Lasieren (Glazing)

Ja, ich gebe es zu. Bei dem Beitragsbild hier habe ich ein wenig geschummelt. Der Lanzenträger steht nur einmal auf meinem Schreibtisch. Ich habe dieses Modell auch nicht dreimal in jeweils einer anderen Farbe bemalt. Nein, ich habe lediglich ein Foto eines Lanzenträgers mit meinem Bildbearbeitungsprogramm kopiert und unterschiedlich eingefärbt. Was diese Schummelei soll? Nun, sie hilft mir ein wenig, eine weitere sehr wichtige Bemaltechnik zu erklären: Die Arbeit mit Lasuren bzw. glazing.

Ich bin selbst noch immer in der Experimentierphase, was diese Technik angeht. Leider habe ich glazing sehr lange vernachlässig, was nicht zuletzt auch daran lag, dass einige erste Versuche eher von Misserfolgen gekrönt waren. Mittlerweile weiß ich, woran das lag und hoffe, mit diesem Artikel dem einen oder anderen unnötige Misserfolge ersparen zu können.

Im folgenden Artikel werden ich im Übrigen zwischen dem deutschen Worte „Lasur“ und dem englischen „glaze“ frei wechseln, um Wortwiederholungen zu vermeiden. Ich tendiere jedoch etwas dazu, „glaze“ zu bevorzugen, da ich bei „Lasur“ immer eher an Holzanstriche denken muss.

Was ist glazing?

Beim Miniaturenbemalen spricht man allgemein dann von glazing, wenn man mit einer Farbe arbeitet, deren Pigmentanteil so stark verdünnt wurde, dass sie nicht mehr deckend aufgetragen werden kann – die darunterliegenden Farbschichten scheinen also durch. Im Prinzip funktioniert eine Lasur also wie eine Brille mit getönten Gläsern: Wenn ich durch eine Brille mit rosa Gläsern schaue, kann ich noch immer hell und dunkel unterscheiden, aber alles was ich sehe, ist rosa eingefärbt.

Das Foto weiter oben funktioniert auf ähnliche Weise. Ich habe etwas an den Einstellungen für den Farbton und der Farbsättigung herumgespielt und somit mein eigentlich schwarz-weißes Modell unterschiedlich eingefärbt. Die dunklen Bereiche im Schatten sind noch immer dunkel und die hellen, erhabenen Bereiche sind noch immer hell – die Farbe hat sich aber verändert.

Wie stelle ich ein glaze her?

Es gibt zwar durchaus auch glazes fertig zu kaufen, beispielsweise von Citadel/ Games Workshop (*), doch lässt sich auch mit jeder anderen Farbe (mit gewissen Einschränkungen bei den Metallics) ganz problemlos ein glaze erstellen.

Um eine Farbe als glaze einsetzen zu können, müssen wir dafür sorgen, dass der relative Anteil an Farbpigmenten in der Farbe abnimmt. Da wir die Pigmente nicht aus der Farbe fischen können, müssen wir den Anteil der anderen Bestandteile der Farbe erhöhen. Grundsätzlich könnte man zwar mehr Wasser (also das Lösemittel in unseren Farben) hinzugeben, doch kann es bei einer zu hohen Verdünnung mit Wasser dazu kommen, dass die Farbe „bricht“ und sich die Farbpigmente unregelmäßig in der Farbe verteilen. Außerdem gerät das glaze dadurch recht dünnflüssig und ist weniger leicht zu kontrollieren (es funktioniert dann eher wie ein Wash). Aus diesem Grund ist es sinnvoll, mehr Bindemittel in unsere Farbe zu geben – also Acrylmedium. Vallejo bietet beispielsweise explizit ein glaze medium (*) an. (Ausführlichere Informationen zum Aufbau von Farben und dem Einsatz unterschiedlicher Acrylmedien findest du hier.) Es gibt allerdings auch viele Maler, die ausschließlich mit Wasser arbeiten – mit ausreichend Übung ist dies also offensichtlich möglich.

Das genaue Verhältnis von Farbe zu „Verdünnungsmittel“ lässt sich pauschal nicht angeben. Als ganz groben Ausgangspunkt für meine glazes mische ich sie zunächst in einem Verhältnis von etwa 1:4 (ein Teil Farbe: vier Teile Medium). Ich teste dann auf einem Blatt Papier, wie kräftig die Farbe noch ist und mische dann ggf. noch mehr Wasser oder Medium hinzu.

