Modelle lackieren (varnishing)

Als ich mich nach einigen Jahren Hobbypause endlich mal wieder meine Malsachen herauskramte, machte ich zwischen einzelnen Malsessions teilweise mehrwöchige Pausen. (Ich hatte mich so langsam in meinen Beruf eingearbeitet und musste erst einmal wiederentdecken, wie es ist, mehr Freizeit zu haben.) Aus diesem Grund benötigte ich auch mehrere Monate (ich glaube, es war fast ein halbes Jahr), um meine erste „neue“ Warhammer 40.000 Einheit fertigzustellen. Es war zwar nur eine Einheit von 10 Grots, aber ich war trotzdem stolz, sie fertigbekommen zu haben und auch ansonsten zufrieden mit meinem Ergebnis.

Um meine Arbeit auch zu schützen, besprühte ich die Figuren alle mit Mattlack und stellte sie erst einmal zur Seite. Ich war wirklich bestürzt, als ich sie dann einen Tag später näher betrachtete und feststellte, dass die Figuren alle mit einem Grauschleier überzogen waren. Heute weiß ich, dass man diesen Effekt auch frosting nennt. Meine Arbeit hatte dabei wirklich Schaden genommen und viele Farben waren kaum noch zu unterscheiden. Es hätte nicht viel gefehlt und ich hätte meine Malsachen wieder auf unbestimmte Zeit in den Schrank gestellt (und dann auch sicher nicht ein paar Jahre später damit begonnen, diesen Blog hier aufzubauen). Zum Glück tendiere ich zur Sturheit und habe weitergemacht. 🙂

In diesem Artikel möchte ich mich einmal ausführlich mit dem Lackieren (varnishing) unserer Modelle beschäftigen. Wenn du also wissen möchtest, welche grundsätzlichen Vorgehensweisen es gibt, worin sich unterschiedliche Lacke unterscheiden und natürlich auch, wie man das gefürchtete frosting vermeidet, dann wirst du hier fündig. Bezüglich des letzten Punktes möchte ich kurz vorgreifen: Seitdem ich weiß, worauf ich achten muss, ist mir das oben Beschriebene nicht mehr passiert. Für varnishing gibt es einige gute Gründe und solange man ein paar Punkte beachtet, muss man sich davor wirklich nicht „fürchten“.

Solltest du dich weniger für das „Warum?“ und viel mehr für das „Wie?“ interessieren, kannst du auch die ersten Abschnitte dieses Artikels überspringen und direkt hier im Praxisteil einsteigen. Am Ende des Artikels fasse ich auch noch einmal zusammen, welche konkreten Produkte ich selbst verwende. Das, was ich dort beschreibe, funktioniert für MICH sehr gut. Dieser Text stellt natürlich nur ein Angebot dar, in dem ich versuche, das Thema „Lackieren“ (bezogen auf unser Hobby) möglichst umfangreich abzudecken. Ich glaube auch, dass diese Informationen helfen, eine sinnvolle Verfahrens bzw. Produktauswahl für das eigene Projekt zu treffen. Allerdings kann ich auch absolut nachvollziehen, wenn jemand einfach nur auf der Suche nach einer funktionierenden Methode ist, ohne viele Erklärungen lesen zu wollen, und deswegen die ersten Abschnitte überspringt.

Kurze Begriffsbestimmung

Wenn im Folgenden vom „Lackieren“ die Rede ist, ist damit das Versehen eines Modells mit einer farblosen, transparenten Schicht gemeint. Dieser Begriff unterscheidet sich im Kontext unseres Hobbys also etwas von der allgemeineren Verwendung in anderen Situationen. Selbstverständlich gibt es auch farbige Lacke, doch sie diese nun mal normalerweise nicht gemeint, wenn ein Miniaturenbemaler vom „Lackieren“ spricht.

Im Englischen würde man im Übrigen von varnishing sprechen. Das Englische ist hier sprachlich eindeutiger, da ein varnish immer transparent ist. Vermutlich verwenden deswegen auch viele Hobbyisten gerne die eingedeutschte Form und sprechen vom „Varnishen/ Varnischen“ ihrer Modelle.

Worin unterscheiden sich die unterschiedlichen Lacke?

Lack ist natürlich nicht gleich Lack. Zum einen gibt es da die recht wichtige Unterschiede in puncto Finish. Darüber hinaus wirkt sich natürlich die Zusammensetzung des jeweiligen Produktes auf dessen Eigenschaften aus bzw. bestimmen diese maßgeblich. Ein weiterer Unterschied besteht darin, wie die Lacke aufgetragen werden können/ sollten – also via Pinsel, Airbrush oder Spraydose. Natürlich bedingen sich diese Unterschiede auch gegenseitig. Meine Einteilung hat eher etwas damit zu tun, warauf man achten kann, wenn man Lacke für sein Hobby auswählt.

Die Zusammensetzung

Eine genaue Aufschlüsselung der Zusammensetzung aller Lacke ist nicht möglich, da die Hersteller diese verständlicherweise im Detail nicht verraten. Ganz generell wird jedoch zwischen wasserlöslichen Acryllacken und lösemittelhaltigen Kunstharzlacken unterscheiden. (Völlig schlüssig erscheint mir als chemischem Laien diese Unterscheidung nicht, da das Bindemittel in den Acrylfarben ja auch aus Kunstharzteilchen besteht. Siehe dazu u.a. Wikipedia.) Dabei sollte ich wohl anmerken, dass ich mit dem Begriff „Lack“ hier sehr liberal umgehe. Die korrekte Bezeichnung für „wasserlösliche Acryllacke“ müsste eigentlich „wasserfest trocknende, wasserverdünnbare Farben“ lauten. Da jedoch der Begriff „wasserlöslicher Acryllack“ recht gängig ist und ich ja auch immer wieder vom „lackieren“ sprechen werde, verwende ich diese Bezeichnhng hier und im Folgenden.

Wasserlösliche Acryllacke trocknen schneller durch, gelten generell als umweltverträglicher und riechen auch deutlich weniger unangenehm als ihre lösemittelhaltigen Gegenstücke. Allerdings sind sie auch weniger stoßfest und lösen sich durch Scheuern auch schneller wieder ab als Kunstharzlacke.

Die hier vorgestellte Zweiteilung vereinfacht die Lage auf dem Markt allerdings. So gibt es durchaus auch Acryllacke, die auf (organischen) Lösemittel basieren bzw. eine Reihe von wasserbasierten Acryllacken enthalten auch etwas Lösemittel. Zudem besteht auch auf Seiten der Hersteller der Kunstharzlacke ein Interesse daran, ihre Produkte weiterzuentwickeln und weniger schädliche Lösemittel einzusetzen – nicht zuletzt, um sich der sich ändernden (bzw. verschärfenden) europäischen Gesetzgebung anzupassen.

Darüber hinaus beinhalten einige Lacke auch Polyurethan. Dieser Kunststoff bzw. dieses Kunstharz (siehe auch Wikipedia) verleiht den Lacken eine höhere Wiederstandskraft als den (reinen) Acryllacken. Zudem behalten sie eine gewisse Flexibilität bei. Diese Polyurethan-Lacke gelten dabei als ähnlich umweltverträglich wie die Acryllacke.

Ich möchte an dieser Stelle anmerken, dass die von mir hier getroffenen Aussagen grundsätzlicher Natur sind und sich nicht explizit nur auf unsere Hobbyfarben beziehen. Es ist wirklich nicht einfach an verlässliche Quellen zu kommen, die explizit und produzentenübergreifend auf die Inhaltsstoffe unserer Hobbyfarben eingehen. Allerdings kann man – etwas lapidar formuliert – wohl schon davon ausgehen, dass das, was für große Farbdosen gilt, wohl auch für kleine Farbtöpfchen stimmt. Zudem ist der Rückgriff auf Baumarktprodukte im Falle von Lacken durchaus eine Option, die es zu erwägen gilt. (Weiteres dazu folgt ganz am Ende.)

Das Finish

Das Finish, mit dem ein Lack trocknet, ist vermutlich die Eigenschaft, die den Hobbyisten am meisten Kopfzerbrechen verursacht. Die hier vorgestellte Dreiteilung ist durchaus gängig und bei vielen Herstellern so zu finden. Man sollte sich aber bewusst sein, dass es hier keine Standardnorm gibt und das Finish unterschiedlicher Hersteller durchaus sehr deutlich von einander abweichen kann. (Und das wiederum erschwert uns Hobbyisten die Vergleichbarkeit.) Unter Umständen kann zum Beispiel das Seidenmatt des einen Herstellers fast genauso matt (oder matter) ausfallen, als der „reine“ Mattlack eines anderen Herstellers.

Glanzlack (gloss)

Truhen von Games Workshop: links Mattlack, rechts Glanzlack (beiden Vallejo Premium Varnish)

Glanzlack trocknet mit einem glänzenden Finish, d.h. Licht wird recht stark von seiner Oberfläche reflektiert. Der gravierende Unterschied zwischen Glanzlack (rechts) und Mattlack (links) ist auf dem Foto oben gut zu erkennen. (Beide Truhen sind gleich bemalt worden. Dennoch sind feinere Unterschiede, z.B. bei den Highlights, dabei natürlich nicht zu vermeiden.)

Mattlack (matt)

Mattlack wiederum trocknet – wenig überraschend – mit einem matten Finish. Ich zitiere mich an dieser Stelle ausnahmsweise einmal selbst (siehe dazu auch den Artikel über die Zusammensetzung von Acrylfarben):

„Wenn Licht auf eine glatte Oberfläche trifft, wird es im gleichen Winkel zurückgeworfen, wies es auf sie auftrifft – je gerichteter das Licht dabei reflektiert wird, desto mehr Glanz nehmen wird war. Mattmedium [Anmerkung: also auch Mattlack] beinhaltet mikroskopisch kleine Teilchen, die beim Trocknen zu ebenso kleinen Unebenheiten auf der Oberfläche führen. Fällt Licht auf eine solche Oberfläche, werden die Lichstrahlen gestreut (also in alle möglichen Richtungen gleichzeitig reflektiert). Wir nehmen solche Oberflächen dann als matt war.“

Seidenmattlack (satin)

Seidenmatt lässt sich als Zwischenstufe von Glanz und Mattlack beschreiben. Er ist also nicht so matt wie Mattlack, aber auch nicht so glänzend wie Glanzlack. (Es befinden sich also weniger Mattpigmente im Seidenmattlack als im reinen Mattlack.)

