Beleuchtung

Jemand, der darüber nachdenken, in das Hobby des Miniaturenbemalens einzusteigen, fragt oftmals zuerst danach, welche Materialien er dafür benötigt. Er denkt dabei verständlicherweise vor allem an solche Sachen wie den richtigen Pinsel oder die beste Farbe. Neben diesen beiden Dingen halte ich jedoch noch ein drittes Arbeitsmittel für unerlässlich für zufriedenstellende Ergebnisse: das richtige Licht.

Je nachdem, was wir mit Licht erreichen wollen, fällt die Frage, was das richtig Licht ist, natürlich unterschiedlich aus. Für einen gemütlichen Abend zu zweit benötigt es sicherlich anderes Licht als für die Ausübung unseres Hobbies. Doch wodurch zeichnet sich geeignetes Licht (also für unser Hobby 😉 ) aus und wo bekomme ich es her?

Ich halte die Wahl der richtigen Beleuchtung im Übrigen sogar für so wichtig, dass ich ihr hiermit einen Artikel widme, noch bevor ich mich in einem Artikel mit Pinsel oder Farbe beschäftigt habe.

Was ist „gutes“ Licht?

Zumindest für das Bemalen von Miniaturen (oder eigentlich Malerei grundsätzlich) lässt sich diese Frage recht leicht beantworten: Gutes Licht weist die Eigenschaften von Tageslicht an einem unbewölkten Tag um die Mittagszeit (auch späterer Vormittag und früherer Nachmittag) auf.

Diese grobe Beschreibung macht jedoch schon deutlich, warum die Sonne als Beleuchtung für viele von uns nicht ausreicht. Würden wir uns ausschließlich auf die Sonne als Lichtquelle verlassen, wären wir wetterabhängig. Darüber hinaus malen vermutlich recht viele von uns eher abends, da uns Schule, Beruf oder Kinder davon abhalten, unserem Hobby während des Tages zu fröhnen.

Glücklicherweise gibt es mit Tageslichtlampen (auch Vollspektrumlampen genannt) eine guten und sehr zuverlässigen Ersatz für echtes Sonnenlicht. Doch was genau können diese Lampen, was andere nicht können? Um Licht bzw. die Eigenschaften von Lampen zu beschreiben, kursieren diverse Begriffe und Einheiten, auf die ich im Folgenden eingehen möchte. Ich liefere dabei keine physikalisch korrekten Definitionen, sondern versuche diese Dinge nur soweit zu erklären, wie sie für unser Hobby relevant sind.

Farbtemperatur

Wenn man eine Lampe kauft, sollte sich auf der Verpackung oder zumindest in der Betriebsanleitung ein Hinweis auf die Farbtemperatur des durch die Lampe ausgestrahlten Lichtes finden. Es handelt sich hier um das Maß, in dem der Farbeindruck einer Lichtquelle gemessen wird (und nicht etwa um die ausgestrahlte Wärme). Die Farbtemperatur wird dabei in der Einheit Kelvin (K) angegeben.

Je niedriger der Wert in Kelvin ist, desto gelblicher gerät das Licht. Bei einem hohen Wert wirkt das Licht eher bläulich. In der Farblehre (siehe dazu auch Wikipedia) werden Gelb- und Rottöne gemeinhin als „warm“ und Blautöne als „kalt“ bezeichnet. Folglich führt ein niedriger Wert in Kelvin zu einem eher warmen und ein hoher Kelvin Wert zu einem eher kalten Licht.

Eine brennende Kerze entspicht dabei etwa einem Wert von 1500 K, eine 60 Watt Glühlampe liegt bei etwa 2700 K. Der für unser Hobby als ideal angesehene Wert beträgt 5500 K. Laut DIN Norm liegt die Farbtemperatur einer Tageslichtlampe jedoch zwischen 5300 und 6500 K (siehe Wikipedia) und geht somit schon etwas in den bläulichen Bereich. Tageslichtlampe ist somit nicht gleich Tageslichtlampe – allerdings sollte man auch bei Werten, die etwas von den idealen 5500 K abweichen, noch immer keine Schwierigkeiten haben, gute Ergebnisse zu erzielen.

Skaven/ Spiteclaw von GW: links etwa 3200 K; rechts etwa 5400 K

Die Auswirkungen der Farbtemperatur auf unsere Miniaturen wird im Beispielfoto oben recht deutlich. Es handelt sich um dieselbe Miniatur, die einmal mit einer Lampe mit etwa 3200 K und einemal mit etwa 5400 K aufgenommen wurde. Die Ausleuchtung der Miniatur ist nicht ideal, da ich versucht habe, andere Lichtquellen größtenteils auszuschließen und bei jeder Aufnahme nur eine Lampe verwendet habe. Der Hintergrund wurde ausgeschnitten, um einen Vergleich ohne Ablenkungen zu ermöglichen.

