Pinsel

Neben Farbe und Licht sind unsere Pinsel sicherlich unsere wichtigsten Arbeitsmaterialien. Es ist deswegen wenig verunderlich, dass vor allem Anfänger in unserem Hobby die Frage nach „dem besten Pinsel“ stellen. So nachvollziehbar die Frage auch ist, so schwierig lässt sie sich mit absoluter Verbindlichkeit beantworten.

Änlich der Frage: „Was ist das beste Auto?“, kann die Antwort individuell sehr unterschiedlich ausfallen und erfordert Gegenfragen: „Wozu benötigst du das Auto?“ „Wie viel wirst du damit fahren?“ „Wie viel bist du bereit auszugeben?“ „Wie wichtig ist dir der Umweltschutz?“ Und auch, wenn man diese Fragen beantwortet hat, ist es letztendlich dann doch oftmals eher der Geschmack, der entscheidet.

Im Folgenden werde ich zwar auch einige Empfehlungen bezüglich Pinsel aussprechen, doch vor allem möchte ich dir mit diesem Artikel etwas Überblickswissen über eines unserer wichtigsten Werkzeuge verschaffen. Solltest du Anfänger sein, helfen dir diese Informationen hoffentlich dabei, den richtigen Pinsel für dich zu finden. Solltest du schon länger dabei sein, findest du vielleicht trotzdem noch die eine oder andere interessante Information für dich. Möglicherweise wirst du aber auch an der einen oder anderen Stelle etwas anders sehen als ich. Ich bemühe mich in meinen Artikeln in der Regel um Objektivität und versuche meine eigene Meinung immer als solche kenntlich zu machen. Ob mir dies in diesem Artikel immer zu 100% gelungen ist, kann ich nicht garantieren, da die Wahl des richtigen Pinsels eben oftmals einfach Geschmackssache ist.

Es wird in diesem Artikel nicht ausbleiben, dass ich in Einzelfällen auch Dinge wiederhole, die ich bereits im Zusammenhang mit der Pinselpflege oder in anderen Artikeln beschrieben habe. Ich versuche jedoch diese Wiederholungen auf ein Minimum zu begrenzen und gehe somit in diesem Artikel nicht noch einmal ausführlich auf das Thema Pinselpflege- und Reinigung ein.

Wie ist ein Künstlerpinsel aufgebaut?

Die Pinsel, mit denen wir arbeiten, nennt man gemeinhin „Künstlerpinsel“. Man grenzt sie mit diesem Begriff von Pinseln ab, die vor allem im Handwerk, aber auch z.B. bei der Körperpflege (Schminkpinsel, Rasierpinsel…) Verwendung finden. Ja, als Miniaturenbemaler betreiben wir Kunst! 🙂 Allerdings gibt es auch Künstlerpinsel in unterschiedlichsten Formen – die allermeisen sind für unser Hobby ungeeignet, da wir naturgemäß für die meisten Arbeiten sehr feine Pinsel mit einer klar dafinierten Spitze benötigen.

Von außen betrachtete bestehen unsere Pinsel aus drei Elementen:

Als erstes wäre da der Stiel zu nennen, also der Teil, der wie ein Stift in unserer Hand liegt. In der Regel bestehen unsere Pinsel aus lackiertem Holz und sind rund, doch natürlich findet man auch Beispiele für andere Materialien und Formen.

Auf der anderen Seite des Pinsel befindet sich der Besatz. Dieser besteht entweder aus Haaren oder Borsten. Letztere sind letztendlich nichts anderes als besonders steife Haare mit einer gespaltenen Spitze. Für unser Hobby spielen sie allerdings kaum eine Rolle. Gelegentlich werden sie für das Trockenbürsten genutzt, allerdings empfehle ich hierzu eine andere Art von Pinsel (siehe unten).

Stiel und Besatz werden durch einen Metallbeschlag verbunden. In unserem Fall handelt es sich dabei normalerweise um eine sogenannte Zwinge. Diese schützt die Verklebestelle zwischen den anderen beiden Elementen und hält die Haare grob in Form.

Wodurch unterscheiden sich unsere Pinsel bzw. worauf kann ich achten?

Weiter unten spreche ich von einem „perfekten“ Pinsel. Diese Formulierung ist natürlich eine sprachliche Behelfskonstruktion, da „perfekt“ in unserem Hobby für unterschiedliche Maler etwas Unterschiedliches bedeuten kann.

