Acrylfarben und übliche Farbzusätze

(Oder: Des Mini-Malers Hexenküche, Teil 1)

Man sollte sich als Miniaturenbemaler sehr früh an einen Gedanken gewöhnen: Acrylfarben müssen manipuliert werden!

Die Form, in der wir unsere Acrylfarben von den unterschiedlichen Herstellern erhalten, ist nur selten die Form, in der wir die Farben auch verarbeiten. Vielmehr stellen die uns angebotenen Farben einen Kompromiss zwischen Anwenderfreundlichkeit, genereller Anwendungsmöglichkeit und Lagerungsfähigkeit dar. Je nachdem, was wir mit den jeweiligen Farben erreichen wollen, bietet es sich an, gewisse Zusätze hinzuzufügen.

Um zu verstehen, welche Zusätze möglich und sinnvoll sind, ist es hilfreich zu wissen, aus welchen Komponenten unsere Farben grundsätzlich bestehen. Anschließend lässt sich leichter entscheiden, welche Form der Manipulation sinnvoll ist, um einen gewünschten Effekt zu erreichen.

Aus welchen Komponenten setzen sich Acrylfarben zusammen?

Pigmente

Als erster Bestandteil von Acryfarben wären da die Pigmente zu nennen. Pigmente sind die winzig kleinen Partikel, die der Acryfarbe ihre Farbe verleihen (=farbgebende Substanzen). Zudem haben sie einen Einfluss auf ihre Textur.

Man sollte sich immer einmal wieder bewusst machen, dass es keine Maschine gibt, die „irgendwie“ Farben produziert, sondern dass unsere Farben immer aus irgendeinem Grundstoff (bzw. einer Mischung aus Grundstoffen) bestehen. Dies ist auch der Grund dafür, dass sich Farben aus dem gleichen Farbsortiment durchaus unterschiedlich verhalten können – je nachdem woraus die Farbpigemente bestehen.

Die Farbe Weiß hat z.B. die Tendenz, sich etwas „störrisch“ zu verhalten und Klümpchen zu bilden (Citadel/ Games Workshops Ceramite White ist dafür berüchtigt), was schnell zu einer kreidigen Textur auf dem Modell führen kann.

Bindemittel

Der zweite wichtige Bestandteil einer jeden Farbe ist das Bindemittel. Dieses trägt seinen Namen nicht zu unrecht, denn es verbindet sowohl die Farbpigmente untereinander als auch die Pigmente mit dem Untergrund, also unseren Miniaturen.

Bei Acrylfarben ist das Bindemittel – Trommelwirbel (!) – Acryl. Acryl ist genau genommen eine Sammelbezeichnung für unterschiedliche Substanzen, die sich chemisch ähneln. Das Acrylbindemittel in unseren Hobbyfarben besteht aus Kunstharzteilchen, die in hoher Konzentration im Lösungsmittel schwimmen. Sobald das Lösungsmittel verdunstet „verbinden sich die Partikel und bilden eine wasserunlösliche, elastische Schicht“ (Wikipedia).

Lösungsmittel

Der dritte entscheidende Bestandteil der Farben ist das Lösungsmittel (oder auch „Lösemittel“). In unseren Acrylfarben ist dies schlicht und ergreifend Wasser.

Zwar denkt man bei dem Begriff „Lösungsmittel“ in der Regel an stinkende und gesundheitsschädliche Stoffe, doch stellt dies eher die umgangssprachliche Verwendung des Begriffs dar. Dass unsere Farben hingegen in Wasser gelöst sind, macht unser Hobby deutlich angenehmer und gesünder.

Was geschieht, wenn sich nicht mehr genug Lösungsmittel in unserer Farbe befindet, kann jeder beschreiben, der schon einmal einen Farbtopf offen stehengelassen hat: Die Farben trocknen ein und lassen sich nur noch schwer verwenden. Ist sämtliches Wasser verdunstet, ist die Farbe nicht mehr zu gebrauchen und kann entsorgt werden.

Gibt man hingegen zu viel Lösungsmittel in die Farbe, kann das Bindemittel seine Arbeit nicht mehr leisten und die Farbe „bricht“. Das dies der Fall ist, kann man daran erkennen, dass sich die Farbe auf der Palette (oder dem Modell) trennt – es bilden sich Pfützen und die Farbpigmente sammeln sich nur in wenigen Bereichen.