Das konkrete Mischungsverhältnis hängt zum einen von der verwendeten Farbe ab. Bei vielen Vallejo Game Colour Farben kann das 1:4 Verhältnis schon völlig ausreichen. Bei Farben mit einer noch höheren Pigmentdichte, wie beispielsweise den Scale 75 Farben, lag mein Verhältnis jedoch auch schon bei etwa 1:10.

Zum anderen hängt das Mischungsverhältnis auch davon ab, wozu genau ich das glaze verwenden will (siehe dazu weiter unten bei den Anwendungsbeispielen) und wie viel Erfahrung ich bereits mit dem Einsatz von glazes habe. Ein erfahrener Maler wird diese Technik immer in Kombination mit anderen Techniken einsetzen und somit den teils langwierigen Prozess des Lasierens abkürzen können (z.B. durch den Einsatz von feathering), indem er mit weniger stark verdünnten Farben arbeitet.

Wie funktioniert glazing?

Nachdem wir unser glaze angemischt haben, können wir uns daran machen, die Farbe auf unsere Miniatur aufzutragen.

Bevor man die Lasur auf die Figur aufträgt, muss überschüssige Flüssigkeit vom Pinsel abgetupft werden.

Doch bevor wir die Farbe auf die Miniatur bringen, folgt noch der vielleicht wichtigste Schritt: Wir tupfen unsere Pinselspitze kurz auf einem Stück Haushaltspapier ab – und zwar so, dass die überschüssige Flüssigkeit aus unserer Pinselspitze „ausbluten“ kann. Es geht hier nicht um ein Abwischen des Pinsels, wie man es beim Trockenbürsten tun würde, sondern nur um ein, zwei sachte Tupfer.

Tut man dies nicht, befindet sich so viel Flüssigkeit im Pinsel, dass die Farbe auf der Miniatur verläuft. Das glaze würde sich also eher wie ein Wash verhalten und in die Vertiefungen der Miniatur laufen. Man würde somit also keinen gleichmäßigen Farbfilter erreichen, sonder eher eine Betonung der Vertiefungen der Miniatur, was teilweise zu sehr unnatürlichen Effekten führt. Das ich diesen Schritt weggelassen habe, war im Übrigen auch der Grund für das Scheitern meiner ersten Versuche.

Beim Auftragen der Farben arbeitet man üblicherweise eher mit der Seite der Pinselspitze und zumindest dann, wenn man das glaze im Schichtverfahren einsetzen möchte (siehe unten), verläuft der Pinselstrich in Richtung der Stelle, wo der Farbton des glazes am kräftigsten geraten soll. Denn die meisten Farbpigmente werden sich an der Stelle sammeln, an der man seinen Pinselstrich beendet.

Anwendungsmöglichkeiten

Auch wenn es sehr widersprüchlich klingt, ist die Arbeit mit Lasuren für mich sowohl eine Technik, die unglaublich viel Zeit sparen kann, also auch die wohl aufwändigste und zeitraubenste Vorgehensweise, die ich kenne. Dieser Widerspruch löst sich jedoch auf, wenn man sieht, wie unterschiedlich glazing im konkreten Fall eingesetzt werden kann.

Glaze als Filter

links: Lanzenträger (GW) mit pre-shading; rechts: das selbe Modell mit bräunlicher und roter Lasur

Glazes können eine echte Zeitersparnis sein, wenn man sie in Kombination mit pre-shading einsetzt. Der Lanzenträger links in dem Foto oben, der auch als Grundlage für meine Bildbearbeitungsspielerei herhalten musste, wurde zuerst schwarz (Surface Primer Black von Vallejo) grundiert. Es folgte eine weitere Grundierung mit Grau (Surface Primer Grey von Vallejo) von schräg oben und anschließend noch eine Schicht Weiß (Surface Primer White von Vallejo) direkt von oben.

Das Resultat dieser Vorbehandlung ist ein Modell, das recht natürlich wirkende Schatten aufweist. Würde man die Figur von unten betrachten, wäre sie noch immer fast schwarz und von oben gesehen ist die Miniatur sehr hell – ganz so als würde sie von oben (z.B. durch die Sonne) beleuchtet werden.

