Trockenbürsten (Drybrushing)

Wenn man den Begriff „Trockenbürsten“ im Internet recherchiert, findet man sehr schnell Miniaturenbemaler, die immer wieder betonen, dass diese Technik ihren schlechten Ruf zu Unrecht habe und es sich hierbei keinesfalls nur um einer Anfängertechnik handele. Vielmehr sei es ein wichtiges Werkzeug im Werkzeugkasten eines jeden Hobbyisten. Doch wo Rauch ist, da ist auch Feuer. Wenn so viele ein scheinbar negatives Bild von dieser Technik haben, ist dann nicht vielleicht etwas Wahres dran? Im Folgenden möchte ich dies etwas weiter beleuchten und dazu erst einmal erklären, was Trockenbürsten eigentlich ist und wie es funktioniert.

Die meisten Beginner, denen man das Trockenbürsten zeigt, sind fasziniert davon, wie schnell man mit wenig Arbeit Details an einem Modell hervorheben kann. Diese Faszination ist es dann wohl auch, die dazu führt, dass diese Technik bei jeder sich bietenden Gelegenheit eingesetzt wird – doch dies ist wohl auch der Grund für den teilweise schlechten Ruf der Technik. Aber eins nach dem anderen.

Was genau ist mit Trockenbürsten gemeint?

Die Farbpigmente legen sich an den hervorstehenden Teilen des Modells ab.

Mit „Trockenbürsten“ bezeichnet man das Bemalen einer Miniatur mit einem nahezu trockenen Pinsel, auf dem sich nur noch wenig Farbpigmente befinden. Diese Pigmente werden – wie der Name schon vermuten lässt – auf die Figur gebürstet. Dabei bleibt die Farbe an den hervorstehenden Ecken und Kanten des Modells hängen. Diese Technik dient also dazu, Highlights zu setzen.

Was benötige ich zum Trockenbürsten?

Beispiele für typische (bereits gebrauchte) Trockenbürstpinsel

Um die Technik sinnvoll auszuführen, benötigt man etwas andere Pinsel als bei den sonstigen Maltechniken. Normalerweise würden wir ja bei einem Pinsel darauf achten, dass er eine präzise Spitze aufweist und gleichzeitig der Haarkörper möglichst viel Flüssigkeit bzw. Farbe aufnehmen kann.

Auch die Festigkeit bzw. Starrheit der Haare spielt eine Rolle – dies ist jedoch eher Geschmackssache. Für das Trockenbürsten verwenden die meisten hingegen wohl eher einen Pinsel mit recht festen bzw. starren Haaren – fast so wie der klassische Borstenpinsel, den man aus dem Tuschkasten der Grundschule kennt. Die starreren Haare erzeugen etwas mehr Reibung am Modell und die Farbpigmente werden so besser abgegeben. Außerdem sind diese Pinsel robuster und überleben diese unsanfte Technik etwas länger (allerdings auch nicht für immer). Ich persönlich rate jedoch von der Verwendung eines echten Borstenpinsels ab, da die Borsten wiederum zu fest sind und zu schnell eine erkennbare Struktur auf dem Modell hinterlassen.

Die Spitze des Pinsels sollte relativ breit sein – die genaue Größe ist natürlich, wie sonst auch, abhängig von der Größe der zu bemalenden Fläche. Viele Hersteller bieten extra Trockenbürstpinsel an, die genau für diese Technik gedacht sind, beispielsweise Games Workshop/ Citadel (*) oder Army Painter (*).

Schminkpinsel Trockenbürstpinselalternative

Eine Alternative zum Borstenpinsel, die ich erst seit kurzer Zeit für mich entdeckt habe, sind im Übrigen Schminkpinsel (*). Der Onlinehandel ist diesbezüglich für uns Hobbyisten ein echter Seegen. Zum einen bekommt man 20-teilige Sets für wenige Euros und zum anderen erspart man sich als Mann peinliche Nachfragen an der Kasse ;-).

