Dreischritt für Einsteiger

Der folgende Artikel richtet sich – wie der Titel schon vermuten lässt – an Einsteiger, die ihre ersten Miniaturen bemalen. Möglicherweise kommt den erfahreneren Minibemalern aber auch folgende Situation noch bekannt vor.

Du hast dein Modell grundiert und beginnst mit der eigentlichen Bemalung der Figur. Du hast dir bereits die notwendigen Farben für dein Projekt herausgesucht und trägst sie fein säuberlich (in dünnen Schichten) auf deinem Modell auf. Es gelingt dir schon überraschend gut, genau die Stellen mit dem dem Pinsel zu treffen, die du treffen möchtest. Nur hin und wieder musst du einen kleinen Fehler ausbessern. Am Ende deine Mühen lehnst du dich zuück, betrachtest dein Modell und stellst fest: Du bist enttäuscht. Irgendwie sieht das Ergebnis nicht so aus, wie das Modell auf der Verpackung. Aber warum ist das so?

Natürlich liegt dieses Empfinden auch an dem Vergleichswert. Die Figuren, die auf Boxcovern eingesetzt werden, wurden von Profis bemalt. Da diese schon tausende von Stunden mit dem Bemalen von Miniaturen verbracht haben, lässt sich da nicht so einfach mithalten.  Das wäre so, als würde jemand, der zum ersten Mal gegen einen Fußballt tritt, erwarten, morgen in der Bundesliga spielen zu können.

links: Inquisitor in Terminatorrüstung (GW); rechts: Space Marine (GW)

Das bedeutet aber nicht, dass sich dein Ergebnis nicht noch verbessern ließe. Die Figuren in dem Foto oberhalb z.B. sehen… okay aus. Sicherlich würden das Einsetzten dieser Miniaturen in einem Tabletop-Spiel viel mehr Spaß machen als das Spielen mit grauem Plastik. Wenn man genauer hinsieht, bemerkt man jedoch schnell, dass irgendetwas fehlt. (Und damit meine ich jetzt nicht die unbemalten Augenbrauen der Figur links oder die etwas unsauber getroffenen Augen des Space Marines 😉 ). Den Figuren fehlt farbliche Tiefe. Sie sind letztendlich so bemalt worden, wie wohl die meisten Leute ein zweidimensionales Bild in einem Malbuch ausmalen würden. Das heißt, jede Fläche wurde in einer (und nur einer) Farbe angemalt.

Beim Bemalen von Miniaturen ist dies jedoch nur der erste Schritt. Man spricht hier auch vom „Blocken“ der Farben. Um jedoch der Miniatur mehr Tiefe zu verleihen und sie somit schlichtweg optisch interessanter zu gestalten, sollten die tiefer liegenden Elemente der Figur etwas dunkler aussehen als die geblockte Farbe. Die höher liegenden Elmente sollten dagegen heller bemalt werden. Ich habe auch schon mit Leuten gesprochen, die die Meinung vertraten, dass die Figur ja dreidimensional sei und somit die Farben aufgrund des natürlichen Schattenspiels ohnehin unterschiedlich wirken würden. Alle weiteren Schritte führten dann nur zur einem unrealistischeren Erscheinen. Und das stimmt ja auch: Eine Miniatur, die angemalt wurde wie man ein Bilderbuch ausmalt, sieht ganz realistisch nach einer bemalten Miniatur aus. Die meisten Miniaturenbemaler, die ich kenne, haben jedoch einen anderen Anspruch. Sie versuchen ihre Figuren so zu bemalen, dass sie eben nicht mehr wie Miniaturen wirken.

Schritt 1: Farben blocken

Munigrot (GW), links: grundiert; rechts: Farben geblockt

In dem Beispiel oben habe ich das Modell zuerst im zenithal highlight Stil grundiert (siehe dazu auch hier). Eine einfarbige Grundierung hätte allerdings auch ausgereicht. Anschließend habe ich das Modell in den Farben bemalt, die ich für mich als Grundfarben festgelegt habe. Diese Festlegung gilt für mich nun sozusagen als Mittelwert von dem aus ich entscheiden kann, welche Farben ich für Vertiefungen und Erhöhungen verwende.

Schritt 2: Wash auftragen

Munigrot (GW), links Farben geblockt; rechts: Washes aufgetragen

Der nächste Schritt ist der, der micht selbst immer am meisten erstaunt: das Auftragen des Washes. Ein Wash ist eine sehr dünne Farbe, die gute Fließfähigkeiten aufweisen sollte und dunkler ist als der Farbton, der zum Blocken verwendet wurde. Sie kann gezielt auf Teile der Figur (Pin Washing) oder großflächig auf das gesamte Modell aufgetragen werden.  Sie läuft dann wie von selbst in die Vertiefungen und dunkelt sie auf diese Weise ab. Bei dem Beispiel oben habe ich alle Metallteile mit einem schwarzen Wash (Nuln Oil von GW) und den Rest des Modells mit einem braunen Wash (Agrax Earthshade von GW) überpinselt. Ich bin dabei recht großzügig mit der Farbe umgegangen, habe jedoch darauf geachtet, dass sich keine „Pfützen“ an unerwünschten Stellen bilden. Wenn sich irgendwo zu viel Wash gesammelt hat, habe ich dieses einfach vorsichtig mit meinem Pinsel abgetupft. Bemerkenswert finde ich diesen Schritt vor allem deswegen, weil sehr schnell das Erscheinen seiner Figur deutlich verbessern kann. Feinste Vertiefungen werden plötzlich sichtbar. Bei der Figur oben treten beispielsweise die einzelnen Finger deutlicher hervor, die Munitionsteile lassen sich klarer von einander abgrenzen und die Grenze zwischen Haut und Lenenschurz tritt deutlicher hervor.  Einige Hobbyisten nennen Wash deswegen auch gerne spaßeshalber liquid talent, also flüssiges Talent.