+X

Mit „+X“ meine ich all die weiteren Bestandteile, die in einer Farbe enthalten sein können, aber nicht müssen, und die eine Reihe unterschiedlicher Funktionen erfüllen. Diese Zusätze können beispielsweise dazu führen, dass die Farbe nach der Trocknung aufbricht, eine längere Trocknungszeit hat, besonders fließfähig ist usw. Je nachdem, welcher Zusatz der Farbe hinzugefügt wird, wird ein anderer Effekt erreicht.

Citadel/ Games Workshop vertreiben beispielsweise ihre drei wohl beliebtesten Washes (bzw. Shades) Nuln Oil, Agrax Earthshade und Reikland Felshshade jeweils in einer Standard- und in einer Glossversion. Letzterer wurde also offensichtlich ein Zusatz hinzugefügt, der zu einem glänzenden Finish führt.

Wenn ich im Folgenden von „Farbzusätzen“ spreche, meine ich allerdings nicht ausschließlich die Kategorie „+X“, sondern all das, was wir unseren Farben nach dem Kauf hinzufügen können.

Übliche Farbzusätze

Obwohl ich mich bemühe, die zur Verfügung stehenden Farbzusätze möglichst systematisch zu beschreiben, ist eine glasklare Zuordnung nicht immer möglich. Zum einen geben die Hersteller der Produkte nicht immer an, woraus diese genau bestehen und zum anderen verschwimmen viele Begriffe im alltäglichen Sprachgebrauch. Wenn beispielsweise vom „verdünnen“ einer Farbe die Rede ist, können dabei durchaus unterschiedliche Dinge gemeint sein.

Wasser als Verdünner

Umgangssprachlich ist mit „verdünnen“ oftmals einfach gemeint, dass sich das Verhältnis von Farbpigementen zu allen anderen Bestandteilen einer Farbe in Richtung „alle anderen Bestandteile“ verschiebt. Dies führt zum einen dazu, dass die Deckkraft der Farbe geringer wird. Welche weiteren Effekte in Kraft treten, hängt davon ab, was genau ich zum Verdünnen der Farben verwende.

Wenn wir den Begriff „verdünnen“ jedoch eng fassen und eher fachsprachlich einsetzen, gilt Folgendes: „Als Verdünnung bezeichnet man den Vorgang des Verdünnens, das heißt das Zusetzen eines Lösungsmittel zu einer Lösung.“ (Wikipedia) Die Betonung liegt hier auf dem Wort „Lösungsmittel“. Da das übliche Lösungsmittel in unseren Acrylfarben Wasser ist, ist Wasser auch als das wohl wichtigste Mittel zur Verdünnung einer Farbe zu nennen.

Das Ziel des Verdünnens im Sinne der engeren Definition ist dabei – wenig überraschend – dass die Farbe „dünner“ wird. Es geht also um eine Verminderung der Viskosität (also der Zähflüssigkeit) einer Farbe. Genau genommen ist es zwar nicht physikalisch korrekt, Verdünnung automatisch mit einer Verminderung der Viskosität gleichzusetzen, doch für unsere Zwecke ist diese Deutung des Begriffs treffend und absolut ausreichend. Dass jede Hinzugabe von Flüssigkeit in unsere Farbe automatisch auch eine Verminderung der Deckkraft mit sich bringt, ist dabei eher als Nebeneffekt und nicht als Ziel des Verdünnens im engeren Sinne zu sehen.

Mit einer verdünnten Farbe gelingt es einem deutlich leichter, Pinselstrichstrukturen auf den Miniaturen zu vermeiden. Man kann es sich im Prinzip so vorstellen, dass man mit dem Pinsel kleine Furchen in die Farbe zieht, sodass winzig kleine Farbtäler und Farbberge entstehen. Durch die Verdünnung verlieren die Berge und Täler einen Teil ihrer Stabilität und laufen ineinander.

Zudem trägt man beim Malen mit verdünnter Farbe weniger Masse auf (also weniger Pigmente und Bindemittel), was wiederum die Wahrscheinlichkeit von Pinselstrichstrukturen verringert und dazu führt, dass auf den Modellen weniger Details verloren gehen.

Neben Wasser kann man natürlich auch andere Verdünner einsetzen. Allerdings handelt es sich bei den meisten Produkten, die ich kenne, nicht um Verdünner im von mir beschriebenen engeren Sinne, da diese Mittel in der Regel eher den Bindemittel- und nicht den Lösemittelanteil in der Farbe erhöhen. So gibt es von Vallejo beispielsweise ein Thinner Medium (*), das trotz des „thinner“ in seinem Namen eher in die Kategorie „Acrylmedium“ fällt. Verdünner im engeren Sinne findet man dagegen unter den Produkten, die für einen Airbrush gedacht sind (für Pinselarbeit aber ebenfalls funktionieren) und normalerweise etwas flow aid enthalten. (Ich verwende beispielsweise das Produkt von Vallejo (*)).