Als Anfänger ist es deswegen durchaus empfehlenswert ein wenig herumzuprobieren und mit unterschiedlichen Pinseln zu malen, um herauszufinden, welcher Pinsel für einen selbst ideal ist.

In dem Artikel über Farben schrieb ich bereits, dass ich immer einmal wieder auch Farben aus Sortimenten online mitbestelle, die ich noch nicht kenne – ganz einfach um sie einmal auszuprobieren. Genau das gleiche mache ich auch mit den Pinseln. Um bei der Auto Metapher vom Anfang zu bleiben: Wenn ich immer nur VW fahre, kann ich nicht wissen, ob mir eigentlich ein Toyota mehr zusagt. Wie beim Autofahren muss man sich dafür jedoch zumindest für einen Moment aus seiner Komfortzone herauswagen. Ja, der neue Pinsel mag anders geformt sein und sich anders verhalten als das altbekannte Modell. Doch vielleicht stellt man nach den ersten Umgewöhnungsschwierigkeiten fest, dass er viel besser zum eigenen Bemalstil passt.

Doch worauf sollte man achten, wenn man Pinsel miteinander vergleicht? Im Folgenden nenne ich einige Eigenschaften bzw. Merkmale, in denen sich unsere Hobbypinsel durchaus unterscheiden können.

Die ersten von von mir aufgezählten Punkte sind eher äußerer Natur und somit entweder schnell auf den ersten Blick (oder Griff) zu erkennen oder aber sie werden zumindest klar vom Hersteller angegeben. Die letzten drei Eigenschaften sind genau genommen die Konsequenzen aus einigen der erstgenannten Punkte (so beeinflusst das Besatzmaterial beispielsweise die Wasseraufnahmefähigkeit des Pinsels).

Die genannten Merkmale eines Pinsels lassen sich nicht einfach auf einer „gut“ bis „schlecht“ Skala einteilen. Ich glaube aber, dass es hilfreich ist, wenn man weiß, worauf man achten kann und worauf man bei seinen eigenen Pinseln Wert legt.

Pinselgröße bzw. Länge und Breite der Haare

Eine der am häufigsten genannten, aber vielleicht auch verwirrensten Eigenschaften eines Pinsels ist die „Größenbezeichnung“. Viele Pinselhersteller beschriften ihre Pinsel mit Größen wie „3“, „2“, „1“ oder „0“. Je höher die Zahl, desto breiter (und in der Regel auch länger) ist der Besatz – je niederiger, desto schmaler ist er. Angaben kleiner als Null werden dann als mehrfach Null bezeichnet, und z.B. als „000“ oder „3/0“ dargestellt.

Diese Größeneinteilungen haben für uns Nutzer jedoch leider einen entscheidenden Haken: Sie sind nicht genormt und nur innerhalb einer Serie eines Herstellers wirklich verlässlich. Ein da Vinci (Serie 1526Y) (*) Größe 3 ist also definitiv größer als ein eine Größe 2 aus der gleichen Serie. Er hat aber nicht die gleichen Maße wie ein Winsor & Newton (Series 7) (*) Größe 3.

Einige Hersteller verwenden außerdem auch völlig andere Bezeichnungen. So beschriftet Army Painter (*) beispielsweise seine Produkte mit einer groben Funktionangabe wie „Hobby: Small Detail“. Games Workshop (*) wiederum kombiniert Größen- mit Funktionsangaben (z.B. „M, Shade).

Obwohl Größenangaben markenübergreifend nicht absolut verlässlich sind, stellen sie doch zumindest eine grobe Richtschnur dar. Doch welche Größe ist nun für das Bemalen von Miniaturen besonders gut geeignet? Wenn du Anfänger im Hobby bist, dann lautet die Antwort vermutlich: „Größer als du denkst!“ Vor allem zu Beginn ihrer Hobbykarriere verwenden viele Maler zu kleine Pinsel. Ich selbst nehme mich da keinesfalls aus. Die zugrundeliegende Überlegung ist ja auch leicht nachvollziebar: Wir bemalen kleine Figuren mit kleinsten Details und dafür benötigt man nun einmal auch einen kleinen Pinsel.

