Wet blending

Es hat wirklich eine Weile gedauert, bis ich mich erstmals an diese Technik herantraute. Mir war wet blending in der Theorie zwar schon lange ein Begriff, aber irgendwie hielt mich lange Zeit etwas davon ab, diese Technik einmal auszuprobieren. Während der Vorbereitung dieses Artikels bemerkte ich schnell, dass ich wohl kein Einzelfall bin, denn aus irgendeinem Grund besteht bei einigen Einsteigern eine gewisse Ehrfurcht vor dieser Technik. Doch warum ist das so? Und was verbirgt sich eigentlich genau hinter dem Begriff wet blending.

Was ist wet blending?

In der Malerei (also beim Bemalen von Leinwänden, nicht Miniaturen) spricht man vom nass-in-nass Malen. Das bedeutet, dass man mit einer Farbe in einer bereits aufgetragene, aber noch nasse bzw. feuchte Farbe hineinmalt. Auf diese Weise verlaufen diese Farben ineinander bzw. können ineinander eingearbeitet werden. Dadurch entstehen neue Farben und fließende Übergänge. Diese Technik kennt man z.B. beim Malen mit Ölfarben und vor allem auch beim Malen von Aquarellen.

Für uns, die wir Modelle bemalen, sind unsere Miniaturen die Leinwände, aber das zugrundeliegende Prinzip ist das gleiche: Man vermischt zwei oder mehr noch feuchte Farben direkt auf der „Leinwand“, also auf dem Modell selbst.

Ich persönliche glaube, dass dies auch ein Teilgrund für die oben erwähnte Ehrfurcht vor dieser Technik ist. Statt seine Farben in Ruhe auf der Palette zu mischen, muss man beim wet blending relativ schnell entscheiden, ob man mit dem Ergebnis zufrieden ist oder nicht. Man gibt also durchaus etwas Kontrolle auf.

Wozu dient wet blending?

Wet blending ist jedoch eine tolle Methode, um zügig stufenlose Farbverläufe zu erzeugen. Dies ist vor allem dann nützlich, wenn man das Spiel von Licht und Schatten auf einer Miniatur darstellen möchte. Je weiter ein Bereich in den Schatten rückt, desto dunkler sollte dieser Bereich werden.

Außerdem liegt eine besondere Betonung auf dem Wort „zügig“. Zwar kann man Farbverläufe auch anders erreichen, doch geht dies mit kaum einer Technik so schnell wie mit dem wet blending.

Welche Materialien und Hilfsmittel sind sinnvoll?

Farben

Die Technik funktioniert grundsätzlich mit jeder Acrylfarbe. Allerdings gelingt es mit Farben mit einer relativ hohen Pigmentdichte (beispielsweise Scale 75, aber auch Citadel/ Games Workshop) etwas einfacher, weichere Verläufe zu erzeugen. Beim wet blending kann es durchaus passieren, dass man einen Teil der aufgetragenen Farbe von einer bestimmten Stelle wieder abwischt. Hat eine Farbe viele Pigmente, reicht auch eine dünnere Farbschicht aus, um zu decken. Zudem kann man problemloser hilfreichen Zusätze (siehe unten) in die Farben mischen, ohne dass die Farbe zu dünn gerät.

Außerdem sollte die Farbe auch nicht zu stark mit Wasser verdünnt werden. Zwar ist die Versuchung groß, möglichst viel Wasser in die Farben zu geben, um sie länger feucht zu halten, doch trocknet das Wasser zum einen schnell weg und zum anderen verliert man durch das Wasser zu viel Kontrolle.

Pinsel

Unser Pinsel sollte eine eher breite Spitze haben. Diese macht es einem etwas leichter, die Farben ineinander zu ziehen. Man kann für diese Technik also guten Gewissens einen älteren Pinsel nehmen, der seine perfekte Spitze mit der Zeit schon eingebüßt hat.