Abgesehen von Pinseln benötigt man zum Trockenbürsten natürlich auch Farben. Zwar bietet Citadel bzw. Games Workshop hierfür ein eigenes Sortiment an Farben (*) an, doch funktioniert diese Technik grundsätzlich auch problemlos mit den Farben, die wir sonst auch zum Bemalen unserer Miniaturen verwenden. Ich persönlich kann mich im Übrigen mit den dicken Drybrush Farben von Games Workshop nicht anfreunden, da mir diese zu klumpig sind und ich Schwierigkeiten habe, sie gleichmäßig auf das Modell aufzutragen. Möglicherweise liegt dies jedoch auch an einem Anwendungsfehler meinerseits. Zum Trockenbürsten nicht geeignet sind allerdings Washes oder Glazes, da diese schlicht zu flüssig sind und – in Relation zur Menge des Mediums – zu wenig Pigmente enthalten.

Zuletzt benötigt man zum Trockenbürsten auch noch Haushaltspapier oder ggf. einen alten Lappen, um die Pinsel trockenzuwischen.

Wie funktioniert Trockenbürsten?

Der Pinsel sollte vor dem Auftragen der Farbe auf die Figur nahezu sauber gewischt werden.

Dieses Abwischen der Farbe vom Pinsel ist vermutlich der wohl wichtigste Schritt dieser Technik und wahrscheinlich auch der Schritt, bei dem man als Anfänger Fehler macht, weil man zu zaghaft ist. Auf dem Foto oben kann man sehen, wie viel Farbe ich wieder von meinem Pinsel abstreife, bevor der Pinsel das erste Mal in Kontakt mit dem Modell kommt. Jeder blaue Streifen (begonnen von links) ist dadurch entstanden, dass ich meinen Pinsel einmal nach unten und dann auf dem gleichen Weg einmal nach oben abgestriffen habe. Natürlich ist die Anzahl der Wischer völlig egal und natürlich würde man normalerweise auch nicht einen Strich neben den anderen setzten. Wichtig ist vielmehr, dass der Pinsel fast keine Farbpigmente mehr auf dem Papier hinerlässt, bevor man ihn am Modell einsetzt. Im Zweifelsfall sollte man immer zu wenig statt zu viel Farbe auf dem Pinsel haben. (Nach dem Streifen ganz rechts habe ich noch drei weitere Streifen auf einem zweiten Blatt hinterlassen, bevor ich mich an die Miniatur herangetraut habe.)

Der Pinsel bewegt sich von links nach rechts und umgekehrt über die hervorstehenden Kanten.

Beim eigentlichen Trockenbürsten sollte der Pinsel mit so wenig Druck wie möglich und locker aus dem Handgelenkt geführt werden – so ähnlich als würde man eine kostbare und zerbrechliche Antiquität mit einer Feder entstauben wollen. Die Technik funktioniert durch die häufige Wiederholung der Bewegung und nicht durch das Aufbringen von Druck. Die Bewegungsrichtung wird dabei von der Miniatur vorgegeben. Damit sich Farbe an den hervorstehenden Elemente der Miniatur ablegen kann, muss ich den Pinsel im rechten Winkel zur Kante bewegen, die ich bemalen möchte. In unserem zweidimensionalen Beispiel oben würde der Pinsel von links nach rechts und von rechts nach links über die Kanten geführt werden – und zwar so oft, bis sich genug Farbe abgelegt hat, dass man mit dem Ergebnis zufrieden ist. Würde man stattdessen den Pinsel in unserem theoretischen Beispiel von vorne nach hinten über die Strukturen führen, geriete auch Farbe in die Vertiefungen, was unserem angestrebten Ziel (das Setzen von farblichen Highlights auf die hervorstehenden Elemente) zuwider liefe. Natürlich bearbeitet man nicht jede einzelne Struktur einzeln. Verglichen mit anderen Techniken ist dieses Vorgehen relativ grob und man würde in unserem obigen Beispiel immer mehrere Kanten auf einmal bemalen. Ein Vorteil dieser Technik ist es ja eben, dass man recht schnell zu einem überzeugenden Ergebnis kommt.