Farbflussverbesserer (flow improver/ flow aid)

Flow improver ist ein Hilfsmittel, das ich erst recht spät für mich entdeckt habe, heute aber nicht mehr missen möchte. Ich habe fast immer einen Tropfen davon auf meiner Nasspalette.

Das deutsche Wort „Farbflussverbesserer“ mag zwar etwas holperig klingen, beschreibt die Funktion dieses Zusatzes allerdings recht gut: Die Fließfähigkeit der Farbe wird verbessert.

links: zwei Tropfen Farbe; rechts: ein Tropfen Farbe gemischt mit einem Tropfen flow aid

Flow improver ist ein Lösungsmittel für unsere Farben, wirkt allerdings deutlich extremer bzw. anders als Wasser, da es die Oberflächenspannung unserer Farben reduziert. Wassermoleküle ziehen sich gegenseitig an, was letztendlich dazu führt, dass Wasser Tropfen bildet. Unsere Farben verhalten sich genauso. Wie man in dem Bild oben sehen kann, reduziert der flow improver die Oberflächenspannung so weit, dass der Tropfen auseinanderläuft.

Für uns als Miniaturenbemaler hat Farbe mit Farbflussverbesserer darin nützliche Eigenschaften:

  • Wenn man eine Pinselspitze Farbflussverbesserer in seine Farben mischt, gleiten diese leichter vom Pinsel. Unter anderem bedeutet dies, dass man mit weniger Druck arbeiten kann, was wiederum bedeutet, dass einem z.B. das Malen feiner Linien leichter fällt.
  • Ähnlich dem Verdünnen mit Wasser hilft der Einsatz von Farbflussverbesserer, Pinselstrichstrukturen zu vermeiden.
  • Anders als beim Verdünnen mit Wasser geht kaum Deckkraft der Farbe verloren, da man immer nur sehr wenig flow aid einsetzt.

Wie oben bereits geschrieben, geben ich mittlerweile immer ein klein wenig dieses Zusatzes in meine Farben. Da diese Mittel jedoch recht wirkungsstark sind, sollte man darauf achten, dass man nicht überdosiert. Gibt man zu viel davon in die Farben, laufen sie fast unkontrollierbar in jede Vertiefung.

Allerdings: Genau diese Eigenschaft bietet eine weitere Anwendungsmöglichkeit. Eine etwas größere Dosis flow improver macht zusammen mit ausreichend Acrylmedium (je nachdem wie deckend es geraten soll) aus jeder beliebigen Acrylfarbe ein Wash.

Farbflussverbesserer werden von vielen namhaften Herstellern angeboten, beispielsweise von Liquitex (*), Winsor & Newton (*) oder Vallejo (*). Da man immer nur wenig davon braucht, sind die Flaschen auch sehr ergiebig.

Acrylmedium

Das Hinzufügen von Lösungsmitteln kann zwar die allgemeine Pigmentdichte unserer Farben reduzieren, doch führt dies, wie oben beschrieben, gleichzeitig auch immer zu einer Reduzierung der Viskosität. Ab einem gewissen Punkt lässt sich die Pigmentdichte der Farbe nicht weiter verringern, ohne dass die Farbe „bricht“ und somit für die Verarbeitung nicht mehr geeignet ist.

Glücklicherweise haben wir mit dem Bindemittel der Farbe, also Acryl, eine weitere Stellschraube, an der wir drehen können, um die Eigenschaften unserer Farben zu beeinflussen. Viele Farbhersteller bieten deswegen auch sogenannte „Acrylmedien“ an. Im Wesentlichen handelt es sich dabei um Farben ohne Farbpigmente – also in einem Lösungsmittel (=Wasser) gelöstes Acryl. In diese Kategorie gehören beispielsweise das Thinner Medium (*) von Vallejo und das jedem Warhammer Spieler bekannte Lahmian Medium (*).

Der Vorteil von Farbe mit geringer Pigmentdichte liegt darin, dass man als Maler sehr viel Kontrolle darüber hat, wie viele Pigmente wir auf unser Modell auftragen. Eine tolle Eigenschaft von Acrylfarben ist, dass man sie transparent verarbeiten kann. Dies bedeutet, dass die Farbschichten, die unter der frischen Schicht Farbe liegen, noch etwas durchschimmern. Man spricht hier von Lasuren bzw. glazing. Auf diese Weise lassen sich sehr präzise stufenlose Farbübergänge erzeugen. (Ein Beitrag zum glazing steht derzeit noch auf meiner to do-Liste.)