Trocknungsverzögerer

Wenn man versucht, zwei Farben ineinanderzuarbeiten, hat man nur eine begrenzte Zeit zur Verfügung, da unsere Acrylfarben sofort zu trocknen beginnen (bei den oben erwähnten Öl- oder Aquarellfarben ist dieser Zeitraum deutlich länger). Man muss also entweder möglichst zügig arbeiten oder aber den Trocknungsprozess etwas verzögern. Um Letzteres zu erreichen, bieten sich vor allem sogenannten Trocknungsverzögerer (retarder medium) an. Diese werden von einer Vielzahl an Herstellern angeboten (beispielsweise Liquitex (*) oder Winsor & Newton (*) und müssen von Miniaturenbemaler nur selten nachgekauft werden, da die abgegebenen Mengen bei den meisten von uns Jahrzehnte reichen sollten. (Es gibt allerdings auch kleinere Gebinde, wie z.B. die dropper bottles von Vallejo (*).)

Der Einsatz der Trocknungsverzögerer gestaltet sich recht einfach: Man mischt lediglich eine kleine Menge in die Farben, die man „blenden“ möchte. Alternativ kann man auch den Trocknungsverögerer auf die zu bemalende Fläche auftragen, kurz bevor man mit dem Auftragen der eigentlichen Farben beginnt.

Trocknungsverzögerer haben oftmals eine eher gelige Konsistenz. Wen diese stört, kann noch etwas flow aid in die Mischung geben, um die Fließfähigkeit der Farben wieder zu erhöhen (auch hier bieten beispielweise Liquitex (*), Winsor & Newton (*) oder Vallejo (*)) entsprechende Produkte an. Hier sollte man jedoch auf jeden Fall aufpassen, dass man nicht überdosiert, da sich zu flüssige Farben schwer kontrollieren lassen. (Zum Einsatz der diversen Medien, die wir in unsere Farben mischen können, schreibe ich demnächst mehr.)

Glaze medium

Als Alternative zum Trocknungsverzögerer verwende ich auch glaze medium. (Darunter können unterschiedliche Dinge verstanden werden. Ich meine hier glaze medium im engeren Sinne. Siehe dazu auch hier.) Auch hiermit erhält man etwas mehr Zeit zum „Blenden“, doch die Konsistenz der Farbe wird nicht so stark beeinflusst, wie beim retarder medium. In den nachfolgenden Beispielen haben ich das glaze medium von Vallejo verwendet.

Ich möchte aber an dieser Stelle noch einmal betonen: Der Einsatz der hier genannten Hilfsmittel ist optional. Wer zügig arbeitet, kann auch ohne weiteres Medium auskommen.

Wie funktioniert wet blending?

Im Folgenden stelle ich eine einfache Version des wet blending vor, die das grundlegende Verfahren deutlich machen sollte. Es gibt unzählige Möglichkeiten, dieses Verfahren im Detail abzuwandeln. Auf einen Teil dieser Möglichkeiten gehe ich weiter unten noch ein, allerdings erhebe ich keinesfalls einen Anspruch auf Vollständigkeit.

Ich vermute im Übrigen auch, dass die Vielzahl an unterschiedlichen Verfahren, mit der man wet blending erreichen kann, ein weiterer Grund dafür ist, dass Beginner vorerst vor dieser Technik zurückschrecken. Letztendlich unterscheiden sich diese Verfahren jedoch eher in Details und man muss man einfach selbst ausprobieren, was für einen selbst gut funktioniert.

Vorbereitung des Untergrundes

Bevor ich mit dem eigentlichen wet blending beginne, blocke ich den Untergrund mit der helleren der beiden Farben, die ich „blenden“ möchte – in meinem Fall ist das Orange. Man könnte an dieser Stelle zwar auch einen Farbton wählen, der möglichst neutral zwischen den beiden Farben liegt, mit denen man arbeitet, aber da ich von Orange in Rot einarbeiten möchte und der „Abstand“ dieser beiden Farben zueinander ohnehin nicht so groß ist, habe ich darauf verzichtet. Das Blocken mit der dunkleren der beiden Farben geht natürlich auch, wird dann jedoch zu einem etwas dunkleren Finish führen.

Als Beispiel dienen mir hier übrigens 3 mal 4 cm große grundierte Plastikplättchen.