Anwendungsbeispiel 1: Space Marine

Space Marine (GW): links Grundfarbe und Wash; Mitte erstes Trockenbürsten; rechts zweites Trockenbürsten

In dem obigen Beispiel wurde im ersten Schritt auf die blaue Grundfarbe (Macragge Blue, GW) ein Wash (Drakenhof Nightshade, GW) aufgetragen. Anschließend wurde das Modell mit einem etwas helleren Blauton (Altdorf Guard Blue, GW) trockengebürstet. Wie man sehen kann, treten die Konturen der Figur dadurch etwas besser zu Tage und sie wurde insgesamt aufgehellt. Der farbliche Unterschied zur Grundfarbe war jedoch nicht sehr hoch, sodass das Ergebnis noch recht subtil ausfällt. Im dritten Schritt wurde das Modell dann noch einmal mit einem noch helleren Blauton (Calgar Blue, GW) trockengebürstet. Der Unterschied zum ersten Schritt ist nun deutlich zu sehen und die Figur hat insgesamt mehr optische Tiefe erhalten.

Die Strukturen auf der Miniatur geben die Pinselrichtung vor.

Die Richtung der Pinselführung lässt sich gut an den Schulterpanzern des Space Marines veranschaulichen. In den Bereichen, in denen der Rand des Schulterpanzers von oben nach unten (bzw. umgekehrt) verläuft, führt man den Pinsel von links nach rechts und umgekehrt über das Modell. Genau andersherum verhält es sich mit dem unteren Teil des Schulterpanzers, also dort, wo die Struktur von links nach rechts (bzw. umgekehrt) verläuft. Hier wird mit dem Pinsel von oben nach unten und von unten nach oben gebürstet. Auf diese Weise treten die Kanten den Schulterpanzers deutlicher hervor – in meinem Beispielbild oben sieht man dies am deutlichsten am unteren Schulterrand.

Je nach Struktur der Figur muss die Pinselrichtung angepasst werden. Um die einzelnen Federn des geflügelten Schädels auf der Brust des Space Marines farblich zu betonen, muss sich die Pinselstrichrichtung entsprechend des Verlaufs der Federn verschieben.

Im Übrigen besteht natürlich auch die Möglichkeit, den Pinsel nur in einer Richtung über die Miniatur zu bewegen (und eben nicht hin und her zu bürsten). Auf diese Weise entsteht der Eindruck, dass sich die Lichtquelle in der Richtung befindet, von wo aus man über das Modell bürstet. Bewegt man also beispielsweise den Pinsel nur von oben nach unten über die Figur, wirkt es, als würde sich die Lichtquelle oberhalb der Figur befinden.

Der Schulterpanzer des Space Marines wirkt verschrammt.

Das Space Marine Beispiel zeigt allerdings auch die Grenzen der Technik des Trockenbürstens. Vor allem an den größeren glatten Flächen, wie den Schulterpanzern, hinterlassen die Borsten des Pinsels eine optische Struktur, die wie eine zerkratzte Oberfläche wirkt. Obwohl es auch Figurenbemaler geben soll, die diese Technik so gut beherrschen, dass ihnen die glattesten Übergänge gelingen, werden die allermeisten von uns wohl beim Einsatz des Trockenbürstens immer mit diesem Phänomen zu kämpfen haben. Diese Kratzer lassen sich durch den Einsatz von Lasuren durchaus noch abmildern bzw. sogar ganz entfernen, doch ist dieses Verfahren recht zeitaufwändig.