Der Einsatz eines glazes erlaubt, dass diese Schatten erhalten bleiben. Wenn mann nun – so wie in dem Foto oben auf der rechten Seite geschehen – die Kleidung des Lanzenträgers mit stark verdünnter roter Farbe bemalt, bleiben beispielsweise die fast schwarzen Schatten in den Vertiefungen der Ärmel erhalten. Die Schultern werden jedoch hellrot. Auch der Schaft der Lanze weist auf der Oberseite einen hellen Braunton auf, der dann auf der Unterseite bis ins Schwarze verläuft.

Auf diese Weise erreicht man in nur wenigen Minuten stufenlose Farbverläufe. Vor allem wenn man für seine nächste Warhammer Schlacht eine ganze Reihe an Miniaturen bemalen möchte, ist dieses Vorgehen eine sehr nützliche Abkürzung. Aber auch wenn man seine Modelle auf einem höheren Niveau bemalen möchte, kann dieses Vorgehen ein praktischer erster Schritt sein, auf dem man gut aufbauen kann (beispielsweise durch das Ausarbeiten noch stärkerer Kontraste).

Natürlich muss man sich nicht darauf beschränken, glazes nur auf schwarz-weiße Untergründe aufzutragen. „Glazes als Filter“ sind auch dann nützlich, wenn man eine Miniatur durch das Auftragen von Schichten bemalt hat und diese Schichten ohne großen Aufwand noch etwas weiter zusammenführen möchte. Wenn ich beispielsweise die Haut eines Modells in drei verschiedenen hautfarbenen Tönen bemalt habe, mir aber die Übergänge zwischen diesen Farbtönen zu deutlich erscheinen, kann eine ganzflächig aufgetragene Lasur aus dem dunkelsten Farbton diese Übergänge etwas sanfter gestalten. (Natürlich darf man hier auch keine Wunder erwarten – bei nur drei Farbtönen wird man immer Farbübergänge erkennen können.)

Glazes schichten

Obwohl der Einsatz von glazes in dem eben beschriebenen Verfahren sehr effektiv ist, sind die konkreten Anwendungsmöglichkeiten dann doch eher auf bestimmte Situationen begrenzt. Eine deutlich variablere – aber zeitaufwändige – Methode, bei der man sehr viel Kontrolle darüber hat, welche Bereiche auf einem Modell hell und welche dunkel erscheinen, ist der Einsatz von glazes im Schichtverfahren.

hellgrüne Grundfarbe mit dunkelgrünem Glaze

Im Prinzip benötige ich hierfür nur eine Grundfarbe und ein Farbe, die als glaze dient. Erstere wird auf der gesamten Fläche aufgetragen. In der Beispielgrafik oben ist das der helle Grünton ganz links. Anschließend trage ich eine erste Schicht des glaze auf – hierbei achte ich jedoch darauf, dass ich nur fast die gesamte Fläche bemale. Auf einem kleinen Teil bleibt die reine Grundfarbe stehen. In dem Beispiel oben würde ich den Pinsel von links nach rechts führen, damit sich die Pigmente in dem Bereich sammeln können, der später auch dunkler geraten soll. Wenn ich meine Lasur richtig verdünnt habe, werde ich kaum einen Unterschied zwischen der Grundfarbe und der ersten Schicht des glaze erkennen. Wenn die Lasur trocken ist (wichtig!), trage ich eine zweite Schicht auf und dieses Mal bemale ich eine Fläche, die wiederum etwas kleiner ist als meine erste glaze Schicht. Das ganze wiederhole ich so lange bis ich mit dem entstandenen Farbverlauf zufrieden bin bzw. bis die oberste Schicht des glaze den gleichen Farbton aufweist wie die reine Farbe, die ich zum anmischen der Lasur verwendet habe (ganz rechts in der Grafik oben).

Die obige Grafik ist dabei nur als ein grobes Modell zu verstehen. Die Anzahl der Schichten richtet sich immer auch nach dem Grad der Verdünnung. Je weniger Farbpigmente sich in einem glaze befinden, desto sanfter werden die Farbübergänge und desto mehr Schichten benötigt man für einen völlig deckenden Auftrag – dies können durchaus auch einmal 20 hauchdünne Schichten sein.