Die Art und Weise des Auftragens

Ein weiterer relevanter Unterschied beim Einsatz von Lacken ist natürlich die Art, wie wir sie auf die Miniatur bekommen. Dabei gibt es grundsätzlich drei Möglichkeiten: Spraydose, Airbrush und Pinselauftrag.

Spraydose

Eine relativ komfortable Möglichkeit, um Lack gleichmäßig auf ein Modell zu bekommen, ist der Einsatz einer Spraydose. Der Lack verlässt die Spraydose beim Betätigen des Druckkopfes durch eine Düse, wird dabei recht fein zerstäubt und legt sich anschließend auf dem Modell ab. Auf diese Weise kann man schnell viele Miniaturen auf einmal ansprühen und somit zügig arbeiten.

Es sei allerdings angemerkt, dass beim Einsatz von Spraydosen möglichst im Freien gearbeitet werden sollte. Auch eine Schutzmaske (und ggf. weitere Schutzkleidung, wie Handschuhe und Schutzbrille) wird dringend empfohlen. (Ich nutze diese Maske (*).) Zum einen ist das Einatmen der in den Dosen enthaltenen Lösemittel nicht sonderlich gesund. Zum anderen – und das ist vermutlich heutzutage das größere Problem – werden beim Einsatz von Spraydosen nun einmal Aerosole (Gemisch aus Gas und flüssigen oder festen Partikeln) frei. Die darin enthaltenen Teilchen sind sehr fein und können sich in der Lunge festsetzen. (Ja, wir werden auch an anderer Stelle in unserem Leben in Berührung mit feinem Staub oder ungesunden Dämpfen in der Luft kommen. Ich persönlich würde mich aber sehr ärgern, wenn man mir später einmal mitteilen würde, dass ich mich ausgerechnet durch mein geliebtes Hobby krank gemacht habe.)

Zuletzt sei noch angemerkt, dass die in den Dosen enthaltenen Treib- und Lösemittel „klimawirksam“ sind. Die durch eine Spraydose freigesetzte Menge an klimaschädlichen Stoffen ist natürlich, vor allem verglichen mit anderen „Klimakillern“, sehr gering. Andererseits macht das sprichwörtliche Kleinvieh ja auch Mist. Inwieweit dieser Punkt also Auswirkungen auf deine Entscheidung hat, Spraydosen einzusetzen, musst du letztendlich für dich selbst entscheiden.

Airbrush

Eine weitere Möglichkeit, um Lack auf ein Modell aufzubringen, ist der Einsatz einer Airbrush-Pistole. Auch mit dieser Methode gelingt es recht leicht, eine gleichmäßige Schicht Lack auf ein Modell zu bekommen. Eine einzelne Schicht ist dabei allerdings deutlich dünner als bei der Verwendung einer Spraydose. (Welche Vor- und Nachteile das hat, wird im nächsten Abschnitt angesprochen.) Zudem kann man genauer arbeiten als mit einer Spraydose und somit den Auftrag von zu viel Lack vermeiden.

Natürlich hat nicht jeder von uns so ein praktisches Gerät und vor allem als Hobbyanfänger wird diese Option deswegen wohl für viele ausfallen. (Allerdings ist eine Airbrush-Pistole ein wirklich sehr praktisches Hilfsmittel, weswegen ich in Zukunft auch dazu noch etwas schreiben werde.)

Die meisten Airbrush-Lacke kommen mittlerweile ohne Lösemittel aus. Dennoch sollte auch beim Einsatz eines Airbrushes eine Schutzmaske getragen werden, da auch hier Aerosole entstehen und Partikel nicht eingeatmet werden sollten. (Eine weitere Schutzmaßnahme, die auch eine Verschmutzung der Wohnung durch Lack- bzw. Farbpartikel vermeidet oder zumindest deutlich reduziert, ist eine entsprechende Absauganlage (*).)

Pinsel

Letztendlich bleibt natürlich noch der Einsatz des guten alten Pinsels. Alle Airbrush-Lacke, die ich hier bei mir zu Hause habe, sind auch für den Auftrag mit einem Pinsel geeignet. Zudem gibt es natürlich noch eine Reihe von Lacken, die sich explizit nur zum Aufpinseln eignen.

Das Lackieren mehrerer Miniaturen am Stück ist mit einem Pinsel zwar mühsamer als mit den anderen beiden Methoden, aber letztendlich – wenn man bedenkt, wie viel Arbeit man normalerweise in das Bemalen einer Figur steckt – eigentlich ein auch fast vernachlässigbarer Aufwand. Beim Lackieren mit Pinsel sollte man sich an die gleichen „Regeln“ halten, die auch für das eigentliche Malen gelten, um Pfützenbildung und das „Glätten“ von Details zu vermeiden. (Nicht zu viel Farbe auf einmal aufnehmen, lieber zwei dünne Schichten als eine dicke usw.)

Speziell, wenn man nur einzelne Details mit einer bestimmten Lackschicht überziehen möchte (siehe dazu hier), wird man um den Einsatz eines Pinsels kaum herumkommen. Airbrush und vor allem Spraydose sind dafür einfach nicht präzise genug. Auch über Aerosole muss man sich keine Gedanken machen.

Warum lackiert man Modelle?

Die genaue Auswahl des Lacks bzw. des Verfahrens zum Auftragen hängt nicht zuletzt auch davon ab, welchen Zweck man mit dem Lackieren eigentlich verfolgt. Im Wesentlichen werden Lack drei Hauptaufgaben zugeschrieben, die sich natürlich gegenseitig nicht ausschließen. Dennoch erfüllen unterschiedliche Lacke unterschiedliche Aufgaben unterschiedlich gut.

Protektion

In den meisten Fällen werden Miniaturen wohl mit transparentem Lack besprüht bzw. bepinselt, um sie zu schützen. Wird Lack aus diesem Grund aufgetragen, spricht man auch von „versiegeln“.

Schutz des Modells vor physischer Belastung

Diejenigen unter uns, die ihre Modelle für ein Brett- oder Tabletop-Spiel verwenden möchten, denken vermutlich in erster Linie an diesen Punkt, wenn von „lackieren“ die Rede ist: Der Lack dient dem Schutz der zuvor aufgetragenen Farbschichten. Er soll also verhindern, dass das Ergebnis stundenlanger Malsessions im Verlauf einiger Spielrunden Schaden nimmt.

Dass auch der beste Lack keinen unzerstörbaren Panzer darstellt, ist dabei natürlich klar und man darf keine Wunder erwarten. Das „Abgrabbeln“ von Farbe an Ecken und Kanten einer Miniatur wird allerdings durch eine vernünftige Lackschicht durchaus zuverlässig verhindert.

Den Fragen danach, welcher Lack sich besonders gut als Schutz eignet und ob manche Lacke härter sind als andere, möchte ich gleich in einem separaten Abschnitt nachgehen. (Ich hatte Gelegenheit, Informationen von einem echten Fachmann zu erhalten und zusätzlich auch noch auf interessante Testergebnisse eines Bemalminis-Lesers zuzugreifen, denen ich angemessen viel Platz einräumen möchte, ohne die Übersichtlichkeit dieses Theorieteils zu sehr zu beeinträchtigen.)

Lack als „Zwischenspeicher“ bzw. „Zwischensicherung“

Jeder, der sich schon einmal heftig vermalt hat, oder auch eine Farbschicht aufgetragen hat, die sich im Nachhinein als schlechte Entscheidung entpuppte, hat sich wohl auch schon einmal gewünscht, sein Bemalobjekt auf den vorherigen Zustand zurücksetzen zu können. Was bei einem Zeichenprogramm oder auch einem Spiel am Computer gar kein Problem ist, funktioniert beim Bemalen von Miniaturen leider nicht. Oder?

Tatsächlich kann man Lack aber ähnlich einem Zwischenspeicher am Computer einsetzen. Ein typisches Anwendungsbeispiel ist das Lackieren nach dem Auftragen der Grundfarben und Schattierungen. Man „fürchtet“ sich möglicherweise etwas vor dem Setzen von Kantenakzenten. Schließlich ist man mit dem bisherigen Ergebnis sehr zufrieden und möchte es nicht durch misslungene/ klobige Kantenakzente verderben.

Um dies zu verhindern, kann man die Miniatur zu einem gewünschten Zeitpunkt mit einer Schicht Glanzlack versehen. Wenn man sich anschließend, z.B. bei den Kantenakzenten, vermalt, kann man die auf der Lackschicht liegende Farbschicht gut mit etwas Airbrushreiniger (wie z.B. diesem hier (*)) auf einem Wattestäbchen wieder abwischen. Allerdings sollte man sich damit nicht zu viel Zeit lassen. Je länger die Farbe Zeit zum Trocknen hatte, desto schlechter lässt sie sich entfernen. Außerdem empfehle ich für dieses Verfahren die Verwendung von lösemittelhaltigen Lacken, da wasserlösliche Lacke ggf. von dem Reiniger angegriffen werden könnten.

Diese Möglichkeit mag für viele jetzt so klingen, als wäre sie zu schön um wahr zu sein. Und natürlich hat die Sache auch einen Haken: Farbe hält auf Glanzlack deutlich schlechter als auf einer „normalen“ Farbschicht oder einer Grundierung. Das kann gerade beim Bemalen von Details ein Problem werden, da man dadurch dazu verleitet wird, zu viel Farbe aufzutragen bzw. zu viel Druck mit der Pinselspitze auszuüben. Außerdem muss man aufpassen, dass man beim weiteren Bemalprozess nicht wieder Farbe „abgrabbelt“. Wenn ich also vor einem – meiner Meinung nach – heiklen Bemalschritt auf diese „Zwischenspeicher“-Lackierung zurückgreife, versehe ich das Modell wieder mit einer Schicht Mattlack, sobald ich diesen Bemalschritt abgeschlossen habe. Auf Mattlack hält Farbe deutlich besser.

Dekoration

Der zweite wesentliche Grund, aus dem man eine Lackierung aufträgt, ist das Spiel mit dem Finish der Miniatur.