Grundlegendes Vorgehen


wet blending mit Rot (Antares Red, SC75) in Orange (Mars Orange, SC75) hineingearbeitet

Nachdem der Untergrund wieder trocken ist, trage ich die erste der beiden Farben auf. Wie in dem Schritt links zu sehen ist, verwende ich also wieder Orange. Ich finde es übrigens bemerkenswert, dass der trockene Untergrund und die frisch aufgetragene Farbe so unterschiedlich aussehen, obwohl es sich in beiden Fällen um exakt die gleiche Farbe handelt (Mars Orange von Scale 75). Beim Auftragen der Farbe achte ich darauf, dass ich ganz rechts auf meinem Plastikplättchen beginne. Dort soll am Ende noch das echte Mars Orange zu sehen sein – also darf dieser Bereich auch als erster trocknen. Ich bemale jedoch nicht wieder das gesamte Plättchen, sondern nur etwa 2/3 der Fläche, da später ganz links noch reines Rot zu sehen sein soll. Anschließend wasche ich meinen Pinsel sorgfältig aus.

Im nächsten Schritt (rechts im Bild) trage ich Rot (Antares Red von Scale 75) von links kommend auf und arbeite es langsam in das Orange ein.

Pinselstriche aus einer Richtung kommend

Ich achte dabei darauf, dass die Pinselstriche immer aus der gleichen Richtung kommen. In unserem Beispiel ist das von oben nach unten. (Wischbewegungen von oben nach unten und dann wieder von unten nach oben führen zu unsauberen Übergängen und strapazieren auch unseren Pinsel.) Dabei wandere ich mit meinen Pinselstrichen langsam von links nach rechts. Wenn ich an den Bereich mit der frischen orangenen Farbe stoße, mache ich einfach weiter und erreiche so eine graduelle Vermischung der Farben. Ich achte außerdem darauf, dass die Pinselstrichbahnen ein wenig überlappen, um eine noch bessere „Verschmelzung“ der Farben zu erreichen. Ab einem gewissen Punkt werden sich kaum noch rote Pigmente an meiner Pinselspitze befinden und ich kann meinen Pinsel wieder auswaschen.

An diesem Punkt werden die Farbübergänge in der Regel noch etwas abrupt und unsauber sein. Um die Überänge weicher zu gestalten, verfahren wir einfach noch einmal wie im zweiten Schritt, nur dass wir nun wieder von rechts kommend mit Orange arbeiten. Pinselstrichstrukturen, Rillen und sonstige Unsauberkeiten können auf diese Weise ausgeglichen werden.

Die Schritte zwei („blenden“ von Rot nach Orange) und drei („blenden“ von Orange nach Rot) können nun so lange wiederholt werden, bis man einen möglichst stufenlosen Übergang von Rot nach Orange (bzw. umgekehrt erreicht hat). Dies ist auch der Punkt, an dem man von Trocknungsverzögerern am meisten profitieren kann, da man die Farben einfach so lange hin und her scheibt (genau genommen eigentlich „zieht“), bis man mit dem Ergebnis zufrieden ist.

Alternative: neutraler Pinsel

wet blending Alternative: mit feuchtem Pinsel werden die Übergänge der noch feuchten Farben verwischt

Als Alternative zu der eben beschriebene Methode kann man auch in einem ersten Schritt die beiden Farben, die man vermischen möchte, nebeneinander auf die Miniatur auftragen. Anschließend wäscht man seinen Pinsel gut aus.

Mit dem feuchten Pinsel arbeitet man dann in einem zweiten Schritt die eine Farbe in die andere ein. Das Vorgehen ist im Prinzip das gleiche wie in dem zuerst beschriebenen Vorgehen, nur dass man ausschließlich mit der Farbmenge arbeitet, die sich schon auf der zu bemalenden Fläche befindet. Auch hier sollte man immer seiner Bewegungsrichtung treu bleiben. Wenn ich in unserem Beispiel also meine Pinselspitze zuerst im roten Bereich abgesetzt habe, arbeite ich anschließend von links nach rechts.

Möchte ich die Übergänge noch weicher gestalten, wasche ich den Pinsel wieder vollständig aus und arbeite Orange in Rot ein, indem ich von rechts nach links arbeite.

Dies ist im Übrigen das von mir favorisierte Vorgehen – ich komme damit einfach am besten zurecht.