Die Reflexion in der Mitte der schwarzen Base, zeigt den Unterschied in der Lichtquelle sehr deutlich. Alle Farbe der linken Version wirken etwas gelblicher. Die Haut, die auf dem rechten Bild farblich irgenwo zwischen fleischfarbend und orange liegt, leuchtet im linken Bild in Orange. Auch die Highlights auf dem Umhang wirken eher orange statt rosa.

Möglicherweise gefallen dem einen oder anderen die Farben der Miniatur auf der linken Seite ja sogar besser. Das Problem ist jedoch, dass das Modell bei normalem Tageslicht eben nicht so aussieht. Wenn mein Ergebnis am Tag nach einer abendlichen Malsession also für mich noch genauso aussehen soll, wie zu dem Zeitpunkt, als ich mit dem Malen augehört habe, sollte ich für eine Beleuchtung mit angemessener Farbtemperatur sorgen.

Farbwiedergabe

Neben der Farbtemperatur spielt auch die Farbwiedergabe eine Rolle für unser Hobbylicht. Ziel sollte es dabei für uns sein, eine Lichtquelle zu finden, die eine möglichst gute Farbwiedergabe erzielt. Um dies zu erreichen, benötigen wir „[e]ine Lichtquelle, deren Licht alle Spektralfarben enthält wie beim Sonnenlicht […]“ (Wikipedia).

Tageslichtlampen werden auch Vollspektrumlampen genannt, weil sie das gleiche (volle) Farbspekturm beinhalten sollten, wie Sonnenlicht. Beim Kauf einer Tageslichtlampe sollte man also erwarten dürfen, dass die Farbwiedergabe sehr nah an der von natürlichem Sonnenlicht liegt. Vor allem bei sehr günstigen Lampen wird jedoch nicht immer das volle Lichtspektrum abgebildet, sodass es sinnvoll sein kann, nach Erfahrungsberichten anderer Maler zu fragen oder sich die Kommentare auf den Seiten von Online-Händlern durchzulesen. (Ich empfehle weiter unten in diesem Artikel einige Lampen.)

Zur Einordnung der Farbwiedergabe gibt es zwar den sogenannten Farbwiedergabeindex (Ra) bzw. colour rendering index (CRI). Je näher der Indexwert am Maxialwert von 100 liegt, desto besser ist die Farbwiedergabe. Allerdings wird dieser Wert – soweit ich das in Erfahrung bringen konnte – nicht immer bzw. nur selten angegeben. Auf den Verpackungen und in den Lampenanleitungen und -datenblättern, die ich in meinem Haushalt finden konnte, war dieser Wert kaum einmal zu finden.

Helligkeit

Innerhalb eines vernünftigen Rahmens sollte unsere Lichtquelle möglichst hell sein – zumindest hell genug, um Schattenbereiche, die in den Details unserer Miniaturen entstehen können, gut auszuleuchten. Wie hell dies genau ist, lässt sich pauschal nur schwer sagen, da dies u.a. auch von der Art der Aufhängung der Lampe und somit vom Abstand zwischen Lampe und Miniatur abhängig ist. Außerdem unterliegt dieser Punkt auch dem subjektiven Empfinden des Malers. Was der eine als „gut ausgeleuchtet“ empfindet, mag für den anderen „grell und unangenehm“ sein.

Die Helligkeit der Lampen wird in der Regel in Lumen angegeben (genau genommen ist dies die Einheit für den Lichtstrom). Die Lampe an dem Arbeitsplatz, an dem ich gerade sitze, leuchtet mit etwas mehr als 1000 Lumen und ist für mich auf jeden Fall hell genug, um Miniaturen darunter zu bemalen.

Welche Leuchtmittel eignen sich?

In der Regel finden sich entweder LEDs oder Leuchstofftröhren in Tageslichtlampen, die für unser Hobby geeignet sind. Zwar können auch Glühbirnen und Halogenlampen eingesetzt werden, um Tageslicht zu immitieren, doch spricht allein schon ihre relativ hohe Hitzeentwicklung gegen ihren Einsatz. Denn diese führt dazu, dass unsere Farben zu schnell trocknen.