Die Lackschicht wird immer dazu führen, dass darunterliegende Farbschichten etwas anders aussehen als die gleiche Farbschicht ohne Lack. Diese Veränderung des Aussehens kann sehr subtil ausfallen, sodass man einen Unterschied nur dann wahrnimmt, wenn man eine lackierte und eine unlackierte Miniatur nebeneinanderstellt. Sie kann aber auch recht deutlich ausfallen.

links: Glanzlack; mittig: Mattlack; rechts: kein Lack (alles Vallejo Premium Varnish)

Wie groß der Unterschied ausfällt, liegt vor allem daran, wie nah sich die Lackschicht und die eigentliche Farbschicht in puncto Finish sind. In dem Foto oben sieht man rechts die unlackierte Fläche. Die mit Mattlack versiegelte Mitte ist dieser noch sehr nahe. Der linke Bereich wurde mit Glanzlack versehen und hebt sich dagegen deutlich ab. (Darüber hinaus kann man anhand dieses Fotos auch sehen, wie wichtig es ist, seine Werkstücke vorher ordentlich zu entstauben, da die Staubkörner ansonsten auf Ewigkeit ein Teil des Modells bleiben werden.)

Hat man beispielsweise eine Miniatur ausschließlich mit Scale 75 Scalecolor Farben bemalt – eine Farbreihe, die notorisch matt trocknet – wird eine Schicht Seidenmattlack zu einer recht deutlichen Veränderung führen. Setzte man den gleichen Lack auf einer Miniatur ein, die mit Games Workshop/ Citadel Farben bemalt wurde (die bereits mit einem leichten Glanz trocknen), fiele der Unterschied deutlich geringer aus. (In dem Beispiel oben haben ich hauptsächlich Vallejo Model Air Farben verwendet.)

Dieser Effekt lässt sich auf unterschiedliche Weise bewusst nutzen.

Einheitliches Finish

Vor allem dann, wenn man mit Farben unterschiedlicher Hersteller malt, werden die unterschiedlichen Farbflächen ein unterschiedliches Finish aufweisen. Dies ist aber oftmals gar nicht gewollt. Das Auftragen einer Lackschicht auf der gesamten Miniatur vereinheitlicht das Finish und führt zu einem harmonischerem Gesamtergebnis.

Je nach Vorliebe wird hierzu ein Matt- oder ein Seidenmattlack verwendet – je nachdem, ob man seine Miniaturen eben wirklich matt oder noch ganz leicht glänzend haben möchte. Wie bereits weiter oben erwähnt, gibt es beim Finish der Lacke keinen Standard und so spielt bei der Entscheidung, ob man einen Seidenmatt- oder einen „reinen“ Mattlack verwendet, letztendlich auch die konkrete Marke eine Rolle.

Der ganzflächige Einsatz von Glanzlack auf einer Miniatur bietet sich hingegen nur selten an. Glanzlack erzeugt viele Reflexionen, was wiederum dazu führt, dass man viele Details auf der Miniatur nicht so richtig erkennen kann. Zudem wirkt dieses Finish auf den meisten dargestellten Materialien einfach unrealistisch, denn warum sollte z.B. ein Stoffrock stark glänzen? Bei Figuren, wie beispielsweise Rittern, Robotern oder auch Warhammer 40k Space Marines, könnte man über eine Versiegelung mit Glanzlack nachdenken. Schließlich können Rüstungen und andere Metallteile ja auf Hochglanz poliert sein. Sofern man sich aber im Vorfeld die Mühe gemacht hat, die Miniatur mit Highlights zu verstehen (seien es nun Kantenakzente oder andere bewusst gesetzte hellere Stellen auf einem dunkleren Untergrund), ergibt die Verwendung von Glanzlack aus dekorativen Gründen keinen Sinn. Die Reflexionen des Lacks würden die vorher mühsam aufgetragenen Highlights quasi schlucken bzw. echte Lichter/ Highlights (Reflexionen) und künstlich geschaffene (von uns aufgetragen) würden hier miteinander konkurrieren.

Aber natürlich gibt es von jeder Regel auch Ausnahmen und es gibt sicherlich auch in Einzelfällen gute Gründe für den ganzflächigen Einsatz von Glanzlack. Bei der Bemalung der „Aliens“ aus den gleichnamigen Filmen könnte ich mir ein Glanzlack-Finish gut vorstellen bzw. habe es so auch schon gesehen.

Uneinheitliches Finish

Dass mit der Hilfe von Lack nachträglich ein unterschiedliches Finish erzeugt werden kann, kann durchaus auch bewusst eingesetzt werden, um unterschiedliche Materialien darzustellen.

Eins vorweg: Ein sehr guter Maler wird niemals auf die Verwendung von unterschiedlich reflektierenden Lacken angewiesen sein, um die Illusion von unterschiedlichen Stoffen darzustellen. Für viele von uns anderen Sterblichen stellt diese kleine „Schummelei“ aber eine einfache und wenig zeitintensive Möglichkeit dar, um einen bestimmten Effekt zu simulieren.

Nachdem man das gesamte Modell mit Mattlack (oder Seidenmattlack) versehen hat, könnte man beispielsweise gezielt Dinge wie Glasphiolen, Edelsteine, Wasserpfützen usw. noch einmal mit Glanzlack überziehen. Man pickt sich also gezielt die Dinge heraus, die in der Realtität auch mehr Licht zurückwerfen, als die anderen Elemente der Figur.

Eine gewisse Herausforderung stellen im Übrigen Objekte dar, die zuvor mit Metallicfarben bemalt wurden. Wie genau man damit umgehen kann, bespreche ich weiter unten.

Funktion

Abgesehen davon, dass Lack unsere Modelle schützen soll und das Finish des Modells beeinflusst, erfüllt er auch noch weitere Funktionen.

Matt- und Glanzlack sehen nicht nur anders aus, ihre Oberfläche hat auch eine etwas andere Beschaffenheit: Mattlack ist rau und Glanzlack ist glatt. Und diese Unterscheidung führt dazu, dass Lacke, abgesehen von „Schutz“ und „Veränderung des Finishs“ noch andere Funktionen erfüllen können.

Glanzlack kommt beispielsweise zur Vorbereitung eines Untergrundes in Frage, wenn wir ein Modell mit Wash versehen wollen. Dies trifft insbesondere vor dem Einsatz von Öl-Washes zu, ist aber vor bei Acryl-Washes nützlich. Die glatte Oberfläche hilft dem Wash, besser in die Vertiefungen zu laufen.

Darüber hinaus erleichtert die glatte Oberfläche, die eine Behandlung mit Glanzlack hinterlässt, das saubere Aufkleben von Decals.

Vor allem dann, wenn man Glazlack aus einem der eben genannten Gründe verwendet hat, bietet sich anschließend das Auftragen einer Schicht Mattlack an. Auf dem vergleichsweise rauen Mattlack halten nachfolgende Farbschichten besser. Außerdem stören die Reflexionen, die der Glanzlack erzeugt, beim Malen. Ich selbst kann auf der glitzernden Oberfläche zumindest nicht erkennen, wo ich noch Highlights setzen muss – andere mögen sich dadurch weniger gestört fühlen.

Wie gut schützt ein Lack wirklich?

Wie oben bereits angesprochen, ist die Schutzfunktion von Lack für viele von uns (Spielern) von besonderer Bedeutung. Ich habe die Frage danach, welcher Lack für das Versiegeln einer Miniatur der „beste“ sei, schon viele Male gehört bzw. gelesen. Wenn darauf mit: „Es kommt darauf an,“ geantwortet wird, ist das zwar korrekt, aber natürlich wenig befriedigend, wenn keine weiteren Erläuterungen folgen.

Zur Beruhigung erst einmal ein Hinweis: Jede Schicht Lack, die du auf ein Modell aufträgst, wird dieses Modell bis zu einem gewissen Grad schützen. Wenn es um den reinen Schutzfaktor geht, ist also jede Schicht Lack besser als kein Lack. Außerdem kann man sowohl mit Spraydose als auch mit Pinsel oder Airbrush einen wirksamen Schutz erreichen.

Ich vermute, dass einer der Gründe, warum viele Einsteiger (aber nicht nur diese) bei der Wahl des Lacks sehr unsicher sind, ist, dass wir mit einer unglaublich großen Auswahl an unterschiedlichen Lacken konfrontiert werden. Neben den „üblichen Verdächtigen“ unter den Farbherstellern, also den Firmen, die speziell Produkte für unseren Hobbybereich produzieren, kommen bei diesem Thema außerdem auch Hersteller in Frage, die wir im Baumarkt finden können. Darüber hinaus bieten auch die Hersteller von Hobbyfarben oftmals mehr als ein Produkt an.

Beispiel: Vallejo

Um die „Qual der Wahl“ einmal zu veranschaulichen, möchte ich im Folgenden kurz auf die Produkte des spanischen Herstellers Vallejo eingehen. Dieser Hersteller bieten sich zum einen als Beispiel an, weil seine Produkte in unserer Hobbyszene wirklich weit verbreitet sind. Zum anderen hatte ich die Gelegenheit, mit Heinz Wagner einen nicht nur freundlichen, sondern auch äußerst kompetenten Insider zur Wiederstandsfähigkeit der Vallejo Lacke/ Varnishes zu befragen.

Heinz Wagner von Modellbaukompass.de ist u.a. Händler für Vallejo Farben und vertritt diese Firma auch regelmäßig auf der Spielwarenmesse in Nürnberg. Als sehr erfahrener Modellbauer setzt er diese Farbe nicht nur selbst ein, sondern hatte seine Hände auch durchaus schon an der Weiterentwicklung der Produkte im Spiel. An dieser Stelle möchte ich dir, Heinz, ein herzliches Dankeschön aussprechen, dass du dir die Zeit genommen hast, meine Fragen zu beantworten.

Die Produkte von Vallejo basieren alle auf Acryl Resin oder auf Polyurethan. Produkte auf Polyurehtan-Basis weisen nach dem Trocknen eine härtere Oberflöche auf als Produkte auf Acryl Resin-Basis.

Grundsätzlich lassen sich die Varnishes von Vallejo in sechs Oberflächenhärtegrade einteilen: O1 bis O6, wobei O1 für wenig hart und O6 für sehr hart steht. Die Härtegrade O1 und O2 kommen in unserem Hobby nicht zum Einsatz und beziehen sich auf Vallejos Stofffarben (O1) und Varnishes, die für Gemälde gedacht sind (O2). Ein gewisser Grenzfall stellt das Medium auf Vinyl-Acryl Resin Basis (*) dar. Sein Härtegrad liegt zwischen O2 und O3. Im engeren Sinne handelt es sich hierbei nicht um ein Varnish, da es nun einmal als Medium zum Strecken und zum Verändern des Finishes anderer Farben gedacht ist. Trotzdem kann man es auch als (Zwischen-)Lackschicht auftragen – seine Schutzwirkung ist aber geringer als bei einem „echten“ Varnish.