Doch leider tut man sich mit der Wahl von 0, 00 oder noch kleineren Pinseln in der Regel keinen großen Gefallen. Ein Pinsel mit kleinem Besatz verursacht viel mehr sichtbare Pinselstriche als ein „großer“ Pinsel. Zum einen liegt dies daran, dass man ja auch tatsächlich mehr Pinselstriche benötigt, weil man mit einem sehr kleinen Werkzeug arbeitet. Noch viel problematischer ist aber, dass ein „kleiner“ Pinsel nur wenig Feuchtigkeit fasst und die Farbe sehr schnell an ihm antrocknet. Angetrocknete Farbe wiederum lässt sich nicht sauber auftragen.

Ich selbst verwende für die meisten Aufgaben den bereits oben im Beispiel erwähnten da Vinci (Serie 1526Y) (*) in den Größen 3 bis 1. Die meiste Zeit nutze ich dabei tatsächlich die Größe 3. Kleinere Pinsel als 1 kommen bei mir mittlerweile gar nicht mehr zum Einsatz. Man sollte nicht vergessen, dass für die Exaktheit, mit der man malen kann, nicht die Breite (bzw. „Schmalheit“) des Besatzes, sondern die Feinheit dessen Spitze verantwortlich ist.

Spitze

1. von links: Katzenzungenpinsel; 2. von links: Schrägpinsel; 2. von rechts: Fächerpinsel; 1. von rechts: Rundpinsel

Im Bereich der Künstlerpinsel gibt es eine ganze Reihe unterschiedlicher Möglichkeiten, wie der Besatz angeordnet sein kann: flach (wie beim Borstenpinsel aus dem Schultuschkasten), fächerartig, katzenzungenförmig usw. Obwohl es in Ausnahmen auch sinnvoll sein kann, andere Pinselformen zur Hand zu haben, benötigen wir für fast alle anstehenden Bemalarbeiten einen Pinsel mit einer runden und fein zulaufenden Spitze.

Zumindest beim Kauf sollte die Spitze so fein möglich sein. Im Laufe eines Pinsellebens verändert sich diese Eigenschaft ohnehin, da sich der Besatz unweigerlich abnutzt.

Das Vorhandensein einer superfeinen Spitze ist selten von Nachteil, allerdings lassen sich viele Bemalaufgaben auch mit einem schon leicht abgenutzten Pinsel erledigen (siehe dazu weiter unten). Gelegentlich ist eine etwas breitere Spitze sogar von Vorteil (beispielsweise beim wet blending).

Material der Haare

Der Besatz eines Pinsels kann entweder aus Echt- bzw. Naturhaar oder aus Kunst- bzw. Synthetikhaar bestehen (oder auch aus einer Mischung).

Kunsthaar besteht aus Kunstfasern bzw. einer Kunstfasermischung – das genaue Material kann sich dabei durchaus unterscheiden.

Für Echthaarpinsel kommen Tierhaare zum Einsatz. Je nach Einsatzbereich eines Pinsels kommen dafür alle möglichen Tiere in Frage (von Eichhörnchen bis Pony). In den Pinseln, die wir nutzen, werden jedoch in erster Linie Marderhaare verwendet. Die Pinselhersteller hochwertiger Pinsel setzen oftmals Bezeichnungen wie „Kolinski“ oder „Rotmarder“ ein. Oft liest man auch Konstruktionen wie „Kolinski-Rotmarder“ oder „Harbin-Kolinski“. Gemeint ist in diesen Fällen eigentlich das Schweifhaar des Feuerwiesels bzw. des Sibirschen Wiesels (siehe Wikipedia: mustela sibirica). Auch Zobelhaar (martes zibellina) kommt zum Einsatz.

Meiner Erfahrung nach ist die Farb- und Wasseraufnahmefähigkeit von Echthaarpinseln besser als die von ihren Gegenstücken aus Kunsthaar. Wenn man sich ein echtes Haar unter einem Mikroskop ansieht, bemerkt man eine schuppige Struktur. Ich nehme an, dass diese dazu beiträgt, dass Flüssigkeit besser aufgenommen und gehalten werden kann. Um ehrlich zu sein, war ich nicht in der Lage, eine mikroskopische Aufnahme eines Kunsthaares zu finden, doch der Verdacht liegt nahe, dass diese eine deutlich glattere Oberfläche aufweisen.

