklusive sehr dunklen (Punkt 2) und sehr hellen (Punkt 3) Bereichen. Um diesen hohen Kontrast nach dem Lasieren wieder näher zu kommen lasiere ich eben nochmals mit dunkel und hell drüber. Durch die vielen Schichten Lausur werden die Farben dann auch relativ intensiv bei eben realistischem Lichtverlauf. Wenn man beim lasieren schnell genug arbeitet und die Lasuren noch feucht sind kann man dadurch fließende Übergänge zwischen Hellen und dunklen Bereichen erhalten. Das ist ähnlich dem Wet-Blending. Allerdings ist es bei dieser ausführlichen Arbeit keine wirkliche Zeitersparnis mehr gegenüber dem deckend malen.

    Abschließend möchte ich Rouven für den Artikel danken. Er ist, wie für ihn typisch, eine ausführliche Anleitung für diese Arbeitsweise. Ich hätte diese gerne gehabt bevor ich mich an das Arbeiten mit der Value Sketch herangewagt habe. Dann wäre ich schneller zu meinem aktuellen Stand gekommen. Und ich möchte alle ermuntern es auszuprobieren um herauszufinden, in welcher Weise es euch bei eurer individuellen Arbeitsweise weiterhelfen kann!

    Fröhliches Malen!

    1. Hallo Chris,

      vielen herzlichen Dank für deinen ausführliche Kommentar. Ich finde, er stellt einen echten Mehrwert für die Seite dar.
      Dass dein Vorgehen von dem von mir beschriebenen abweicht, ist letztendlich wenig überraschend. Da bei dieser Bemalstrategie eine ganze Reihe an Techniken zum Einsatz kommen, gibt es auch viele Stellschrauben, an denen man drehen kann. Und ich finde es toll, dass du beschreibst, wie es eben auch geht. Ich denke, ich werde die Sache mit dem weißen Trockenbürsten und mehreren Lasurschichten demnächst auch einmal ausprobieren.

      Nochmals vielen Dank für deine Rückmeldung!

      1. Hallo Rouven,
        genau das war mein Ziel: Aufzeigen, dass es einfach auf eigene Bedürfnisse anpassbar ist. Dabei ist dein Artikel ein sehr guter Anfang um rein zu kommen. Da lernt man definitiv sämtliches Grundwissen. Und davon kann man sich selbst weiter vortasten. So wie du es uns immer nahe legst 😉

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