Für unser Hobby sind vor allem die folgenden Lacke relevant: Die „normalen“ Acryl Varnishes (*) bzw. Acryl Varnishes aus der Dose (*) mit dem Härtegrad O4, die Premium Color Polyurethan Varnishes (*) mit dem Härtegrad O5 und schließlich die Metal Color Varnishes (*) bzw. Mechacolor Varnishes (*) mit dem Härtegrad O6.

Diese Aufzählung sollte man jetzt allerdings nicht als eine Rangliste von schlecht bis gut missverstehen – so einfach ist die Sache leider nicht. Neben dem Preis des Produktes können auch noch andere Eigenschaften von Bedeutung sein. So ist z.B. die Gloss Variante des Premium Color Varnishes glasklar und dünner als die anderen hier genannten Lacke (weswegen sie sich z.B. auch gut für Zwischenschichten eignet). Das Metal Color Varnish ist zwar hart, aber dafür nicht so flexibel – im Gegensatz zum Premium Color Varnish, was durchaus auch eine gewisse Flexibilität aufweist. Die „normalen“ Acryl Varnishes können mit dem „normalen“ Airbrush Thinner (*) oder auch Wasser verdünnt werden. Für die Versünnung des Premium Color Varnishes empfiehlt sich die Verwendung des Verdünners aus der gleichnamigen Reihe (*).

Anzumerken ist auch, dass die „normalen“ Acryl Varnishes für den Airbrush bzw. zum Auftrag mit dem Pinsel den gleichen Härtegrad haben wie die Spraydosenversion. Ich selbst hatte immer den Eindruck, dass Letztere robuster sei. Heinz bestätigte mir, dass dies auch stimme, aber einfach daran liege, dass die mit der Spraydose erzeugte Schicht viel dicker sei als die Schicht, die man mit dem Airbrush aufträgt.

Wie man am Beispiel von Vallejo und vor allem am letzten Absatz sehen kann, lassen sich Lacke nicht einfach in „gut“ oder „schlecht“ oder auch in „brauchbar“ und „unbrauchbar“ einteilen. Vielmehr hängt die Wahl des richtigen Lacks vom Einsatzzweck und auch den eigenen Vorlieben ab.

Der Einfluss des Finishs auf die Robustheit eines Lacks

Ich habe schon oft die Behauptung gehört, dass Glanzlack einen besseren Schutz darstellen soll als Mattlack. Aber stimmt das wirklich? Hin und wieder liest man auch in Modellbauforen, dass dies zwar früher richtig gewesen sei, mittlerweile aber nicht mehr stimme.

Um diese Frage zu beantworten hat der engagierte Bemalminis.de Leser Christoph einige Tests durchgeführt. Den Verlauf und die Ergebnisse dieser Tests hat Christoph penibel notiert und mir dann freundlicherweise zur Verfügung gestellt. Christoph, habe vielen Dank für deinen Einsatz und dein großzügiges Angebot, dass ich die Früchte deiner Arbeit hier verwenden darf!

Für seine Testreihen hat Christoph Varnishes von AK Interactive (*) verwendet: Gloss Varnish (3rd generation, new formula), Satin Varnish und Ultra Matte Varnish. Alle Produkte eignen sich zwar auch zur Verwendung mit dem Airbrush, wurden bei diesen Tests aber recht großzügig und teilweise mehrfach mit dem Pinsel aufgetragen.

Reibung

Wenn wir mal davon ausgehen, dass wir unsere Miniaturen grundsätzlich ohnehin sorgfältig behandeln, also nicht werfen oder lose im Rucksack zum Spieleabend bei einem Freund transportieren, ist vermutlich Reibung der größte Feind unserer bemalten Figuren. Eine gewisse Reibung entsteht immer dann, wenn wir unsere Miniaturen anfassen, z.B. um sie auf dem Spielfeld/ Spielbrett herumzubewegen. Besonders problematisch sind im Übrigen Transportkoffer wie dieser hier (*). Zwar sind unsere Miniaturen als solche darin recht gut geschützt (und zerbrechen nicht etwa), doch werden die Farbschichten vom Schaumstoff über einen langen Zeitraum geradezu abgeschliffen.

Um die Wirkung von Reibung auf eine Lackschicht darzustellen, hat Christoph mit einem harten Schwamm und ausreichend Druck mehrfach über unterschiedlich lackierte Flächen gewischt. Das Ergebnis ist recht eindeutig: Reibung greift Mattlack deutlich stärker an als Glanzlack. Nach 10 mal Wischen ist bereits deutlicher Abrieb beim Mattlack zu erkennen. Auch der Seidenmattlack hat deutlich gelitten. Der Glanzlack hält hingegen. Nach 20 mal Wischen ist der Mattlack fast komplett verschwunden, der Seidenmattlack hält nur etwas besser. Der Glanzlack beginnt ebenfalls, sich zu lösen. Weiteres Wischen verstärkt dann nur noch die bisherige Tendenz, wobei der Glanzlack auch nach dem 30. Wischer noch hält (allerdings angegriffen ist).

Wenn man einmal darüber nachdenkt, wodurch Reibung zustande kommt, ist das Ergebnis eigentlich wenig überraschend: Die unebene Oberfläche des Mattlacks kann durch die Körnung des Schwamms viel besser „gegriffen“ werden, als dies bei der glatten Oberfläche des Glanzlacks der Fall ist. Die Reibung/ der Reibungswiderstand des Mattlacks ist einfach höher und führt folglich zu mehr Abrieb.

Stöße

Ärgerlicherweise müssen zumindest meine Spielminiaturen hin und wieder auch mal einen Stoß verkraften – sei es der Treffer durch einen Würfel oder gar ein kleiner Sturz. Vermutlich bin ich mit dieser Art von „Geschicklichkeit“ nicht allein. Zumindest Chritoph teilt dieses Problem mit mir und testete auch die Stoßfestigkeit der unterschiedlichen Lackfinishs. Er ließ dazu einen Würfel aus 158cm Höhe durch einen langen, schmalen Karton jeweils 60 mal auf unterschiedlich lackierte Flächen fallen und notierte seine Beobachtungen (sowohl zwischendurch als auch am Ende der Testreihe).

Das Ergebnis war recht erfreulich, denn weder Matt- noch Seidenmatt- oder Glanzlack zeigten irgendwelche Beschädigungen. Und das, obwohl auf den Rückseiten der Plättchen deutlich längliche, durch Würfelkanten erzeugte Verformungen zu erkennen waren.

Natürlich sollte dieses Testergebnis nicht dazu verleiten, unnötig grob auf den eigenen Figuren herumzuhämmern. Zumal man bedenken sollte,dass ja auf glatten Flächen und nicht auf filigranen und teilweise spitz zulaufenden Figuren getestet wurde. Trotzdem scheinen Lacke unsere die Farbschichten auf unseren Miniaturen ziemlich zuverlässig vor dieser Art von Schadenseinwirkung zu bewahren.

Biegen und knicken

Beim Biegetest bog Christoph die lackierten Flächen recht stark sowohl senkrecht als auch waagerecht – insgesamt wurde jede Fläche 100 mal gebogen.

Auch hier ist das Ergebnis recht erfreulich. Sowohl Farben als auch Lacke scheinen diese Behandlung gut mitzumachen. Nach ca. 60 Biegungen weisen allerdings einige Flächen helle Stellen auf. Diese Stellen erscheinen nur dort, wo Lackschichten übereinander aufgetragen wurden und sind auch nur bei Glanzlack und Seidenmattlack zu erkennen. (Bei Ersterem früher als bei Letzterem.) Der Verdacht liegt also nahe, dass sich hier die einzelnen Lackschichten voneinander lösen, weil der Glanzlack weniger gut hält bzw. weniger gut Halt bietet als Mattlack.

Abschließend sei noch gesagt, dass Christoph außerdem einen Knicktest durchführte. Es ist bemerkenswert, dass die verwendeten Lacke trotz dieser massiven Belastung an der Farbe hielten – zumindest nach nur einem Knick.

Wie genau gehe ich beim Lackieren vor und wie vermeide ich „frosting“ und andere Fehler?

Beim Auftragen von Lack gelten eigentlich die gleichen „Regeln“, die auch beim Auftragen von Farbschichten gelten. Allerdings kann es durchaus passieren, dass man gedanklich das Lackieren irgendwie als einen völlig anderen Arbeitsschritt betrachtet (denn eigentlich ist man ja schon „fertig“) und dann unter Umständen Dinge falsch macht, auf die man bem Auftragen „normaler“ Farbe eigentlich achten würde. Statt einer kleinschrittigen „Schritt 1, Schritt 2, Schritt 3… -Erklärung“ werde ich in diesem Abschnitt also noch einmal auf wichtigsten „Regeln“ eingehen. Ich bitte darum, mir zu verzeihen, wenn ich nun als Captain Obvious auftrete und das Offensichtliche noch einmal hervorhebe. Aber wie gesagt: Wir vergessen bei diesem Arbeitsschritt gerne Dinge, die uns eigentlich an anderer Stelle bewusst sind. (Ich tue im Übrigen im Folgenden der Einfachheit halber so, als würde man Lacke nur zum Versiegeln verwenden.)

Bevor ich Hinweise zu Airbrush- und Pinsellackierungen auf der einen und dem Lackieren mit der Spraydose auf der anderen Seite gebe, möchte ich kurz auf die Punkte eingehen, die bei beiden bzw. allen drei Methoden eine Rolle spielen.

Trage nicht zu viel Lack auf einmal auf

Wie bei jeder anderen Farbe auch, entstehen die meisten Probleme dadurch, dass man versucht, zu viel Farbe/Lack auf einmal aufzutragen. Sollte es doch einmal zum frosting kommen, ist die Lackschicht wohl zu dick geraten. Üblicherweise hört man hier zwei Begründungen: 1. Das Mattierungsmittel hat dadurch Gelegenheit sich an manchen Stellen der Miniatur zu sammeln. (Das kann natürlich bei Glanzlack nicht vorkommen.) 2. Der Lack trocknet außen, beinhaltet aber einen noch feuchten Kern. Die darin enthaltene Feuchtigkeit kann nicht entweichen und wird als Grauschleier sichtbar.