In den letzten Jahren geht der Trend ganz klar in Richtung LED. Leuchtstofflampen verbrauchen zwar mehr Energie als LEDs, waren dafür in der Vergangenheit jedoch in der Anschaffung günstiger. Der Preisvorteil wird jedoch von Jahr zu Jahr geringer. Mittlerweile scheinen zudem viele Hersteller ihre Leuchstoff-Tageslichtlampen auf LED umzustellen bzw. umgestellt zu haben, sodass sich die Frage nach dem besten Leuchmittel kaum noch stellt.

Auch die Punkte Umweltschutz und Gesundheit sprechen wohl eher für die LED, da die Leuchstoffröhren Quecksilber enthalten. Geht eine solche Lampe zu Hause zu Bruch, verteilt sich schadstoffbelasteter Staub in der Wohnung. Dementsprechend dürfen diese Lampen auch nicht im Hausmüll entsorgt werden.

Wie und wo platziere ich die Lampe am besten?

Wenn man bei Onlinehändlern wie Amazon nach „Tageslichtlampen“ (*) sucht, werden einem zunächst vor allem Lampen vorgeschlagen, die wohl dazu gedacht sind, dass man sie direkt vor sich auf den Tisch stellt oder gar in der Hand hält. Diese Lampen dienen dem Wohlbefinden bzw. der Lichttherapie und sind für unsere Zwecke eher ungeeignet.

Die Lichtquelle für unseren Hobbybereich sollte so hoch angebracht werden, dass wir unsere Miniaturen mit auf der Tischplatte aufgestützten Ellenbogen in der Hand halten können und die Miniatur noch immer von oben beleuchtet wird. Hängt die Lampe zu niedrig, muss man in verkrümter Haltung malen, was langfristig zu Rückenproblemen führen wird.

Ansonsten gibt es im Wesentlichen zwei sinnvolle Strategien für den Aufbau der Beleuchtung am Arbeitsplatz: Die Lichtquelle sollte entweder so beschaffen bzw. positioniert sein, dass sie den gesamten Arbeitsbereich gut ausleuchtet oder aber so flexibel verschiebbar sein, dass wir das Licht bei Bedarf an jede gewünschte Stelle bekommen. Welche der beiden Strategien für einen selbst in Frage kommt, ist zum einen natürlich Geschmackssache. Zum anderen entscheiden selbstverständlich auch die Rahmenbedingungen bei einem zu Hause, wofür man sich entscheidet. Wenn man beispielsweise keinen festen Arbeitsplatz hat und sein Hobby am Küchentisch ausübt, fallen größere Ausleuchtungsinstallationen sicherlich eher weg.

Bezüglich der ersten Strategie ist vermutlich ein Lichtbogen, der sich über die gesamte Arbeitsfläche spannt, die extremste Varianten, die mir bisher untergekommen ist. In diesem Youtube Video von Models Workshop wird gezeigt, wie man sich soetwas selber bauen kann. Ich bin mir allerdings nicht sicher, inwieweit dieser Bogen nicht die Ellenbogenfreiheit behindert. Die Idee finde ich allerdings ziemlich cool.

Einfacher ist es sicherlich, mit zwei Lichtquellen gleichzeitig zu arbeiten. Wenn die Arbeitsfläche von links oben und von rechts oben beleuchtet wird, sollten die meisten störenden Schatten verschwunden sein.

Möchte man eher die zweite Strategie verfolgen, sollte man eine Lampe mit einem beweglichen bzw. schwenkbaren Arm verwenden. Dabei sollte man darauf achten, dass der Lampenarm die gewünschte Position von alleine hält und nicht immer wieder in eine voreingestellte Ausgangsposition zurückschnappt.

Natürlich findet man auch Tageslichtlampen, die versuchen, beide Strategien sinnvoll zu vereinen. Lampen mit länglicher Form, die an einem Schwenkarm befestigt sind, wie die „Profi-LED-Schreibtischlampe“ von Lightcraft (*) sind deshalb bei vielen Hobbyisten sehr beliebt.

Konkrete Empfehlungen

Natürlich ist es gut, wenn man eine Vorstellung davon hat, auf welche Dinge man achten sollte, wenn man seinen Arbeitsplatz beleuchten möchte. Letztendlich spielt jedoch auch der Preis für die meisten von uns eine große Rolle und so möchte ich hier einige konkrete Empfehlungen für Beleuchtungen in unterschiedlichen Preisklassen geben.

Günstige Alternative

Wie bereits weiter oben angesprochen, kann es vor allem bei sehr günstigen Tageslichtlampen dazu kommen, dass die Farbwiedergabe nicht ganz ideal ist. Dennoch sind auch die günstigsten Tageslichtlampen für das Bemalen von Miniaturen besser geeignet, als Lampen, die mit einem warmweißen oder auch neutralweißen Licht leuchten.