Viele Hersteller von Acrylmedien versprechen, dass sich die Konsistenz der Farbe nicht verändert, wenn man ihr Medium in die Farbe gibt. Meine Erfahrung zeigt mir jedoch, dass dies nur bis zu einem gewissen Grad korrekt ist. Letztendlich ist es ja auch so, dass die enthaltenen Farbpigmente auch einen Einfluss auf die Konsistenz der Farbe haben. Verringert man nun durch die Zugabe des Mediums den prozentualen Anteil von Farbpigmenten in der Farbe, wird sich logischerweise auch deren Einfluss auf die Konsistenz der Farbe verringern.

Das genaue Verhältnis von Acryl zu Lösungsmittel in einem Medium kann von Hersteller zu Hersteller variieren (und hängt vermutlich von der genauen Rezeptur der vom Hersteller produzierten sonstigen Farben ab). Am besten ist es wohl, wenn man selbst ausprobiert, mit welchen Produkt man gut arbeiten kann. Eine Anmerkung zum Lahmian Medium: Ich habe eben Acrylmedien als „Farben ohne Farbpigmente“ bezeichnet. In einem Warhammer TV Video von 2017 wird Lahmian Medium allerdings als „Shade ohne Pigmente darin“ (Minute 20:53) beschrieben. Da es sich bei Games Workshops/ Citadels Shade Reihe um sehr flüssige Farben handelt, erklärt sich auch der Eindruck vieler Maler, dass Lahmian Medium eine recht flüssige Konsistenz hat.

Viele Acrylmedien enthalten außerdem noch Zusätze aus der Kategorie „+X“, die weitere Effekte hervorrufen können.

Glossmedium
links: Farbe mit Mattmedium; rechts Farbe mit Glossmedium

Die Hinzugabe von Glossmedium führt dazu, dass die Farbe mit einem glänzenden Finish trocknet. Dies könnte zum Beispiel wünschenswert sein, wenn man den Eindruck erwecken möchte, dass ein Fahrzeug auf Hochglanz poliert ist. Außerdem ist dieser Effekt hilfreich, wenn man Flüssigkeiten zu simulieren versucht (Schleim, Blut…).

Bei der Verwendung von Glossmedium sollte beachtet werden, dass es in der Regel relativ dickflüssig ist, sodass man ggf. etwas Wasser oder Farbflussverbesserer hinzugeben sollte. In dem Beispielbild oben habe ich mit einer 1:1 Mischung aus Scorpion-Green (Vallejo Game Air) und Gloss Medium (Vallejo) (*) gesprüht. Weil ich das Ergebnis nicht verfälschen wollte, habe ich auf weitere Zusätze verzichtet. Wie man oben sehen kann, habe ich dabei durchaus eine unschöne Textur auf mein Plastikplättchen aufgesprüht. Zugegebenermaßen war ich allerdings beim Sprühen nicht sehr vorsichtig.

Mattmedium

Je nach genauer Rezeptur der Farbe, können manchen Acrylfarben auch von sich aus mit einem gewissen Glanz trocknen. Dies ist nicht immer gewünscht und auch hier kann man Abhilfe schaffen. Gibt man der Farbe etwas Mattmedium hinzu, trocknet die Farbe deutlich matter.

Wenn Licht auf eine glatte Oberfläche trifft, wird es im gleichen Winkel zurückgeworfen, wies es auf sie auftrifft – je gerichteter das Licht dabei reflektiert wird, desto mehr Glanz nehmen wird war. Mattmedium beinhaltet mikroskopisch kleine Teilchen, die beim Trocknen zu ebenso kleinen Unebenheiten auf der Oberfläche führen. Fällt Licht auf eine solche Oberfläche, werden die Lichstrahlen gestreut (also in alle möglichen Richtungen gleichzeitig reflektiert). Wir nehmen solche Oberflächen dann als matt war.

Die kleinen Teilchen im Mattmedium können allerdings leicht zu Klümpchenbildung führen. Aus diesem Grund habe ich meinem Fläschen mit Matt Medium (Vallejo) (*) eine Agitatorkugel (*) hinzugefügt.

Glaze medium (Lasurmedium)

Der Begriff „Glaze Medium“ ist nicht ganz eindeutig besetzt. Zum einen wird er als allgemeine Bezeichnung für Acrylmedium verwendet. In diesem Sinne sind sowohl das oben bereits angesprochene Thinner Medium (Vallejo) als auch Lahmian Medium (GW/ Citadel) als Glaze Medium zu verstehen.