Zu dicke Lackschichten können darüber hinaus auch Details zukleben oder Strukturen abrunden. Auch wenn der Lack natürlich durchsichtig ist, nehmen wir (vermutlich durch Reflexionen auf dem Lack) trotzdem war, dass sich da irgendweine Schicht auf der Miniatur befindet. Und dies gilt es zu vermeiden.

Für das Pinseln ergibt sich daraus, dass man nicht zu viel Lack auf einmal auf den Pinsel laden sollte. Auf der Miniatur sollte dieser dann gleichmäßig verteilt werden und keinesfalls Pfützen bilden. Gleiches gilt für den Airbrush und die Spraydose: Man sollte tunlichst vermeiden, zu lange Farbe auf die gleiche Stelle zu sprühen. Erkennt man beim Airbrushen rechtzeitig, dass sich Lack z.B. in Vertiefungen sammelt, kann man diesen mit einem Pinsel auch wieder heraustupfen.

Man sollte im Übrigen bei dem im Artikel über das Grundieren beschriebenen Verfahren zum Besprühen mehrerer Miniaturen auf einmal (Miniatur auf einer Leiste befestigen und gemeinsam besprühen) sehr vorsichtig sein und die Abstände angemessen groß wählen. Beim Sprühen von farbiger Grundierung sieht man immer sofort, wo der Sprühstoß hingegangen ist. Bei farblosen Lack fällt hingegen nicht so schnell auf, ob man eine zweite/ dritte Figur neben der eigentlichen Zielfigur mit einer unerwünschten zusätzlichen Menge Lack erwischt.

Lacke sollten gut geschüttelt werden

Auch wenn Lacke keine Farbpigmente beinhalten, die sich am Boden der Flasche absetzen könnten, sollten Lacke vor dem Gebrauch gut geschüttelt werden. Dies gilt ganz besonders für Mattlacke, da sich bei diesem durchaus die mattierenden Elemente des Lacks absetzen können. Zum einen führt dies dazu, dass kleine Klümpchen entstehen können, die ganz offensichtlich einen sauberen Auftrag unmöglich machen. Zum anderen kann dies auch dazu führen, dass der Mattlack auch nach dem Trocknen auf der Figur noch glänzt. (Wenn die matten Pigmente auf dem Boden des Fläschchens kleben, wird der Rest der Flüssigkeit quasi zum Glanz- oder zumindedt Seidenglanzlack.)

Es kann nicht schaden, beim Schütteln des Lacks auf die Uhr zu sehen. Man unterschätzt, wie langsam die Zeit verstreicht, wenn man so eine zugleich monotone und – relativ – anstrengende Aufgabe wie das Schütteln von Farbfläschchen ausführt. Eine Minute sollte dabei das absolute Minimum sein – besser sind drei. Außerdem packe ich in meine Mattlackfläschchen immer eine Agitatorkugel (*).

Airbrush- und Pinsellackierungen

Meiner Erfahrung nach führt das Auftragen von Lack mittels Pinsel oder Airbrush viel weniger häufig zu Problemen als dies beim Einsatz einer Spraydose der Fall ist. Vor allem frosting kommt deutlich seltener vor. Abgesehen von den bereits genannten Punkten, gibt es spezfisch für Airbrush- und Pinsellackierungen aber auch noch ein paar Sachen zu beachten:

Manche Lacke sollten verdünnt werden

Genauso wie bei jeder anderen Farbe ist es empfehlenswert, lieber mehrere dünne Schichten als eine dicke Schicht aufzutragen. Aus diesem Grund verdünnen bzw. strecken wir unsere Farben ja auch. Und genau das gleiche kann man auch mit Acryllacken machen. Natürlich reduziert sich die Schutzwirkung etwas, wenn wir einen Lack mit Wasser oder eigens dazu gedachten Verdünner verdünnen. (Achtung! Ich meine hier natürlich etwas in dieser Art (*) und nicht etwa lösemittelhaltige Verdünner.) Wenn man aber mehrere Schichten Lack übereinander legt, hebt sich dieser Nachteil auf.

Zumindest die reinen (wasserlöslichen) Acryllacke, die ich hier bei mir habe, lassen sich alle mit Wasser oder zum Beispiel dem oben verlinkten Verdünner verdünnen. Wer ganz sicher gehen möchte, dass sein Lack nicht doch unerwartet mit dem Verdünnungsmittel reagiert, sollte einfach einen Test an einem Stück bemalten Gussrahmen oder anderem Plastik durchführen.

Vor allem bei den Lacken, die Polyurethan beinhalten, würde ich so einen Test unbedingt empfehlen. Ich habe schon gehört, dass bestimmte Polyurethan-Lacke mit „normalen“ (Airbrush-)Verdünnern reagiert haben und anfingen auszuflocken. Normalerweise bieten die Hersteller dieser Lacke auch extra für sie gedachte Verdünner an (Beispiel Vallejo (*)).

Nicht jeder verdünnt Lack vor dem Auftragen. Solltest du aber Probleme damit haben, eine ebenmäßige Schicht ohne frosting aufzutragen, solltest du diesen Schritt unbedingt einmal in Erwägung ziehen.

Auch beim Einsatz eines Airbrushes kann das Verdünnen der Lacke eine gute Idee bzw. sogar ein notwendiger Schritt sein. Ob dies wirklich zwingend notwendig ist, hängt auch von der Düsengröße ab, mit der man sprüht. Ich setze meist eine (recht große) 0,4er Düse ein und hatte beim Lackieren noch nie Probleme mit einer verstopften Düse. Sollte man aber sehr großen Wert auf einen ganz besonders ebenmäßigen Auftrag legen, kommt man um das Verdünnen des Lacks kaum drum herum.

Auch Lacke lassen sich mischen

Dieser Punkt hat nur ganz am Rande etwas mit dem Vermeiden von frosting zu tun, gehört aber definitiv zu den Dingen, die gerne mal übersehen werden: Lacke mit unterschiedlichem Finish können miteinander gemischt werden, um den Grad an „Mattheit“ bzw. „Glanz“ zu verändern. Wenn man also etwas Mattlack in etwas Glanzlack gibt, wird daraus ein Seidenglanzlack, dessen „Glanz“/“Mattheit“ vom Mischungsverhältnis abhängt.

Ich würde allerdings empfehlen, nur Lacke aus der gleichen Reihe miteinander zu mischen bzw. zumindest immer an einem Stück bemalten Plastiks zu testen, ob die Kombination der Lacke nicht doch irgendwelche unerwünschten Nebeneffekte zeigt.

Mattlacke sind anfälliger für frosting als Glanzlacke. Zumindest theoretisch könnte man sich also durch Zusammenmischen von Mattlack mit Glanzlack an ein Finish herantesten, mit dem man selbst gut klarkommt, ohne frosting zu erzeugen. Ich schreibe hier aber ganz bewusst „theoretisch“, weil meine Aussage hier etwas danach klingt, als würde es nur ein ganz kleiner Kreis extrem talentierter Maler hinbekommen, seine Figuren ohne Grauschleier zu lackieren. Dem ist natürlich nicht so und wer sich an die bisher genannten Tipps hält, wird sicherlich keine Probleme mehr mit frosting bekommen.

Lackieren mit der Spraydose

Im Wesentlichen kann man sich beim Lackieren mit der Spraydose an all die Regel halten, die auch schon im Artikel über das Grundieren genannt worden. Abgesehen von den beiden bereits genannten Punkten (Nicht zu dick auftragen! Lange genug schütteln!) werde die wichtigsten Punkte hier aber noch einmal aufführen. Dabei nenne ich die Punkte, die meiner Meinung nach die häufigsten Fehlerquellen sind, zuerst. Es sei auch noch einmal angemerkt, dass sich diese Punkte vor allem auf die Handhabung von Mattlack beziehen. Da Glanzlack kein Mattierungsmittel beinhaltet, treten bei ihm weniger Probleme auf.

Beim Lackieren mit der Spraydose reicht außerdem in der Regel eine einzige Farbschicht. Wie in dem Abschnitt über die Vallejo Varnishes bereits erwähnt, gerät der Auftrag von Sprühlacken dicker als der von Airbrushlacken, sodass hier eine entsprechende Schutzwirkung schon früher erreicht wird.

Bestimmte Lacke scheinen eher zum frosting zu neigen als andere. Welchen Lack ich empfehle, kannst du weiter unten nachlesen.

Nun zu den typischen Fehlerquellen, die zu frosting führen können:

Die Luftfeuchtigkeit ist zu hoch

Eine Fehlerquelle, die vor allem von Beginnern im Hobby gerne unterschätzt wird (siehe meine Anmerkungen in der Einleitung zu meinem „Neustart“), ist der Einfluss der Luftfeuchtigkeit auf das Ergebnis des Lackierens. Bei zu hoher Luftfeuchtigkeit läuft man leicht Gefahr, dass der Lack mit Grauschleier/ frosting trocknet. Eine 100%-ig genaue Angabe zum besten Prozentbereich relativer Feuchtigkeit in der Luft kann ich nicht machen. Unter Autolackierern scheinen Werte von 70-75% relativer Luftfeuchtigkeit als Grenzwerte zu gelten (zumindest im Hobbybereich) Bei höheren Werten sollte man demnach das Lackieren besser verschieben. Aber meine Hand möchte ich für diesen Wert nicht ins Feuer legen, da ich nicht sicher sagen kann, ob dieser Wert 1:1 auch auf unser Hobby übertragbar ist. Ich handhabe es so: Wenn es sich draußen schon feucht/ schwül anfühlt, lasse ich das mit dem Lackieren sein. Und wenn es Regnet, fällt Lackieren natürlich erst recht aus.

Die Temperatur des Lacks ist zu niedrig (oder es ist viel zu kalt draußen)

Üblicherweise findet man auf den Sprühdosen Verarbeitungshinweise, die auch die richtige Verarbeitungstemperatur mit einschließen. Grundsätzlich ist es natürlich eine gute Idee, sich nach diesen Werte zu richten. Allerdings ist die Temperatur des Lacks deutlich wichtiger als die Außentemperatur. Wenn man den Lack (und die Miniaturen) im Haus lagert und nur kurz zum Sprühen damit vor die Tür geht, sollte man bei Plusgraden eigentlich keine Probleme bekommen. Zur Sicherheit würde ich persönlich die Miniaturen dann zum Trocknen aber wieder mit ins Haus (und somit die Gerchsbelästigung in Kauf) nehmen.

