Pinselpflege

Unsere Malpinsel: Liebgewonnene Freunde und treue Gefährten unzähliger Hobbyabende oder reines Verbrauchsmaterial? Die Sichtweise, wie wir Miniaturenmaler eines unserer wichtigsten Werkzeuge betrachten, kann sich durchaus deutlich unterscheiden.

Auch wenn dir die zweite Sichtweise eher entsprechen sollte als die erste, lohnt sich das Lesen dieses Artikels vielleicht trotzdem. Möglicherweise hilft dir die Lektüre ja zu verstehen, was wir Pinselliebhaber so alles anstellen, um die Lebenszeit unseres guten Freundes deutlich zu verlängern.

Pinselwahl

Die ersten Schritte, die unseren Pinseln ein langes Leben ermöglichen, liegen schon vor dem eigentlichen Einsatz dieses Werkzeuges.

Wahl beim Kauf

Auch bei bester Pflege und idealer Handhabung wird sich die Qualität eines Pinsels bei seiner Lebensdauer bemerkbar machen. Das bedeutet nicht, dass teurer automatisch auch immer besser heißt. Allerdings erfordert eine gewisse Qualität auch einen gewissen Preis.

Ein entscheidendes Qualitätsmerkmal ist für mich das Material, aus dem die Haare/Borsten des Pinsels bestehen. Hier ziehe ich Echthaar einem Synthetikpinsel definitiv vor. Üblicherweise werden für erstere Marderhaare verwendet. Die Industrie spricht hier in der Regel von „Rotmarder“ oder „Kolinski-Marder“. Allerdings handelt es sich hierbei um Fantasienamen, da es keine Tiere gibt, die so heißen. Gängige und gute Marken sind beispielsweise Da Vinci (*) oder Winsor & Newton (*). (Ich werde demnächst noch mal einen Artikel über Pinsel im Allgemeinen schreiben.)

Synthetikpinsel haben meiner Erfahrung nach zwei entscheidende Nachteile. Zum einen nutzen sich die Haare der Pinsel deutlich schneller ab, was vor allem dazu führt, dass sich mit ihnen keine vernünftige Spitze mehr formen lässt. Zum anderen haben Synthetikhaare die Tendenz zu verbiegen bzw. aufzufächern. Für unser Hobby ist dies besonders problematisch. Während ein Maler, der auf einer großen Leinwand malt, vermutlich kaum merken wird, dass drei Haare seines Pinsels nicht richtig die Form halten, kann dies unser Malergebnis deutlich negativ beeinflussen.

Kurze Anmerkung: Ich persönlich habe auch den Eindruck, dass Echthaarpinsel die Farbe besser „aufsaugen“ und gleichmäßiger abgeben. Ähnliches habe ich auch schon von anderen Malern gehört. Dies wird allgemeinhin damit erklärt, dass echtes Haar mikroskopisch gesehen viele Unebenheiten aufweist, die Wasser und Farbe besser halten können als glatte Synthetikfasern. Andererseits gibt es durchaus auch Profimaler, die ausschließlich mit Synthetikpinseln malen und grandiose Ergebnisse damit liefern. Vom reinen „Malgefühl“ ist es also wohl eher Geschmackssache, womit man lieber arbeitet.

Eine Ausnahme von meiner Präferenz für Echthaarpinsel besteht übrigens immer dann, wenn ich mit Ölfarben bzw. Ölwashes arbeite. Der dabei zum Einsatz kommende Terpentinersatz (oder white spirit) greift Echthaarpinsel zu sehr an und trocknet sie aus.

Wahl beim Einsatz

In der Regel habe ich immer mindestens einen „guten“ Pinsel an meinem Arbeitsplatz. Also einen Pinsel, der eine feine Spitze hat und mit dem ich einfach gerne arbeite. (Eigentlich habe ich auch immer noch 1-2 Backups, aber das liegt an meinem naturgegebenen Bedürfnis nach Sicherheit. 😉 )

Die Tatsache, dass ich einen solchen Lieblingspinsel habe, bedeutet aber nicht, dass ich diesen auch wirklich für jede Aufgabe einsetzen sollte. Ein recht offensichtliches Beispiel für eine Technik, bei der ich auf ein anderes Werkzeug umsteige, ist das Trockenbürsten. Natürlich liegt dies auch daran, dass unsere normalen Malpinsel nicht besonders gut zum Trockenbürsten taugen. Zusätzlich ist diese Technik aber auch recht grob zu unserem Werkzeug und sollte somit auch nicht mit unserem besten Pinsel ausgeführt werden.

Auch beim An- bzw. Vermischen von Farbe auf unserer Palette, sollte man vielleicht lieber auf einen alten, strubbeligen Pinselveteran zurückgreifen, als dazu den besten Detailpinsel zu nutzen, den man finden kann.