Das Trocknen des Wash dauert etwas länger als das der dickeren Farben. Man sollte auch nicht versuchen, diesen Trocknungsprozess durch den Einsatz von Hilfsmitteln (z.B. einem Fön) zu beschleunigen, da das Wash sonst unkontrolliert über das Modell geschoben wird und hässliche Trocknungsspuren hinterlässt.

Theoretisch ließe sich sofort mit dem nächsten Schritt weitermachen. In den meisten Fällen ist es jedoch empfehlenswert noch einen Zwischenschritt einzubauen: Durch den Einsatz des Washes sind die Vertiefungen deutlich dunkler geworden – da wir das Wash jedoch auf das gesamte Modell aufgetragen haben, sind auch die anderen Flächen etwas eingefärbt. (Wenn auch deutlich weniger als die tiefer liegenden Stellen.) Um die Originalfarbe wieder hervorzuholen, ist es sinnvoll, alle höher liegenden Stellen noch mit einer dünnen Schicht der Originalfarbe zu bemalen. Wichtig ist hierbei, dass man mit dieser neuen Farbschicht nicht wieder in die Vertiefungen rutscht. Ssollte das trotzdem passieren, kann man jedoch problemlos noch eine Schicht Wash gezielt auf diese eine Stelle platzieren).

Zwischenschritt: die Grundfarbe wird stellenweise wieder hervorgeholt

Bei meinem Modell habe ich wirklich nur die etwas hervorstechenden Teile der Figur noch einmal bemalt – vor allem die höher liegenden Partien der Haut (z.B. die Schulterblätter), den Griff der Kiste und auch die Munition. Dies ist die ideale Vorbereitung, für den letzten Arbeitsschritt.

Schritt 3: Highlights setzen

Das Setzen der Highlights erhöht den Farbkontrast auf der Figur und trägt dazu bei, die Figur noch etwas ausdifferenzierter darzustellen. Bei dem hier vorstellten Verfahren kommt es dabei gar nicht so sehr darauf an, die Highlights wirklich auf oberen Bereiche der Figur aufzutragen (also beispielsweise nur Schädelplatte und Schultern). Man sollte
sich vielmehr für Stellen entscheiden, auf die man die Aufmerksamkeit des Betrachters lenken möchte. Dies sind zwar in der Regel die höher liegenden Bereiche, doch bietet es sich durchaus an, die Aufmerksamkeit des Betrachters auch auf andere Elemente der Figur zu lenken (z.B. das Gesicht), um das Modell insgesamt interessanter erscheinen zu lassen.

Munigrot (GW), links: geblockte Farben und Washes; rechts: nach Zwischenschritt und Highlights

In dem Beispiel hier habe ich die Highlights z.B. auf die Schulterblätter, auf die Muskulatur der Beine, auf die Kanten der Metallkiste und einzelne Bereiche der Munition gesetzt. (Nebenbemerkung: Dass die Granate der Figur links etwas bläulich schimmert, hat etwas mit dem Lichteinfall während der Aufnahme des Fotos zu tun. Ich habe bei der Figur rechts lediglich einzelne Kanten der Granate durch Highlights betont.)

Die Base wurde im Übrigen ebenfalls durch Trockebürsten mit Highlights versehen – zur Basegestaltung und zum Trockenbürsten gehe ich jedoch demnächst in anderen Artikeln genauer ein.

Abschließende Bemerkungen

Die hier gezeigte Technik ist gut dafür geeignet, um ins Hobby hineinzufinden. Sie konfrontiert den Minibemaler auch erstmals mit einem Problem, das für das (Be)Malen von grundsätzlicher Bedeutung ist: Die Darstellung von und das Spiel mit Licht und Schatten. Viele der weiterführenden Techniken lassen sich letztendlich als Hilfsmittel begreifen, um dieses Problem anzugehen.

Ein mit dieser Technik bemaltes Modell ist nicht „realistisch“ bemalt. Unter anderem ist keine klare Lichtquelle auszumachen und genau genommen müsste sich die Umgebung in den Metallteilen spiegeln… Viele von uns bemalen ihre Figuren jedoch für den Einsatz in Brett- oder Tabletop-Spielen (wie Warhammer) und möchten ein ansprechendes Ergebnis in einem überschaubaren Zeitrahmen erreichen. Und genau dafür ist dieser Drei(einhalb)schritt gut geeignet.

2 Replies to “Dreischritt für Einsteiger”

  1. Vielen Dank für dieses tolle Tutorial!
    Bin noch relativ am Anfang mit dem bemalen und suche immer gute Tutorials. Leider findet man die meisten nur auf YouTube,welche man aber nicht immer schauen kann. Deswegen bin ich dir für deine Seite überaus dankbar!

    1. Vielen Dank für das positive Feedback. Ja, Youtube ist grundsätzlich schon eine gute Quelle für Tutorials, aber eben auch nicht immer nutzbar bzw. oftmals recht unsystematisch.

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