Die Sprühdistanz ist zu groß

Wenn der Abstand zwischen Sprühdose und Modell zu groß ist, trocknen die Spraypartikel teilweise unterwegs und legen sich als Struktur auf dem Modell ab. Dies ähnelt dann unter Umständen einer übertriebenen Mattierung und wird als Grau wahrgenommen. Die richtige Sprühdistanz steht normalerweise auf der Sprühdose, liegt aber normalerweise bei etwa 25-30 cm.

Die Farbe unter dem Lack ist noch nicht trocken

Acrylfarben fühlen sich schon nach recht kurzer Zeit trocken an, sind aber eigentlich erst nach etwa 24 Stunden wirklich durchgetrocknet. Wenn man den Lack zu früh auf die Miniatur sprüht, kann die Feuchtigkeit nicht entweichen, sammelt sich zwischen oberster Farbschicht und Lackschicht und wird als Grauschleier sichtbar.

Du hast eine Montagsproduktion erwischt

Es kommt zwar vermutlich seltener vor als manche Hobbyisten zu denken scheinen, aber man kann beim Kauf von Sprühlacken auch einfach mal Pech haben und eine unbrauchbare Charge erwischen. Dadurch dass man nicht in die Dose hineingucken kann, fällt einem das Problem dann leider erst während bzw. nach dem Einsatz auf.

Was man tun kann, wenn „frosting“ und ähnliche Fehler aufgetreten sind

Solltest du auf diesen Artikel gestoßen sein, weil du in den Weiten des Internets nach einer Möglichkeit gesucht hast, das aufgetretene frosting auf deinen Minis zu entfernen, dann hast du schon mal mein volles Mitgefühlt. Vor allem, wenn man noch am Anfang im Hobby steht, ist es echt bitter, wenn man das Gefühl hat, all seine Arbeit und Herzblut vergeblich in ein Projekt gesteckt zu haben. Ich kann dir nicht garantieren, dass die folgenden Maßnahmen wirklich von Erfolg gekrönt sein werden. Zumal es ja auch unterschiedliche Fehlerquellen gibt. Aber das, was ich im Folgenden schreibe, habe schon vielen anderen weiterhelfen können. Möglicherweise werden deine Figuren anschließend nicht perfekt aussehen, aber zumindest so, dass du gut damit leben kannst.

Ich habe mittlerweile seit vielen Jahren keine Probleme mehr mit frosting oder Ähnlichem gehabt (was ja dafür spricht, dass es etwas bringt, wenn man sich an die oben erwähnten Punkte hält). Aufgrund meiner in der Einleitung erwähnten schlechten Erfahrung, habe ich allerdings immer die Augen und Ohren offen gehalten, wenn jemand von einer erfolgreichen Rettungsaktion berichtet hat. Die folgenden Methoden scheinen dabei für viele Leute gut funktioniert zu haben:

Option 1: Nochmals lackieren (mein Favorit)

Nachdem du festgestellt hast, dass deine Miniatur nach einer Behandlung mit lösemittelhaltigem Mattlack aus der Sprühdose einen Grauschleier/ frosting aufweist, lackierst du deine Miniatur ein zweites Mal. Dieses Mal achtest du natürlich ganz besonders auf all die Punkte, die ich weiter oben aufgeführt habe. Stell vor allem sicher, dass der Lack, den du verwendest, warm genug und dass es draußen nicht zu feucht ist.

Sofort nach dem Lackieren nimmst du die Miniatur mit in deine Wohnung und stellst sie für einige Minuten an einen warmen Ort. Ideal wäre, sie unter eine Glühbirne zu stellen (wenn du noch eine Lampe mit alter Glühbirne zu Hause haben solltest). Aber auch andere warme Orte, wie über bzw. neben einem Heizkörper wären geeignet. Die Miniatur sollten dabei natürlich nicht wirklich stark erhitzt werden, sondern einfach nur warm stehen. Nach einigen Minuten kannst du die Figur erst einmal wegstellen und in Ruhe durchtrocknen lassen. Wenn alles nach Plan gelaufen ist, sollte der Grauschleier verschwunden sein.

Die Idee hinter diesen Vorgehen ist, dass der Lack aus der Dose ja auf Lösemitteln basiert. Sobald die erste Lackschicht mit dem Lösemittel aus der zweiten Schicht in Berührung kommt, löst sich der Lack wieder an und kann ggf. „richtig“ trocknen. Die warme Umgebung hilft dem Lack, so zu trocknen, wie es vorgesehen ist. Diese Wärmezufuhr ist dementsprechend ganz grundsätzlich eine gute Idee, wenn man seine Miniaturen mit einem lösemittelhaltigen Sprühlack behandelt.

Manchmal liest man auch davon, dass man statt Mattlack erst einmal Glanzlack als Rettungsversuch zwischensprühen sollte. Ich selbst kann jedoch nicht sagen, wieso dieser besser als Mattack wirken sollte, solange beide Lacke Lösemittel beinhalten. (Man könnte höchstens argumentieren, dass man es wohl mit dem Glanzlack nicht noch schlimmer machen kann – mit einer zum zweiten Mal falsch aufgetragenen Mattlackschicht allerdings schon.)

Option 2: Mit Isopropanol tupfen (sehr riskant)

Wenn man nur an wenigen Stellen mit frosting auf seiner Miniatur zu kämpfen hat, könnte man diese Stellen theoretisch mit einem mit Isopropanol (*) angefeuchteten Wattestäbchen abtupfen. Auf diese Weise kann es gelingen, dass man gezielt diese Stellen wieder von der Lackschicht befreit. Dieses Vorgehen ist aber relativ riskant, da man dabei leicht darunerliegende Farbschichten beschädigen kann. Ich würde nur dann über so ein Vorgehen nachdenken, wenn das frosting sowohl sehr stark als auch sehr punktuell ausgefallen ist.

Option 3: Mit einer Zahnbürste schrubben

Sollte sich der Lack in einer Art grisseligen/ sandigen Struktur auf das Modell gelegt haben (was z.B. geschehen kann, wenn die Sprüdistanz zu groß war), könnte auch eine Behandlung mit einer Zahnbürste helfen. Fühlt sich die Oberfläche der Miniatur rau an, haben sich vermutlich Partikel (Mattierungsmittel?) des Lacks nicht richtig mit dem Rest der Lackschicht verbunden. Schrubbt man die Miniatur dann mit einer Zahnbürste ab, kann man Glück haben und diese Partikel lösen sich wieder vom Untergrund. Mit ziemlicher Sicherheit wird man durch diese Behandlung kein perfektes Ergebnis mehr erreichen lassen. Allerdings kann sich das Finish deutlich verbessern und da dieser Vorgang ja leicht umzusetzen ist, sollte man es wohl auf einen Versuch ankommen lassen.

Metallics und Mattlack

Ein weiteres Problemfeld beim Einsatz von Lack ist der Einsatz auf Metallicfarben. Zwar hält der Lack auf diesen Farben tadellos und erfüllt auch ansonsten alle Aufgaben, die er erfüllen soll, doch liegt darin leider auch ein Problem: Das Schimmern der Metallicfarben wird durch den Einsatz von Lacken quasi aufgehoben und weicht dem jeweiligen Finish.

Sprüht man Mattlack auf eine Metallicfarbe, ist der Metalliceffekt im Wesentlichen verloren. Hier wäre mir auch keine Methode bekannt, wie man dies verhinden könnte, da der Matteffekt und der Metalliceffekt sich gegenseitig ausschließen. Sollte man ohnehin ein verwittertes und stumpfe Aussehen des Metalls anstreben, ist dies eigentlich kein Problem. In allen anderen Fällen muss man schlicht auf den Einsatz von Sprühmattlack verzichten.

Manche Maler bemalen die Metallteile ihrer Modelle deswegen erst ganz am Schluss – also auch erst nachdem sie die Miniatur bereits mit Lack versiegelt haben. Die schützende Wirkung des Lacks gilt dann natürlich nicht für die Metallteile. Letztendlich muss hier jeder selbst entscheiden, ob ihm bzw. ihr die Optik oder der Schutz wichtiger ist.

Eine Art Notlösung stellt der Einsatz von Glanzlack oder Seidenmattlack auf den Metallicstellen dar. Nachdem das gesamte Modell mit Mattlack angesprüht wurde, kann man die Metallicteile noch einmal mit Glanz- oder Seidenmattlack überziehen, um sie wieder zum Glänzen zu bringen. Ich möchte hier aber klar anmerken, dass das Ergebnis anders aussieht als das eigentliche Finish der Metallicfarben.

Wenn ich ein Modell, das viele Metallteile aufweist, mit Sprühdose oder Airbrush lackieren möchte, greife ich selbst in der Regel auf Seidenmattlack zurück. Dieser erscheint mir als praktikabler Kompromiss, da nach dem Auftrag die Metallteile noch etwas schimmern, ohne dass die komplette Miniatur zu glänzen beginnt.

Lack und „sonstige Deko“

Vor allem auf den Bases unserer Miniaturen setzen wir gerne einmal dekorative Elemente ein, deren Zusammenspiel mit Lack berücksichtig werden muss. Ich kann an dieser Stelle nicht auf alle denkbaren Produkte hinweisen, möchte aber kurz auf einige typische Dinge eingehen:

Beim Einsatz von trockenen Pigmenten (wie diesen (*) von Vallejo) auf dem Modell ist zu überlegen, ob man diese vor oder nach dem Lackieren aufbringt. Bestäubt man Teile des Modells vor dem Lackieren mit Pigmenten, fungiert der Lack als Binder für die Pigmente und diese lassen sich nicht mehr einfach abwischen. Allerdings werden die Pigmente deutlich an Farbkraft einbüßen. Aus diesem Grund setzte ich trockene Pigmente immer nach dem Lackieren ein. Andere Hobbyisten machen das aber auch andersherum.