Darüber hinaus halten Echthaarpinsel meiner Meinung nach besser die Form bzw. lassen sich leichter wieder in Form bringen. Kunsthaar nutzt schneller ab und tendiert dazu, an den Spitzen zu verbiegen. Gelegentlich bilden einzelne Haare nach dem Gebrauch auch Haken oder Kringel.

Ich persönliche empfinde auch die Spannkraft von Naturhaarpinseln als angenehmer. Das ist allerdings ein rein subjektives Empfinden und hier werden mir sicherlich einige andere Hobbyisten widersprechen.

Andererseits sind Kunsthaarpinsel in der Regel deutlich günstiger und dazu auch pflegeleicht. Während man einen Echthaarpinsel regelmäßig durch z.B. den Einsatz von Pinselseife (*) nachfetten sollte, muss man Synthetikpinsel lediglich mit Wasser auswaschen.

Außerdem sind Kunsthaarpinsel beim Malen mit Ölfarben klar im Vorteil. Da die Pinsel mit lösemittelhaltigen Flüssigkeiten wie Terpentinersatz gereinigt werden müssen, trocknen Echthaarpinsel bei dieser Anwendung sehr schnell aus und verschleißen. Kunsthaarpinsel halten diese Behandlung problemlos aus.

Trotz der beiden zuletzten genannten Punkte, sollten deutlich geworden sein, dass ich eine großer Freund von Echthaarpinseln bin. Ich gehöre damit wohl auch der überwältigenden Mehrheit der Hobbyisten an.

Dennoch gibt es natürlich auch Maler, die sich ganz bewusst für Synthetikpinsel entscheiden. Oftmals treffen sie diese Entscheidung jedoch nicht aufgrund der Eigenschaften der Pinsel, sondern mit Blick auf den Tierschutz. Man sollte sich darüber im Klaren sein, dass die verwendeten Haare von Tieren stammen, die aufgrund ihres Pelzes von Menschen getötet werden. Im günstigsten Fall werden diese Tiere in freier Wildbahn von lizensierten Jägern geschossen. Die Schweife werden dann als eine Art „Nebenprodukt“ an die Pinselhersteller verkauft. Im deutlich ungünstigeren Fall stammen die Haare für unsere Pinsel von Pelztierfarmen.

Große Pinselhersteller von Qualitätspinseln, wie beispielsweise Winsor & Newton geben an, dass ihre Tierhaare nicht aus Pelztierfarmen stammen (siehe dazu auch hier). Wir als Endverbraucher können uns dabei nur auf ihr Wort verlassen. Man muss aber wohl davon ausgehen, dass bei besonders günstigen Pinseln die Wahrscheinlichkeit noch höher ist, dass das Tierwohl beim Haarbeschaffungsprozess von geringer Bedeutung war.

Stielform

Das Pinsel unterschiedlich geformt sein können, sieht man auf den ersten Blick. Mit welcher konkreten Form man allerdings gerne arbeitet, muss man schlichtweg selbst ausprobieren.

Die meisten gängigen Hobbypinsel unterscheiden sich allerdings in dieser Hinsicht nicht gravierend. In der Regel ist der Griff rund und deutlich dünner als beispielsweise ein Kugelschreiber. Oftmals – aber nicht immer – befindet sich die dickste Stelle des Stiels wenige Zentimeter hinter der Zwinge.

Natürliche gibt es aber auch andere Griffformen, wie beispielsweise die dreieckigen Pinsel von Army Painter (*).

Farb- und Wasseraufnahmefähigkeit

Für eigentlich alle Maleinsätze in unserem Hobby (außer Trockenbürsten) ist es von Vorteil, wenn der Pinsel möglichst viel Flüssigkeit aufnehmen kann. Damit ist jedoch nicht irgendeine Form der Tropfenbildung um die Pinselspitze herum gemeint (diesen Effekt kann man mit jedem Pinsel erzeugen). Nur die Flüssigkeit, die vom Besatz förmlich aufgesogen wird ist für unsere Zwecke von Bedeutung. Denn nur diese kann anschließend beim Malen wieder gleichmäßig abgegeben werden.

Viel Flüssigeit in der Pinselspitze führt dazu, dass die Farbe weniger schnell antrocknet und somit der Verarbeitungszeitraum der Farbe auf dem Pinsel länger wird. Dies erlaubt dem Maler z.B. möglichst lange Linien zu ziehen, ohne absetzen zu müssen.