Es gibt allerdings auch Produkte unterschiedlicher Hersteller, die diesen Namen tragen und sich durchaus voneinander unterscheiden. Ich persönlich benutze beispielsweise sehr gerne das Glaze Medium von Vallejo (*). Abgesehen von den üblichen Eigenschaften eines Acrylmediums scheint dieses Produkt auch einen Trocknugsverzögerer zu beinhalten. In meinen Versuchen benötigte eine 1:1 Mischung Farbe:Glaze Medium etwa dreimal länger zum Trocknen als eine Farbe:Thinner Medium Mischung im gleichen Verhältnis. Abgesehen von seinem eigentlichen Zweck, dem Herstellen von Lasuren, setze ich dieses Produkt auch gerne beim wet blending ein.

Trocknungsverzögerer (retarder medium)

Auch beim Trocknungsverzögerer steckt der durch diesen Zusatz erzielte Effekt schon im Namen: die Trocknung der Farbe wird verzögert. Dies gibt dem Maler etwas mehr Zeit, auf die Farbe auf dem Modell zu bewegen. Aus diesem Grund sind Trocknungsverzögerer ein praktisches Hilfsmittel beim feathering und vor allem beim wet blending.

Es sei an dieser Stelle erwähnt, dass die Hinzugabe von Medien aller Art in der Regel zu einer erhöhten Trocknungsdauer führt. Beim retarder medium ist dies jedoch das beabsichtigte Ziel und nicht nur ein Nebeneffekt. Man sollte allerdings darauf achten, dass man dieses Mittel nicht zu hoch dosiert, da die Trocknung sonst Stunden (wenn nicht gar Tage) dauern kann.

Die Konsistenz dieses Zusatzes kann etwas gelartig sein und somit auch dazu führen, dass die Farbe etwas eindickt. Um diesem Effekt entgegenzuwirken, kann wiederum flow improver nützlich sein

Auch bei den Trocknungsverzögerern hat man die Qual der Wahl und findet gute Produkte von den üblichen Verdächtigen, wie beispielsweise Liquitex (*), Winsor & Newton (*) oder auch Vallejo (*). Da retarder medium auch für die Malerei auf Leinwänden eingesetzt wird, sind die Flaschen, in denen es verkauft wird, meist entsprechend groß. Man muss dieses Hilfsmittel also nur selten nachkaufen.

Abschließende Überlegungen

Beim Zusammentragen der Informationen für diesen Artikel ist mir noch einmal bewusst geworden, wie schwer es ist, die einzelnen Begrifflichkeiten klar voneinander zu trennen. Dies führt dazu, dass wir im Dialog über unserer Hobby gelegentlich Äpfel mit Birnen vergleichen.

Wenn uns beispielsweise jemand erklärt, dass er seine Farben immer sehr stark verdünnt, wissen wir damit noch immer nicht sicher, ob er damit „Verdünnung im engeren Sinne“ (= mehr Lösungsmittel = geringere Viskosität der Farbe) oder vielmehr die Hinzugabe von Acrylmedium (= mehr Bindemittel = weniger Farbpigmente) meint. Oftmals wird wohl sogar beides gemeint sein.

Da uns die Farbhersteller die genauen Rezepturen ihrer Farben und Medien nicht verraten, können wir auch nicht immer sicher sein, ob das Medium, das wir in unsere Farben tun, wirklich nur aus Wasser und Kunstharzteilchen besteht. Oder ist beispielsweise vielleicht noch etwas flow improver enthalten? Letztendlich kommt man nicht darum herum, selbst etwas herumzuexperimentieren, um zu sehen, mit welchem Medium man am besten klarkommt.

Dieser Artikel ist deutlich länger geworden, als ich je gedacht hätte. Aus diesem Grund verschiebe ich einen Teil des urspünglich geplanten Inhalts in den nächsten Artikel: Extreme Effekte durch Farbzusätze (Oder: Des Mini-Malers Hexenküche, Teil 2).

3 Replies to “Acrylfarben und übliche Farbzusätze”

  1. Heute morgen deine Seite entdeckt und sehr viel gelesen.
    Sehr anschaulich und gut verständlich.
    Wirklich top. Freue mich schon auf das was da noch kommt 🙂

    1. Vielen Dank! Freut mich sehr, dass dir die Seite bzw. die Infos gefallen. Und ja, ich habe da noch so einige Ideen in der Pipeline. 🙂

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