Alternative: zwei Pinsel

Da es beim wet blending hilfreich ist, schnell arbeiten zu können, verwenden einige Maler auch zwei Pinsel. Auch hierbei ist das grundsätzliche Vorgehen so, wie oben beschrieben. Allerdings würde man in unserem Beispiel einen Pinsel verwenden, um rote Farbe aufzutragen und einen weiteren Pinsel nutzen, um orangene Farben aufzubringen. Der Vorteil dieser Methode liegt darin, dass man etwas schneller arbeiten kann, da man nicht zwischen jedem Schritt den Pinsel wieder auswaschen muss.

Allerdings kann man auch nicht völlig auf das Auswaschen der Pinsel verzichten, da sich die Farben zunehmend vermischen und letztendlich doch rote Farbe auf dem „orangenen“ Pinsel landet.

Alternative Vorbereitung

Vorbereitung der Bemalflächen

Manche Bemaler teilen die Oberfläche der zu bemalenden Figur in unterschiedliche Farbbereiche ein und blocken die Untergrundfarben entsprechend. Es wird also im Wesentlichen eine Tontrennung durchgeführt. In meinem Beispiel oben habe ich den linken Bereich gelb und den rechten Bereich rot geblockt. Auf diese Weise kann man klar erkennen, an welcher Stelle die stärkste Verschmelzung der Farben stattfinden muss (und zwar an der Linie, an der sich die beiden Farbbereiche treffen) und wo die echten Ausgangsfarben erhalten bleiben sollen.

Möglicherweise mag nicht auf den ersten Blick ersichtlich sein, welchen Vorteil dieses Vorgehen bringen soll. Als Miniaturenbemaler haben wir es jedoch selten mit so eindeutigen geometrischen Formen zu tun, wie ich sie mir für meine Beispielfotos ausgesucht habe. Die Oberflächen unserer Miniaturen sind in der Regel verschlungener und fließender und so kann man während des Prozesses des wet blending durchaus auch einmal den Überblick verlieren, an welcher Stelle man welchen Farbübergang erreichen möchte und wo die Ausgangsfarben noch weitestgehend echt erhalten bleiben sollen.


Ethereal (GW): Der Farbverlauf auf der Schärpe wurde mit wet blending erreicht.

Bei dem Modell oben wurde die Schärpe mittels wet blending bemalt. Die blauen Linien kennzeichnen die Stellen, an denen die beiden eingesetzten Farben beim „blenden“ erstmals aufeinandertreffen. Wenn man vor dem eigentlichen wet blending an dieser Stelle eine farbliche Grenze setzt, hat man während des eigentlichen Bemalprozesses eine Hilfslinie, die einem die Pinselstrichrichtung vorgibt.

In meinen Beispielen oben habe ich der Einfachheit halber immer zwei Farben ineinandergearbeitet. In der Praxis kann es aber auch durchaus vorkommen, dass wir nicht nur Farbe A in Farbe B übergehen lassen wollen, sondern dass wir anschließend auch Farbe Farbe B noch in C einarbeiten möchten. Die von mir vorgeschlagene tontrennungartige Vorbereitung des Untergrunds kann besonders in diesen Fällen helfen, den Überblick nicht zu verlieren.

Weitere Hinweise

Um diese Technik zu üben, bietet es sich an, erst einmal mit kleineren Flächen zu beginnen. Bei dem Modell des Ethereals weiter oben handelt es sich beispielsweise um einen meiner ersten Versuche im wet blending und ich habe mir bewusst nur die Schärpe des Modells als Übungsfläche herausgesucht.

Wenn man sich für eine bestimmte Technik entscheidet, um ein Modell zu bemalen, bedeutet dies nicht, dass man sich automatisch gegen alle anderen Techniken entscheiden muss. Vielmehr profitieren die Miniaturen besonders von einer Kombination unterscheidlicher Techniken. Die Kanten der Schärpe des Ethereals wurde beispielsweise durch edge highlighting betont

Manche fortgeschrittene Maler nutzen wet blending oftmals als ersten Schritt, um sanfte Farbverläufe zu erzeugen. Sie verwenden den durch diese Technik erzeugten Farbverlauf als Grundlage, um darauf aufbauend mit anderen Techniken (allen voran unter Verwendung von Lasuren) noch sanftere Übergänge ganz gezielt setzen zu können.

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