Sowohl die Form des Besatzes als auch dessen Material wirken sich auf die Farb- bzw. Wasseraufnahmefähigkeit aus. Naturhaarpinsel mit bauchigem Haarkörper sind diesbezüglich eine gute Wahl.

Härte, Elastizität und Rückstellkraft

Ich vermeide an dieser Stelle unnötige physikalische Begriffsdefinitionen zu „Härte“, „Elastizität“ und „Rückstellkraft“. Letztendlich meine ich mit diesem Punkt all die eher haptischen Eigenschaften, die man nur bemerkt, wenn man den Pinsel auch wirklich verwendet. Wie viel Widerstand weisen die Haare auf, wenn sie auf die Miniatur treffen? Halten sie die Spannung oder legen sie sich um die Miniatur? Wie schnell federn die Haare wieder zurück in ihre Ausgangsposition?

Innerhalb eines vernünftigen Rahmens (brettbarte Borsten sind genauso wenig hilfreich wie völlig haltlose Haare) sind diese Punkte natürlich sehr subjektiv. Sie sind die Hauptgründe, warum es eben nicht den „perfekten“ Pinsel gibt.

Vor allem das Material der Haare, aber auch die Länge und Breite des Besatzes, wirkt sich auf diese Punkte aus.

Formbeständigkeit und Robustheit

„Formbeständigkeit und Robustheit“ sind für die Lebensdauer eines Pinsels verantwortlich. Was nützt der schönste Pinsel, wenn er nur wenige Malsessions durchhält und man sich bald wieder einen neuen kaufen muss. Ein guter Pinsel sollte also „robust“ sein – d.h. seine Haare sollten möglichst lange intakt bleiben und nicht brechen. Gleichzeitig sollte vor allem seine Spitze die Form halten können und nicht etwa irgendwann verbiegen (ein Problem, das eher bei Kunsthaarpinseln auftritt).

Diese beiden Punkte sind es auch, die dafür verantwortlich sind, dass „teure“ Pinsel eigentlich gar nicht so teuer sind, wie sie zunächst scheinen. Qualitätspinsel haben zwar ihren Preis, doch halte sie bei guter Pflege auch recht lang, sodass auch (langfristig denkende) Sparfüchse über die Anschaffung eines teureren Pinsels nachdenken sollten.

Wie viele unterschiedliche Pinsel benötige ich?

Wenn man etwas länger im Hobby ist, wird man mit der Zeit vermutlich eine beachtliche Sammlung an Pinseln zusammentragen. Ich selbst schmeiße eigentlich nie einen Pinsel weg, da ich auch für ältere Pinsel noch Verwendung habe.

Im Wesentlichen lassen sich die Pinsel, die ich benutze, in vier Kategorien unterteilen. Diese nachfolgende Einteilung ist natürlich subjektiv und entspricht meiner Vorgehensweise. Ich weiß, dass auch andere Maler genauso bzw. zumindest ähnlich vorgehen, aber es handelt sich hierbei natürlich nur um einen Vorschlag bzw. eine grobe Richtschnur.

unten: ein neuer, fast „perfekter“ Pinsel; mittig: „Arbeitstier“ mit schon abgenutzter Pinselspitze; oben: ein „ausgedienter Pinsel“ mit zerstörte Pinselspitze

Der „perfekte“ Pinsel

„Perfekt“ ist natürlich ein großes Wort und ich meine damit eigentlich eher etwas wie „mein aktuell bester Pinsel, den ich immer dann verwende, wenn ich sehr genau arbeiten möchte“.

Vieles von dem, was ich weiter oben zum Thema „Eigenschaften“ geschrieben habe, bezieht sich in erster Linie auf diese Kategorie. Für diesen Pinsel ist eine feine Spitze unerlässlich und ich achte darauf, dass ich ihn nach jeder Malsession auch wieder ordentlich reinige.

Genau genommen habe ich normalerweise mindestens zwei Pinsel in unterschiedlichen Größen in dieser Kategorie. In meinem konkreten Fall ist das (wie bereits erwähnt) derzeit zumeist ein da Vinci (Serie 1526Y) (*) der Größen 3 und 2 (oder auch 1).