Um es also auf den Punkt zu bringen: Eine gute Maßnahme, um seinen teuren Lieblingspinsel möglichst lange zu erhalten, ist die Anschaffung billiger bzw. Aufbewahrung alter Pinsel, um damit grobe Arbeiten erledigen zu können.

Handhabung des Pinsels

Bei der Handhabung des Pinsels gibt es durchaus ein paar Angewohnheiten, die die Lebenszeit unseres Freundes verkürzen können.

Pinselführung

Der erste Punkt, der mir hier einfällt, ist sicherlich etwas, über das jemand, der schon eine Weile im Hobby ist, nicht mehr nachdenkt, weil es selbstverständlich erscheint. Der Vollständigkeit halber möchte ich es aber trotzdem erwähnen: Ähnlich einem Füllfederhalter auf Papier sollte der Pinsel immer über die Miniatur gezogen und nicht etwa geschoben werden. Für diese Regel spricht natürlich in erster Linie das Malergebnis. Schiebt man den Pinsel über die Miniatur, hüpfen die Pinselhaare geradezu über die Oberfläche und spritzen die Farbe dabei unkontrollierbar durch die Gegend. Zusätzlich verkürzt dieser grobe Umgang mit unserem Arbeitsmittel aber auch die Lebenszeit des Pinsels.

Wenn möglich, sollten wir zudem mit der Seite des Pinsels malen und unsere Spitze für die Momente reservieren, in denen wir sie wirklich brauchen. Je häufiger wir mit der Pinselspitze auf unsere Miniatur „einstechen“, desto schneller nutzt sie sich ab.

Auswaschen

Eine weitere negative Angewohnheit kann sein, dass man seinen Pinsel nicht häufig genug auswäscht. Man sollte seinen Bemalpinsel immer wieder kurz auswaschen, bevor man etwas Farbe aufnimmt. Auf diese Weise gibt man der Farbe keine Gelegenheit in den Haaren/ Borsten zu trocknen, was die abschließende Reinigung des Pinsels erleichtert. Außerdem läuft man dann nicht Gefahr, beim Malen kleine Farbklümpchen auf der Miniatur zu hinterlassen.

Das bedeutet im Übrigen auch, dass man einen trockenen Pinsel niemals direkt in Farbe tauchen sollte, bevor man ihn nicht im Wasserbecher angefeuchtet hat.

Verbotszone „Zwinge“

Schließlich sollte man unbedingt darauf achten, dass keine Farbe in die Zwinge (also das Metallteil, in dem die Pinselhaare/-borsten stecken) läuft. Trocknet Farbe in diesem Bereich, verkleben einzelne Pinselhaare, während andere auseinandergedrückt werden und der Pinsel bildet keine ordentliche Spitze mehr. Ist die Farbe an dieser Stelle erst einmal getrocknet, bekommt man sie ohne Hilfsmittel nicht mehr heraus (siehe dazu unten). Das ist auch der Grund, warum ich empfehle, besonders flüssige Farben (vor allem Inks, Washes) nicht mit dem besten Pinsel aufzutragen, den man hat. Wenn man den Pinsel stark mit diesen Farben aufläd (wie man es tun würde, wenn man ein komplettes Modell mit Wash versieht), wird sich die Farbe zwangsläufig in den Bereich unter der Zwinge hochziehen.

Lagerung des Pinsels

Ich denke, dass es wohl aus offensichtlichen Gründen jedem klar sein sollte, dass man Pinsel nicht mit der Spitze nach unten lagert. Zumindest dann nicht, wenn sie dann auf den Haaren/ Borsten stehen würden. Es gibt allerdings auch Pinselhalterungen, in die man die Pinsel mit dem Kopf nach unten einstecken kann, ohne das die Spitze den Boden berührt (hier ein Beispiel der Firma Kurtzy (*)). Solch eine Lagerung hat sogar einen Vorteil, denn:

Nach der Reinigung des Pinsels sollte man ihn möglichst nicht mit dem Kopf nach oben trocknen lassen. Tut man dies doch, läuft das Wasser aus dem Haarkörper in die Zwinge des Pinsels und kann dort unter Umständen die Verklebung der Haare/ Borsten aufweichen und letztendlich bei unserem guten Freund zu Haarausfall führen. Ich selbst trockne meine Pinsel einfach liegend neben dem Waschbecken. Eine Trocknung auf der Heizung ist im Übrigen auch nicht zu empfehlen, da die Pinselhaare dann spröde werden können.

Reinigung des Pinsels

Nach jeder Malsession sollte man sich noch die Zeit nehmen, seine Pinsel vernünftig zu reinigen. Auch wenn man seine Werkzeuge während des Malens immer wieder ausgespült hat, wird sich noch einiges an Farbe in den Haaren/ Borsten des Pinsels bzw. der Pinsel wiederfinden. Nicht zuletzt, weil natürlich unser Wasserglas mit der Zeit immer mehr Farbpigmente enthält und somit das Ausspülen immer weniger effektiv ist.