Wer bereits eine Schreibtischlampe mit normaler Glühbirnenfassung zu Hause hat, benötigt eigentlich nur noch eine Tageslichtbirne in der richtigen Größe. Diese LED-Glühlampe von Luminea (*) hat beispielsweise eine Farbtemperatur von 6400 K, was noch im Tageslichtbereich liegt, leuchtet mit völlig ausreichenden 1000 Lumen und die Farbwiedergabe wird mit mehr als 80 Ra angegeben, was gar nicht mal schlecht ist. (Die Lampe, die ich selbst täglich nutze, hat den gleichen Wert – natürlich ist „größer als 80“ auch nicht gerade eine sehr exakte Angabe.)

Sollte man sich nicht nur das Leuchtmittel, sondern auch den Rest der Lampe noch kaufen müssen, könnte man bespielsweise auf diese Schreibtischlampe der Firma Maul (*) zurückgreifen. Sehr beliebt ist auch das Modell TERTIAL von Ikea.

Mittelpreisige Alternative

In diese Kategorie fällt natürlich eine Vielzahl an Lampen. Ich möchte hier nur eine nennen, die ich auch bei mir zu Hause stehen habe und mit der ich sehr zufrieden bin – die Tageslichtlampe von Arsuk (*). Es scheint sich dabei um eine Art chinesisches Standardfabrikat zu handeln, das von unterschiedlichen Firmen vertrieben wird. Ich benutze die Lampe jetzt seit mehr als 5 Jahren und finde vor allem die Farbwiedergabe sehr gut. An einem sonnigen Tag sehe ich keinen Unterschied zwischen dem Sonnenlicht, das durchs Fenster auf meinen Arbeitsplatz scheint, und dem Licht, das die Lampe ausstrahlt.

Mittlerweile gibt es auch eine LED Version (*) dieser Lampe.

Teurere Alternative

Auch bei den teureren Alternative hat man die Qual der Wahl. Ich möchte deshalb an dieser Stelle auch wiederum nur Lampen empfehlen, die ich entweder selbst besitze oder zumindest schon live in Aktion gesehen habe.

Die oben bereits angesprochene „Profi-LED-Schreibtischlampe“ von Lightcraft (*) überzeugt sowohl mit guter Ausleuchtung als auch mit Beweglichkeit. Der Arm der Lampe bleibt immer genau in der Position stehen, in der man sie zuletzt bewegt hat. Letztendlich handelt es sich hier um die LED-Version des „Klassikers“ unter den Tageslichtlampen für Miniaturenbemaler, der Tri-Tube Arbeitsleuchte. Die Tri-Tube arbeitet jedoch noch mit Leuchtstoffröhre (also drei „tubes“) und ist deswegen auch noch etwas günstiger.

Als ebenfalls empfehlenswert empfinde ich die LED-Lupenlampe von Lightcraft, (*) die ich nun seit etwa einem Jahr nutze und nicht mehr missen möchte. Ich verwende sie in erster Linie als reine Lichtquelle, also ohne die Lupenfunktion zu nutzen. Auch hier lässt sich die Lampe mittels Schwenkarm in jede gewünschte Position bringen und halten. Aufgrund des Kugelgelenkts am Kopf der Lampe, lässt sich auch Leuchrichtung problemlos manipulieren. Die Lupe benötige ich selten, aber hin und wieder ist es wirklich praktisch, darauf zugreifen zu können. Das Malen unter der Lupe ist anfangs gar nicht so einfach, da die Hand-Auge -Koordination plötzlich eine andere ist, doch wie so vieles, ist auch dies einfach eine Sache der Übung.

Abschließende Worte

Als ich das erste Mal unter einer Tageslichtlampe gemalt habe, war dies für mich im wahrsten Sinne des Wortes ein Augenöffner. Das Malen fiel mir plötzlich viel leichter. Ziel dieses Artikels sollte es deshalb sein, vor allem Einsteigern ins Hobby einen nützlichen Hinweis zu geben. Es lohnt sich meiner Meinung nach wirklich, den einen oder anderen Gedanken in eine sinnvolle Beleuchtung zu investieren – zumal man dann auf Dauer davon profitiert, ohne immer wieder über das Thema Beleuchtung nachdenken zu müssen.

Falls du selbst noch den einen oder anderen Hinweis zum Thema Beleuchtung oder auch eine konkrete Empfehlung für eine bestimmte Lampe hast, würde ich mich über einen Kommentar dazu sehr freuen.

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