Um die Spitze dieses Pinsels zu schonen und möglichst lange im möglichst perfekten Zustand zu halten, greife ich nur auf meinen „perfekten“ Pinsel zurück, wenn sein Einsatz erforderlich ist. Im Übrigen versuche ich es zu vermeiden, mit diesen Pinsel Metallicfarben einzusetzen – die Metallicpartikel sind recht scharfkantig und nutzen die Pinselspitze schnell ab.

Egal wie sehr man sich jedoch bemüht, früher oder später verlieren unsere Arbeitsmittel ihre perfekte Spitze. Aus diesem Grund wechseln meine Pinsel in der Regel innerhalb von 6 bis 12 Monaten in die nächste Kategorie.

Das Arbeitstier

Wenn die Spitze des Pinsels schon etwas gelitten hat und nicht mehr für sauberstes Arbeiten geeignet ist, ist sie in der Regel aber noch immer gut genug für die meisten anderen anfallenden Aufgaben.

Mit den Pinseln der Kategorie „Arbeitstier“ erledige ich einen großen Teil meiner Malarbeit auf einer Miniatur. Ich trage damit auf den meisten Bereichen die Grundfarbe auf (abgesehen von den Details), ich nutze sie zum Washen der Miniaturen und ich setze sie auch für Metallicfarben ein.

Die meisten Pinsel dieser Kategorie sind, wie schon geschrieben, Veteranen aus der „perfekter Pinsel“ Kategorie. Allerdings habe ich auch schon Pinsel extra für spezielle Aufgaben angeschafft. So habe ich mir beispielsweise zum Washen größerer Flächen einen vergleichsweise kostengünstigen Pinsel mit bauchigem Besatz gekauft. Und für das Aufbringen von Öl-Washes besitze ich ein paar Pinsel mit Synthetikhaaren.

Der ausgediente Pinsel

Wenn bereits ein Teil seiner Haare abgebrochen ist und man nicht mehr wirklich von einer „Spitze“ sprechen kann, nutze ich meine Pinsel nicht mehr für das eigentliche Malen. Dennoch habe ich für sie noch Verwendung: das Anmischen von Farbe oder auch das Auftragen von trockenen Pigmenten oder gar Holzleim sind Aufgabenbereiche, wo sie zur Anwendung kommen.

Diese Aufgaben sind eher groberer Natur und können unsere besseren Pinsel vergleichsweise schnell beschädigen. Wie bereits beim Artikel zur Pinselpflege geschrieben, schont dieses Vorgehen also alle anderen Pinsel und erhöht wiederum deren Lebensdauer.

Der Trockenbürstpinsel

Eine gewisse Sonderrolle nehmen die Pinsel ein, die ich zum Trockenbürsten nutze. Diese Technik erfordert eine andere Form des Besatzes – so ist beispielsweise eine feine Spitze hier völlig unbrauchbar. Genaueres habe ich dazu im entsprechenden Artikel geschrieben.

Ich selbst nutze hierzu mittlerweile eigentlich ausschließlich kostengünstige Schminkpinsel (*).

Welche Marken sind empfehlenswert?

Wenn man mit Hobbyisten über ihr bevorzugten Pinselmarken spricht, hört man immer wieder die Namen einiger bestimmter Firmen, deren Produkte sich in unserem Hobby bewährt haben.

Ich möchte nachfolgend keine umfangreiche Rezension zu allen möglichen Pinselmarken liefern. Das würde den Rahmen dieses Artikels (und mein Budget) sprengen. Vielmehr möchte ich zumindest einige relativ bekannte Marken beispielhaft aufzählen, sodass zumindest ein Anfänger erst einmal ein paar nützliche Anhaltspunkte hat. Ich beschränke mich dabei auf Produkte, die man vergleichsweise gut in Deutschland erhalten kann und die dauerhaft aufgelegt werden (also keine Kickstarter Projekte).

Da Vinci

Unter den Pinseln der deutschen Firma da Vinci eignen sich vor allem zwei Serien besonders für unser Hobby: Serie 1526Y (*) und Maestro Serie 10 (*). Die Maestro Pinsel gelten dabei als noch etwas hochwertiger als die etwas günstigeren 1526Y. Ich selbst komme aber mit letzteren auch sehr gut zurecht und bevorzuge sie sogar gegenüber der Maestro Serie aufgrund der etwas längeren Haare. Das Preis-Leistungsverhältnis empfinde ich hier als sehr gut.