Anwendungsbeispiel 2: Beast of Nurgle

Beast of Nurgle (GW): links Grundfarben und Wash; rechts: nach dem Trockenbürsten

Als Grundfarben wurden auf den Bauch dieses Beast of Nurgle (GW) ein heller Beigeton (Ushabti Bone, GW) und ein helles Braun (Mud Brown, Vallejo Model Air) mittels Airbrush aufgetragen. Nachdem das braune Wash (Agrax Earthshade, GW) getrocknet war, wurde das Modell sowohl mit einem dunkleren Beige (Karak Stone, GW) als auch mit dem helleren Grundfarbton (Ushabti Bone, GW) trockengebürstet.

Diese Miniatur weist im Gegensatz zum Space Marine eine unebene und eher „natürliche“ Oberfläche auf. Der Bauch der Figur wirkt wie sprödes Leder und ist rissig und faltig. Zudem verläuft die Textur größtenteils in eine Richtung: von links oben nach rechts unten. Diese Eigenschaften machen dieses Modell zu einer idealen Oberfläche zum Trockenbürsten.

Wozu ist Trockenbürsten besonders gut geeignet (und woher hat es seinen schlechten Ruf)?

Wie man leicht an den beiden Beispielen oben erkennen kann, ist nicht jede Miniatur – oder besser gesagt: nicht jeder Teil einer Miniatur – gleich gut zum Trockenbürsten geeignet. Möchte man die möglichst glattes Finish erreichen, sollten man wohl eher auf andere Techniken zurückgreifen. Hat man es hingegen mit einer Miniatur zu tun, die sehr viel unebene Textur aufweist, ist Trockenbürsten ein toller Weg, um zügig ein sehr überzeugendes Ergebnis zu erreichen. Diese unebenen Strukturen findet man z.B. häufig bei Modellen, die viel Haar, Fell oder auch Schuppen aufweisen. Ein weiteres häufiges Anwendungsgebiet sind Geländestücke, da sich Mauerwerk und Felsen so sehr gut bemalen lassen. Nicht zuletzt ist Trockenbürsten die Technik schlechthin, um die Base einer Miniatur zu bemalen, da viele Tabletop-Spieler die Base gestalten, indem sie sie mit Sand oder auch Backpulver bestreuen, um einen unebenen Untergrund zu erzeugen.

Ich habe den starken Verdacht, dass der Grund für das schlechte Image, dass das Trockenbürsten bei einigen Miniaturenbemalern zu haben scheint, daher rührt, dass diese Technik gelegentlich in Situationen Verwendung findet, für die sie eigentlich nicht gedacht ist. Setzt man das Trockenbürsten jedoch dort ein, wo diese Technik glänzen kann, erlaubt sie einem mit nur wenig Aufwand noch so kleine Details eines Modells hervorstechen zu lassen.

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass diese Technik ihren schlechten Ruf zu Unrecht hat und es sich keinesfalls um eine Anfängertechnik handelt. 😉 Vielmehr ist sie ein wichtiges Werkzeug in unserem Repertoire, dass uns – verwendet in der richtigen Situation – schnell überzeugende Ergebnisse liefern kann.

2 Replies to “Trockenbürsten (Drybrushing)”

  1. Toll beschrieben, danke für den Beitrag. Eine Frage: Meine Pinsel (Citadel / Army Painter) sind bei dieser Technik immer recht schnell hinüber, besonders die Spitzen verbiegen sich stark. Was mache ich falsch?

    1. Danke für das Lob.
      Dass die Pinsel bei dieser Technik leiden, ist normal. Du kannst versuchen, die Abnutzung etwas zu reduzieren, indem du wirklich nur sehr leicht über die Oberfläche der Figur streichst/wedelst. Es ist außerdem sinnvoll, einen Trockenbürstpinsel für „feineres“ Trockenbürsten zu reservieren, mit dem du nur relativ kleine Highlights bemalst, und die etwas „ausgelatschteren“ Pinsel kannst du dann für die groberen Aufgaben (z.B. Gelände) verwenden. Außerdem solltest du die Pinsel nach der Benutzung gut auswaschen und idealerweise mit Pinselseife reinigen/ plegen. (Ich habe dazu hier vor kurzer Zeit etwas geschrieben.)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.