Ich setzte auf meinen Modellen auch gerne Grasbüschel (wie diese (*) von Army Painter) ein. Besprüht man diese mit Lack, kann es passieren, dass sich dieser wie Spinnenweben über die Büschel legt. Deswegen setzte ich diese Grasbüschel nur noch nach dem Lackieren auf meine Bases.

Gitter (von GW) mit Schneeeffekt (Valhallan Blizzard, GW)

Und auch bei Effekten, die Feuchtigkeit/ Matsch/ Schnee darstellen sollen, versiegele ich immer zuerst, bevor ich diese Effekte einsetzt. Eine Ausnahme von dieser Regel stellt natürlich dar, wenn ich Glanzlack bewusst dazu nutze, um Feuchtigkeit zu simulieren.

In dem Foto oben sieht man sowohl den Schneeeffekt als auch die Wirkung von Mattlack (hier Ultra Matte Varnish von AK Interactive (*)) auf Metallicfarbe.

Konkrete Produktempfehlungen für unterschiedliche Einsatzbereiche

Abschließend möchte ich einige konkrete Produkte nennen, die ich selbst verwende – je nachdem, welche Aufgabe gerade ansteht. Es handelt sich dabei um Produkte, mit denen ICH gute Erfahrungen gesammelt habe. Das bedeutet aber ganz und gar nicht, dass Produkte oder Hersteller, die hier nicht genannt werden, zwangsläufig schlechter bzw. unterlegen wären. Zum einen ist es mir natürlich völlig unmöglich, jeden erdenklichen Lack selbst auszuprobieren. Zum anderen spielt aber auch der persönliche Geschmack eine Rolle – sowohl was die Handhabung als auch (und ganz besonders), was das Finish des jeweiligen Lacks angeht.

Airbrush und Pinsel

Wenn es um das Airbrushen und auch das Aufpinseln von Lacken geht, bin ich seit Kurzem ein großer Fan der Vallejo Premium Varnishes geworden. Das Gloss Varnish (*) trocknet sehr klar und bildet eine vergleichsweise dünne Schicht, sodass es sich sehr gut als Zwischenschicht eignet. Wenn es mir um das Versiegeln, also den Schutz der Farbschichten geht, trage ich zuerst eine Schicht Gloss Varnish und anschließend zwei Schichten Matt Varnish (*) auf. Christophs Ergebnisse bestätigen mich in diesem Vorgehen. Der Glanzlack unter dem Mattlack dient mir dabei auch als Signal. Sollte irgendwann eine Stelle der Miniatur zu glänzen beginnen, weiß ich, dass der Mattlack herunter“gegrabbelt“ wurde und ich sie noch einmal versiegeln sollte. Wie gesagt, die Vallejo Premium Varnishes befinden sich bei mir erst seit vergleichsweise kurzer Zeit (seit einigen Monaten) im Einsatz und ich kann noch nicht 100%ig sagen, wie sehr sie der Dauerbelastung mehrerer Spieleabende aushalten. Bisher machen sie auf mich aber einen soliden Eindruck, wenn man sie in mehreren Schichte aufträgt.

Ein weiterer Grund, der für mich für diese Reihe spricht, ist das Finish des Mattlacks. Es ist wirklich ziemlich matt, ohne dass es die darunterliegenden Farben zu sehr beeinflusst. Ich habe spaßeshalber mit meinem Airbrush eine wirklich viel zu dicke Schicht auf eine alte Miniatur aufgetragen (mindesens 3 Sekunden auf die gleiche Stelle gesprüht). Das Ergebnis war deutlich weniger schlimm als ich erwartet hätte. Die darunterliegenden Farben waren etwas eingetrübt, aber keinesfalls etwa wirklich grau. Bei einigermaßen vernünftiger Handhabung sollte man also wenig Probleme mit diesem Lack haben.

Wer es noch ein klein wenig matter mag, dem sei hier das Ultra Matte Varnish von AK Interactive (*) empfohlen. Nach meinem empfinden trocknet dieser Lack noch matter als das Varnish von Vallejo. Allerdings habe ich selbst auch den Eindruck, dass sich der Lack von AK Interactive nach dem Auftrag mit dem Airbrush vergleichsweise leicht abreiben lässt. Dies mag durchaus ein Nebeneffekt der wirklich matten Oberfläche sein. Wer allerdings auf der Suche nach einem schönen Finish für seine Vitrinenmodelle ist, sollte dieses Produkt durchaus einmal ausprobieren.

Spraydose

Ich persönliche setze Lack aus der Spraydose immer weniger ein. Zum einen sind die Dosen nicht gerade günstig und zum anderen ist es auch aus Nachhaltigkeitsgründen nicht schlecht, möglichst wenig auf Spraydosen zurückzugreifen. Allerdings bin ich nun einmal auch in der glücklichen Lage, einen Airbrush mein eigen zu nennen und somit bringe ich dabei auch kein großes Opfer.

In den Fällen, in denen ich eine Spraydose einsetze, greife ich bei Glanzlack auf Vallejo Gloss Varnish (*) und bei Mattlack auf dieses Produkt von Revell (*) zurück. Der „Mattlack“ von Revell wird eigentlich als farblose Acryl-Sprühfarbe verkauft, stellt aber letztend Ende nichts anderes als ein Varnish/ einen Lack in dem in diesem Artikel beschriebenen Sinne dar. Die Kosten sind dabei für die recht kleine Menge (100 ml) ziemlich hoch, aber ich bin von diesem Produkt absolut überzeugt und gebe das Geld gerne aus. Das Finish ist wirklich schön matt und ich hatte noch nie irgendwelche Probleme mit dem Ergebnis. Und das, obwohl ich schon einige dieser kleinen Dosen aufgebraucht habe. (Ich habe überlegt, ob ich den Begriff „idiotensicher“ mit in diese Beschreibung aufnehme, mich dann aber dagegen entschieden. Natürlich besteht immer die Möglichkeit, dass jemand herausfindet, wie man dieses Produkt doch falsch einsetzt. 😉 )

Sollte man nicht so viel Geld für Spraydosen ausgeben wollen, bleibt auch noch die Option auf Baumarktprodukte zurückzugreifen. Vor allem die Eigenmarken der großen Baumärkte sind vergleichsweise günstig. Der Einsatz dieser Produkte für unser Hobby ist grundsätzlich auf jeden Fall möglich. Ich selbst habe beispielsweise fast eine komplette Warhammer 40k Ork Armee mit dem Seidenmatt Klarlack der Obi Hausmarke versiegelt. Allerdings sollte der Einsatz dieser Sprays unbedingt getestet werden. Dieser Test sollte auch möglichst auf einem strukturierten Objekt erfolgen, um sehen zu können, wie der Lack mit Vertiefungen umgeht. (Hierzu könnte man z.B. Strukturen in einen alten Gussrahmen schnitzen, wenn man keine seiner Miniaturen „opfern“ will.) Außerdem sollte man bedenken, dass die Baumärkte gelegentlich den Lieferanten und/oder die Rezeptur ihrer Hausmarkenprodukte verändern, ohne dies groß auf den Gebinden zu vermerken. Es kann also durchaus passieren, dass das „gleiche“ Produkt bei der ersten Dose noch gut funktioniert hat und dann nach dem Nachkauf etwas andere Eigenschaften aufweist. (Natürlich können auch Hersteller von Hobbyprodukten ihre Rezeptur einmal verändern. Allerdings scheint es so, dass sie dann mit einer „neuen Rezeptur“ werben. Außerdem haben diese Hersteller genau unseren Anwendungsbereich im Blick.)

Man kann wohl auch davon ausgehen, dass Baumarktprodukte tendenziell recht robust sind. Dies und der Preis sprechen dafür, diese Sprays auf größeren Geländestücken einzusetzen. Spielfeldelemente für Tabletopspiele sind einer vergleichsweise großen Belastung ausgesetzt und sollten auf jeden Fall versiegelt werden. Sie sind deutlich größer als unsere Miniaturen (was den Verbrauch entsprechend erhöht) und es kommt bei ihnen auch normalerweise nicht auf jedes Detail an, sodass ich in diesen Fällen durchaus auf Baumarkprodukte zurückgreife.

14 Replies to “Modelle lackieren (varnishing)”

  1. Wow hat das lange gedauert. Aber treu nach der Prämisse gut Ding will Weile ist das ein grandioser Artikel geworden! Die Informationen, die du hier gesammelt hast hätten mir am Anfang einige versaute Minis erspart. Es freut mich, dass ich zu diesem Artikel beitragen konnte!

    Zum Punkt Temperatur des Sprühlacks. Besonders wenn es richtig kalt draußen ist empfiehlt es sich auch die Dosen in warmem Wasser aufzuwärmen. Wenn man sie dann schüttelt sollen sich die Komponenten besser vermischen lassen und auch draußen beim Sprühen länger vermischt bleiben. Ich habe dazu keinen Vergleich gemacht. Allerdings hatte ich schon Probleme beim Sprühen im Kalten und das hat dazu beigetragen es zu verhindern.

    Beim Thema Sprühlacke aus dem Baumarkt sollte man immer einen Test machen bevor man eine Mini einsprüht. Meine ersten Minis habe ich mit einem Baumarkt Produkt eingesprüht. Dabei habe ich gleich mal 8 Stück eingesprüht. Als die trocken waren habe ich gemerkt, dass der Lack eine recht „klebrige“ Oberfläche hat. Diese sorgt leider für sehr leichten Abrieb des Lackes.

    Abschließend noch eine Frage zu den Mattlacken. Ich liebe das Finish des Ultra Matt Varnish von AK. Da du meinst das von Vallejo ist robuster, wäre ein Umstieg überlegenswert. Ist das ein großer Unterschied in der Robustheit?

    Vielen Dank für diesen Artikel!
    Christoph

    1. Hallo Christoph,

      wie immer vielen Dank für deinen Input (der ja ohnehin schon in diesem Artikel steckt).
      Zu deiner abschließenden Frage: Ich habe es nicht direkt in einer Testreihe getestet, aber ich habe schon den Eindruck, dass das so ist. Der Premium Lack von Vallejo enthält ja Polyurethan, was grundsätzlich für eine robustere Oberfläche sorgen soll. Das Ultra Matte Varnish habe ich auch schon mehrfach von Miniaturen abgegrabbelt (noch während letzter Arbeitsschritte nach dem Lackieren), bei dem Vallejo Lack habe ich das noch nicht geschafft. Ich selbst bin jedenfalls umgestiegen.