Von hell nach dunkel – meistens

Zu beachten ist auch, dass diese Technik deutlich leichter funktioniert, wenn die Grundfarbe heller ist als die Farbe, die man als glaze verwendet. Mit heller Farbe auf dunkel lasieren sollte man eigentlich nur, wenn die Farbunterschiede ohnehin nicht zu groß sind und es sich nur um kleinere Bereiche handelt.

Primaris Lieutenant (GW) mit Energieschwert

Das Modell oben zeigt eine solche Situation. Ich habe das Energieschwert zunächst in einem mittleren bis helleren Blauton als Grundschicht bemalt (Sky Blue von Scale 75). Die dunkleren Bereiche wurden mit Navy Blue bzw. in der oberen rechten Ecke auch mit einer Mischung aus Navy Blue und Flat Black (beides Scale 75) lasiert. Die helleren Bereiche wurden hingegen mit einer Mischung aus Sky Blue und Vallejo Model Air White erreicht (plus Kantenakzente in reinem White).

Sehr helle Farben sind allerdings wirklich nur bedingt als glaze in dieser Anwendung geeignet. Vor allem reines Weiß ist problematisch, da es schnell eine Art kreideartige, fleckige Oberfläche ausbildet (hier sind andere Techniken, wie beispielsweise wet blending besser geeignet).

Ähnliche Farbtöne

Je ähnlicher sich zwei Farbtöne sind, desto leichter gestaltet sich der Farbverlauf. Aus diesem Grund ist es oftmals sinnvoll, Zwischenschritte einzulegen. Statt zu versuchen mit einem einzigen Farbton von beispielsweise hellblau in ein dunkles Violett glazen zu wollen, ist es deutlich einfacher, zuerst auf dem Hellblau in ein dunkleres Blau hineinzulasieren. Anschließend könnte man ein helles Violett auf dem dunklen Blau und danach ein dunkles Violett (also die Zielfarbe) auf dem hellen Violett einsetzen.

Einige Maler blocken die entsprechenden Farben auch vorher grob auf der Miniatur und erarbeiten dann anschließdend die Farbverläufe mittels glazing. (Im Rahmen meines Artikels zum wet blending bin ich auf diese Möglichkeit auch schon einmal eingegangen.)

Geduld zahlt sich aus

Wenn man glazes schichtweise aufträgt, ist Gedult von äußerster Wichtigkeit. Jede Schicht muss trocken sein, bevor man eine neue Schicht hinzufügt. Ist sie das nicht, besteht die Gefahr, dass man die untere Farbschicht wieder ablöst, was dann zu sehr unschönen Rändern führt und die Arbeit, die man in den Aufbau eines möglichst stufenlosen Farbverlaufs gesteckt hat, schnell zunichte machen kann.

Man kann den Trocknungsprozess mit einem Fön durchaus etwas beschleunigen, sollte dann jedoch darauf achten, dass man nicht zu viel Hitze auf das Modell bringt (Resin könnte sich verformen) oder gar Farbe weggepustet/ verschoben wird.

Abschließende Überlegungen

Wie schon in meinen Artikel zum wet blending und feathering erwähnt: Die Übergänge zwischen einzelnen Techniken sind fließend. Ich widme mich in jedem Artikel zwar jeweils nur einer Technik, um das zugrundeliegende Prinzip verständlich machen zu können, doch in der realen Anwendungen kann man diese Techniken nicht immer klar trennen. (Und warum sollte man das auch?)

Wenn ich schichtweise mit glazes arbeite, ist es beispielsweise durchaus sinnvoll, an geeigneter Stelle (vor allem dort, wo man den Pinsel angesetzt hat) die Ränder der aktuellen Schicht noch etwas auszufeathern.

Ein anderes Beispiel: Um den langwierigen Prozess des Lasierens etwas zu beschleunigen, kann man auch erst einmal mittels wet blending einen grundlegenden Farbverlauf etablieren, den man dann durch gezieltes, schichtweises glazing noch weicher gestaltet.

Ich hoffe, dass dieser Artikel dem einen odern anderen etwas weiterhilft. Über positives Feedback und konstruktive Kritik in den Kommentaren freue ich mich immer sehr.

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