Zur Reinigung der Pinsel empfehle ich die Verwendung von Seife, da diese die angetrockneten Farbpigmente von den Pinselhaaren/-borsten lösen kann. Zwar gibt es im Künstler- und Schminkbedarf extra Pinselseife (*), doch sollte man seine Pinsel mit jeder handelsüblichen Kernseife (z.B. diese hier von Wasserrose (*) gut reinigen können – letztere sind dabei deutlich günstiger

Trotz der höheren Kosten verwende ich selbst allerdings The Masters Brush Cleaner and Preserver (*). Im Gegensatz zu normaler Kernseife und vieler anderer Pinselseifen beinhaltet dieses Produkt neben der eigentlichen Seife auch Ethylenglycol. Dieses Feuchthaltemittel verhindert die Austrocknung der Haare/ Borsten des Pinsels und dient somit ihrer Pflege. Außerdem ist dieses Produkt relativ weich, was die allgemeine Handhabung erleichtert (bzw. man tendiert nicht so schnell dazu, mit dem Pinsel zu stark auf der Seife aufzudrücken). Eine Dose Seife reicht bei mir etwa zwei Jahre, sodass die etwas höheren Kosten für mich nicht so sehr ins Gewicht fallen. (Egal, für welches Produkt man sich letztendlich entscheidet, langfristig wird man vermutlich durch die Verwendung von Seife Geld sparen, da die Pinsel merklich länger halten.)

Die Pinselseife löst die im Pinsel angetrockneten Farbpigmente.

Die Handhabung der Seife ist wirklich einfach. Man benetzt ihre Oberfläche mit etwas Wasser und streicht bzw. wischt mit den Haaren/ Borsten des Pinsels immer wieder über diese angefeuchtete Fläche. Dabei sollte man den Pinsel drehen, um die Seife gleichmäßig in den Haarkörper einzuarbeiten. Nach einiger Zeit wird sich bunter Schaum bilden (in der Farbe, mit der man zuletzt gemalt hat). Anschließend spült man den Pinsel kurz aus und wischt den farbigen Schaum von der Seife (oder spült sie ab) und wiederholt das Ganze so lange, bis sich der Schaum nicht mehr verfärbt. Erst dann ist der Pinsel wirklich sauber.

Beinhaltet die Seife, die man verwendet, auch pflegende Inhaltsstoffe, ist es eine gute Idee, mit dem Finger etwas (sauberen) Seifenschaum aufzunehmen, den Haarkörper des Pinsels wieder zu einer scharfen spitze zu formen und den Pinsel danach – natürlich ohne ihn wieder auszuspülen – zum Trocknen zur Seite zu legen.

Sollte man einmal die Reinigung seines Pinsels sehr vernachlässigt haben und vielleicht auch etwas Farbe in die Zwinge geraten sein, bietet Winsor & Newton einen Brush Cleanter and Restorer (*) an, in dem man seine Pinsel auch einweichen kann. (Achtung! Nur den Haarkörper und ggf. die Zwinge einweichen, nicht den Pinselstiel, da sich auch die Farbe des Stiels ablösen kann.) Ich selbst habe dieses Produkt noch nicht selbst ausprobiert, allerdings wurde es mir bereits mehrfach empfohlen.

Abschließende Überlegungen

Ich möchte an dieser Stelle noch einmal deutlich machen, dass es mir in diesem Artikel darum ging, zu zeigen, wie man durch pflegen und reinigen des Pinsels möglichst viel Lebenszeit aus seinem Werkzeug herausbekommt. Wie bereits anfangs geschrieben, gibt es durchaus auch Maler, die ihre Pinsel als Wegwerfprodukte betrachten und ihre Werkzeuge für möglichst wenig Geld in 20er Packs kaufen. Ich selbst kann mich für dieses Vorgehen nicht erwärmen, aber letztendlich muss jeder für sich selbst entscheiden, wie er gerne arbeiten möchte. Auch wenn man unterschiedliche Profimaler zu diesem Thema befragt, wird man unterschiedliche Antworten erhalten. Ein interessantes englischsprachiges Youtube Video hierzu findet ihr im Übrigen hier (siehe vor allem ab Minute 04:44).

Ich selbst würde mich jedenfalls sehr darüber freuen, wenn es mir mit diesem Artikel gelungen wäre, das eine oder andere Pinselleben zu verlängern.

In einem zukünftigen Artikel werde ich noch einmal etwas detaillierter auf den Aufbau und die unterschiedlichen Formen unserer Pinsel eingehen. Außerdem werden dabei auch die Themen billig vs. teuer und Naturhaar vs. Synthetik noch einmal aufgegriffen und auf unterschiedliche Hersteller eingegangen werden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.