      1. Immer wieder bitte gerne 😉
        Danke für deine ergänzende Antwort. In dem Fall werde ich die Premium Lacke von Vallejo testen. Wollte sowieso mal in die Vallejo Welt rein schnuppern.

  2. Hallo Rouven

    Vielen Dank für diesen sehr ausführlichen Artikel. Deine Beiträge aber auch deine gesamten Webseite sind einer wahrer Schatz für den Wissbegierigen.

    Erst vor 2 Tagen habe ich mir einen große Baustelle in meine aktuellen Bauprojekt durch falsches Handling des Varnish versaut.

    Konkret war alles überzogen von frosting. Diesen Begriff habe ich erst heute bei dir kennen gelernt.
    Ergebnis war abschleifen und alles neu machen. 😀

    Für den jetzigen Artikel hätte ich mir mehr Fotos gewünscht vor allem zum frosting. Trotzdem bin ich restlos begeistert von deinen Artikeln und werde deine Webseite in den eigenen Projekten weiter empfehlen.
    LG Stefan

    1. Hallo Stefan,
      du hast mein Mitgefühl. Nachdem man schon so viel Arbeit in ein Projekt gesteckt hat, kann ein schlecht ausgefallenes Varnish echt demotivierend sein.
      Und ja, über das mit den Fotos habe ich auch länger nachgedacht. Letztendlich haben drei Punkte dazu geführt, dass ich eher wenig Fotos eingebaut habe:
      1) Die Fertigstellung des Artikels hätte dann noch mal deutlich länger gedauert und ich wollte halt einfach auch mal fertig werden.
      2) Das Auffangen von Lackschichten auf Fotos ist nicht ganz einfach, da die Schichten halt durscheinend und/oder reflektierend sind.
      3) Speziell für die Darstellung von Frosting hätte ich mir darüber hinaus ja auch noch eine bereits bemalte Mini versauen müssen. 😉 Vielleicht hole ich das aber noch mal nach, da gerade das Zeigen eines Rettungsversuchs wohl wirklich recht interessant für viele Leute wäre. (Vielleicht wird das auch noch mal ein extra Mini-Artikel.)

      Vielen Dank für dein Feedback!

  3. Schöner Artikel mal wieder. 🙂

    Was die Widerstandsfähigkeit angeht: Manche Maler nutzen gern auch folgenden Weg: Glanzlack zum Zweck der Widerstandsfähigkeit und dann, wenn die Schicht durchgetrocknet ist, den (Seiden-)Mattlack um das gewünschte Finish zu erreichen. Ist aber natürlich noch ein Schritt mehr. Das kann man aber auch sehr gut mit der „Dekoration“ verbinden. Beispiel: Bei meinen Death Guard Plague Marines habe ich erst einmal einen Glanzlack aus der Spraydose aufgetragen. Dann mit Pinsel die Rüstung etc. mit Seidenmattlack versehen und die Pigmentflächen an den Beinen um getrockneten Schlamm gut rüberzubringen, sogar mit Ultra-Matt-Lack versehen. Tentakel wurden nicht weiter bearbeitet und blieben glänzend um auch vom Finish her das nasse, schleimige darzustellen. So kann man mit den verschiedenen Klarlacken seine Mini quasi noch einmal bemalen und dabei die verschiedensten Details auch bez. Finish und „Lichtreaktion“ weiter ausarbeiten.
    http://www.blindsicht.de/stuff/wh-plaguemarines04.jpg

    Und noch ein Tipp: Sollt man mit speziellen Farben für Blut oder auch Schleim/Rotz arbeiten, wie zB. GWs „Blood for the Blood God“ oder „Nurgles Rot“: Diese erst NACH dem Varnish auftragen und dann nicht wieder mit Klarlack behandeln. Diese Farben sind schon von sich aus nahezu perfekt auf den Effekt ausgearbeitet den sie erzielen sollen und wenn man den Klarlack erst danach aufträgt, wirken sie sehr schnell nicht mehr wie Blut/Schleim sondern eher wie rote oder grüne Farbe…

    Achja, Frosting soll angeblich auch entstehen können wenn die Luftfeuchtigkeit zu gering ist, nicht nur bei zu hoher Luftfeuchtigkeit.

    1. Hallo Object303,

      ja, letztendlich mache ich das mit der Kombination aus Glanz und (Seiden-)Mattlack ja auch so.

      Vielen Dank für deinen Input!

  4. Toller Artikel, ich benutze die Vallejo Premium Matt (62.062 ) und Glanzlacke (62.0624) auch schon länger.
    Allerdings habe ich sie bisher immer mit den „normalen“ Vallejo Produkten verdünnt, sprich Airbrush Thinner (71.361 ), Airbrush Flow Improver (71.462 ). Leider verstopft diese Kombination mir des öfteren die Airbrush.
    Du hast ja geschrieben, das Du den Reducer 62.066 zum verdünnen nimmt, habe ich so richtig verstanden?
    Wozu sind dann Clear Base 62.068 und Retarder 62.065 gut?
    Man findet halt so gar keine Infos bei den Händlern, außer der Katalog Beschreibung.

    1. Hallo Jogie,

      vielen Dank.

      Ich habe beide Produkte noch nicht eingesetzt, aber bei dem Retarder wird es sich wohl um einen Trocknungsverzögerer handeln. Dieser erhöht die Zeit, die die Farbe zum Trocknen benötigt. Das kann bei bestimmten Verfahren, z.B. beim wet blending, nützlich sein, weil man mehr Zeit hat, um die Farbe zu manipulieren/ sie auf der Mini hin und her zu schieben.

      Clear Base hingegen wird wohl Farbe ohne Farbpigmente sein. Im Gegensatz zum Reducer verdünnt man damit die Farbe nicht, sondern streckt sie eher. Du hast dann also letztendlich eine weniger pigmentdichte Farbe, die genauso dick- bzw. dünnflüssig ist, wie die normale Farbe. Das ist z.B. beim Lasieren sehr nützlich.

  5. Wow, der Artikel ist mal richtig gut! Vielen Dank dafür!
    Richtig gut, dass es außerdem auch eine Art Kollaboration darstellt, danke an dieser Stelle auch von mir an Christoph.

    Ich habe vor einigen Wochen drei Miniaturen bemalt, und anschließend lackiert. Dabei habe ich die ersten beiden mit Klarlack besprüht, und beim dritten hat mich dann die „Experimentierlust“ gepackt, und ich habe Mattlack verwendet. Vermutlich war es eine Kombination aus recht hoher Luftfeuchtigkeit und kalten Temperaturen, sowie zu großer Menge an Lack, jedenfalls ist das letzte Modell ziemlich „frosty“ geworden…und dabei war das doch ein Drache auf einer Lava-Base 😀

    Beide sind aus dem Baumarkt, und scheinen recht gut kompatibel mit den Farben (Citadel) zu sein.
    Hatte die Lacke auch bereits als Finish für eine Mandalorianische Rüstung, die ich begonnen hatte, verwendet.

    Ich werde mal bei Gelegenheit versuchen, den Drachen zu retten, vielleicht nehme ich zur Sicherheit aber doch den Klarlack, eventuell auch wie von Christoph angemerkt vorher in warmem Wasser aufgewärmt – das ist eine prima Idee!
    Jedenfalls hast du, lieber Rouven, mir mit diesem Artikel wieder ein wertvolles Werkzeug in meine Erfahrungs-Werkzeugskiste gelegt. Nochmals vielen herzlichen Dank dafür!

    1. Hallo Michael,

      vielen herzlichen Dank für dein Feedback. Ja, dass Christoph mir die Ergebnisse seiner Versuchsreihe nicht nur hat zukommen lassen, sondern mir auch noch erlaubt hat, sie weiterzuverwenden, war natürlich ein klasse Zug von ihm.

      Ich hoffe, dass du mit deinem Drachen noch mal Glück hast. Viel Erfolg beim Retten!

  6. Vielen Dank für den interessanten Artikel. Der Hinweis auf mögliche Beschädigungen durch Schaumstoff-Transporttaschen hat mich richtiggehend aufgeschreckt, da ich mehrere davon benutze und dieses Vorgehen bisher immer für besonders schonend hielt. Mein erster Gedanke: Meine schönen angemalten Blackstone Fortress-Minis in der maßgeschneiderten Feldherr-Schachteleinlage, Panik! Nach einigen Spielen ist da aber noch alles im grünen, ja ich möchte sogar sagen: bunten Bereich 🙂
    Goobertown Hobbies hat übrigens Abnutzungseffekte kürzlich ebenfalls auf YouTube thematisiert, leider auf Englisch ( https://youtu.be/QprguyGPE50 ). Zumindest mit Glanzlack konnte er einen Abrieb durch Schaumstoff nicht demonstrieren, was mich wieder etwas beruhigt hat. Ich werde mich auf jeden Fall weiter schlau dazu machen und bin jetzt sensibilisiert. Danke!

    1. Hallo Ray,

      vielen Dank für deine Rückmeldung und den Link. Das Video hatte ich zwar schon wahrgenommen, aber noch nicht angeschaut. Das werde ich noch nachholen.
      Erschrecken wollte ich natürlich niemanden. Und stimmt, bei Glanzlack sollte die Reibung deutlich geringer ausfallen. (Das sieht man ja auch an Christophs Härtetest.) Eine Alternative zu Schaumstoffeinlagen sind magnetisierte Minis auf Metalltabletts. Dazu gibt es mittlerweile auch schon einige vorgefertigte Lösungen.

      1. Ich habe mittlerweile das Video von Goobertown Hobbies gesehen und muss sagen: „Respekt!“ Ich hätte wohl selbst eher keine Lust gehabt, Miniaturen stundenlang über ein Spielbrett zu schieben, um die Abnutzung unter ziemlich realen Bedingungen zu simulieren. Wobei ich mir zwischendurch die Frage gestellt habe, ob das Fett an den Chips nicht ggf. sogar zum Schutz der Minis beigetragen hat, da das Fett ja schmiert und somit weniger Reibung entstehen sollte. Aber vermutlich verliere ich mich jetzt in Details.
        So oder so ist durch das Video die Wichtigkeit einer Versiegelung ja wirklich noch einmal bestätigt worden. Dass mit Airbrush aufgesprühte Farbe scheinbar besser hält als aufgepinselte Farbe, hat mich allerdings überrascht.

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