Games Workshop

Die Pinsel von Games Workshop (*) sind den meisten Hobbyisten bekannt, die über Tabletop-Spiele an das Bemalen von Miniaturen gekommen sind.

Grundsätzlich muss man bei Games Workshops Pinselsortiment zwischen den normalen „Layer“ und den „Artificer Layer“ Pinseln unterscheiden. Letztere empfinde ich als durchaus gute, wenn auch sehr teure, Pinsel (auch wenn sie für meinen Geschmack bauchiger sein könnten). Die „Layer“ Pinsel hingegen sind deutlich günstiger und für „Arbeitstier„-Aufgaben in Ordnung. Für Detailarbeit sind die Spitzen jedoch nicht fein genug.

Raphael

Die Serie 8404 – der französischen Firma Raphael (*) beinhaltet die einzigen Produkte in dieser Liste, die ich bisher noch nicht selbst getestet habe. Beim Schreiben dieses Artikels habe ich mich wiederholt gefragt, warum das so ist, da diese Pinsel einen sehr guten Ruf genießen.

Vor allem die Wasser- und Farbaufnahmefähigkeit und die feine Spitze dieser Pinsel wird gemeinhin gelobt. Bei meiner nächsten online Bestellung werde wird sich mit Sicherheit ein Raphael mit im Warenkorb befinden, sodass ich hier demnächst auch meine eigenene Erfahrungen nachtragen kann.

Winsor & Newton

Auch die Series 7 der britischen Firma Winsor & Newton (*) genießt einen sehr guten Ruf unter Miniaturenbemalern. Zwar sind diese Pinsel vergleichsweise teuer, doch weisen sie eigentlich alle Eigenschaften auf, die man von einem guten Pinsel für unser Hobby erwarten kann.

Man sollte allerdings beim Kauf unbedingt darauf achten, dass man die „normale“ Series 7 und nicht etwa die „Series 7 Miniature“ erwirbt. Es liegt zwar nahe, dass der Zusatz „Miniature“ darauf hinweisen könnte, dass diese Pinsel besonders geeignet sind, um damit Miniaturen zu bemalen. Doch sollten wir nicht vergessen, dass wir uns mit unserem Hobby eher in einer künstlerischen Nische bewegen. Für Maler im klassischen Sinne sind „Miniaturen“ sehr kleine Gemälde und genau das ist der Anwendungsbereich für den die „Series 7 Miniature“ gedacht ist. Für unser Hobby ist der Besatz dieser Serie zu kurz.

Welche Pinsel sind für Einsteiger geeignet?

Unabhängig von all dem, was ich bisher geschrieben habe, möchte ich absoluten Neulingen in unserem Hobby empfehlen, nicht gleich mit den teuersten Pinseln zu beginnen.

Um die Auto-Metapher vom Anfang noch einmal aufzugreifen: Genauso wenig, wie ich einem Fahranfänger einen Hochleistungssportwagen als Einstiegsauto empfehlen würde, würde ich einem Anfänger einen extrem teuren Profipinsel empfehlen. Zwar setzt man als Einsteiger mit einem teuren Pinsel nicht gerade sein Leben aufs Spiel (nein, so schlimm ist es dann doch nicht 😉 ), doch ist die Wahrscheinlichkeit, dass man als Anfänger typische Anfängerfehler macht nun einmal sehr groß. Es ist sehr wahrscheinlich, dass dein erster Pinsel keine sehr lange Lebenserwartung hat und da wäre es schade, wenn man vorher viel Geld dafür ausgegeben hätte.

Die Sets von Army Painter (*) sind für den Anfang in Ordnung und nicht teuer (billiger als ein GW Artificer Layer oder ein Winsor & Newton). Alternativ kann man natürlich auch mit da Vincis Serie 1526 (*) gleich in der Mittelklasse starten – diese werden online teils auch sehr günstig angeboten.

Andererseits würde ich nach den ersten Malerfahrungen auch nicht zu lange mit der Anschaffung eines „guten“ Pinsels warten. Nachdem man seine ersten 2-3 Pinsel „geschrottet“ hat, weiß man eigentlich, worauf man achten muss. (Lies dir dazu auch gerne noch mal meinen Artikel zur Pinselpflege durch.)

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