Lackschäden mit Haarspraytechnik

(Weathering Serie)

Es gibt für viele Dinge ein erstes Mal. Manche ersten Male kommen früher als gedacht, andere lassen Jahre auf sich warten. Manchmal denkt man auch, dass man bestimmte Erfahrungen niemals machen wird. Ich hätte zum Beispiel nie gedacht, dass ich mir das erste Mal eine Dose Haarspray in einem Lebensabschnitt kaufe, in dem meine Haarpracht doch eher im Rückzug begriffen ist.

Vor einigen Monaten beschrieb ich, wie man Lackschäden mit der Schwammtechnik erzeugen kann. Doch natürlich ist das nicht die einzige Möglichkeit, die uns zur Verfügung steht, um abgeplatzten Lack und leichte Kampfschäden darzustellen. Eine weitere Methode ist die Verwendung von speziell dafür gedachten Mittelchen, wie beispielsweise dem Heavy Chipping Acrylic Fluid von AK Interactive (*) oder alternativ dazu: Haarspray.

Ich verwende in der Überschrift dieses Artikels im Übrigen den Begriff „Haarspraytechnik“, da er etwas eingängier ist als „Chipping-Fluid-Technik“ und ich mich auch nicht auf einen konkreten Produktnamen festlegen möchte.

Außerdem gehe ich davon aus, dass dir der Inhalt des Artikels zur Schwammtechnik bereits bekannt ist. Ich werde deswegen auf allgemeinere Überlegungen zur Darstellungen von Lackschäden verzichten (dazu gehört vor allem der wichtige Punkt der Farbwahl).

Schwammtechnik vs. Haarspraytechnik

Sicherlich stellt sich jetzt so mancher die Frage, warum man eine zweite Technik erlernen sollte, mit der man letztendlich fast das gleiche erreicht, wie mit einem anderen Verfahren, das man möglicherweise schon recht gut beherrscht. Warum sollte man also eine andere Technik einsetzen?

Wann bietet sich der Haarspraytechnik an?

Ich selbst habe bisher immer eher aus dem Bauch heraus entschieden, wann ich welches Vorgehen einsetzen möchte. Als ich beim Schreiben dieses Artikels darüber nachgedacht habe, sind mir aber letztendlich drei Gründe eingefallen, die für den Einsatz der Haarspraytechnik sprechen.

Detailverliebtheit

Lackschäden werden bei der Schwammtechnik durch das Hinzufügen von Farbe und nicht- wie in der Realität – durch deren Fehlen erzeugt. Wenn man ganz genau hinsieht oder gar eine Lupe zu Hilfe nimmt, kann man das auch erkennen.

Obwohl dies wohl für die wenigsten Leute von Belang ist (zumal beispielsweise bei Tabletop-Spielen in der Regel ohnehin eher der Gesamteindruck zählt), gibt es Hobbyisten, die sich daran stören. Ist einem diese Tatsache auf einem Modell erst einmal aufgefallen, kann man es nicht mehr ungesehen machen.

Bei der Haarspraytechnik hingegen, wird tatsächlich Farbe entfernt. Die Lackschäden sehen dann also nicht nur wie Lackschäden aus, sondern sind auch tatsächlich welche. Darüber hinaus blättert der Lack nicht immer völlig rückstandslos ab, sondern schiebt sich übereinander oder bildet Flocken. Auch das ist durchaus authentisch.

Anderes Schadensmuster

Die Haarspraytechnik bietet mehr Möglichkeiten, bei der Gestaltung des Schadensmusters. Je nachdem, welchen Gegenstand man verwendet, um die Schäden zu erzeugen (Pinsel, Zahnstocher, Fingernagel…), verändert sich auch die Form der Schäden.

Interessant wird dies vor allem dann, wenn man eine bestimmte Schadensrichtung darstellen möchte. Bei der Schwammtechnik muss man immer von oben tupfend arbeiten. Zieht man den Schwamm über das Modell, erzeugt man lediglich farbige Streifen. Bei der Haarspraytechnik hingegen kann man mit dem Gegenstand, den man zur Ausführung der Technik verwendet, über das Modell „kratzen“ und bestimmt somit die Schadensrichtung.

Spaß und eigene Vorlieben

Nicht zuletzt betreibten wir alle unser Hobby aus Spaß. Und vielen von uns bereitet es Freude auch einmal etwas Neues auszuprobieren. Mehr als eine Technik im Repertoire zu haben, bietet Abwechslung und beugt Monotonie vor. Wenn ich weiter oben von „aus dem Bauch heraus“ gesprochen habe, hätte ich auch einfach „worauf ich gerade Lust hatte“ schreiben können.

Dennoch entwickeln wir aber natürlich auch mit der Zeit unsere eigenen Vorlieben und kommen mit der einen Technik besser klar als mit der anderen. Wenn man also irgendwann feststellt, dass man mit der Haarspraytechnik bessere Resultate erzielen kann als mit der Schwammtechnik, dann ist das durchaus ein Grund bei seiner Lieblingstechnik zu bleiben.

Wann bietet sich die Schwammtechnik an?

Natürlich würde der Punkt „Spaß und eigene Vorlieben“ genauso gut zur Schwammtechnik wie zur Haarspraytechnik passen. Darüber hinaus gibt es aber durchaus noch weitere gute Gründe, die Schwammtechnik nicht aus dem Blick zu verlieren.

Später Entschluss

Die Schwammtechnik erfordert zumindest ein gewisses Maß an Planung. Damit unter der abgeplatzten Farbe nicht einfach nur die Grundierung des Modells zum Vorschein kommt, muss man das Modell mit einer Untergrundfarbe versehen. Hierbei handelt es sich oftmals um Braun- oder Silbertöne (um Rost und blankes Metall darzustellen).

Das bedeutet also, dass man schon vor dem eigentlichen Bemalprozess wissen muss, dass das Endresultat Lackschäden aufweisen soll. Wenn man sich erst spät überlegt , dass man Verwitterungseffekte darstellen möchte, kommt die Haarspraytechnik eigentlich nicht mehr in Frage.

Kleine Bereiche

Auch dann, wenn man die Lackschäden nur auf kleinere Bereiche bzw. einzelne Elemente eines Modells aufbringen möchte, bietet sich die Haarspraytechnik nicht unbedingt an.

Wenn ich also beispielsweise weiß, dass mein fertiger Panzer nur am Kettenschutz leichte Beschädigungen aufweisen soll, wäre es unnötig viel Arbeit, das gesamte Fahrzeug für die Haarspraytechnik vorzubereiten. Natürlich besteht auch die Möglichkeit, die Technik nur auf einzelne Bauteile zu beschränken. Dabei bestimmt aber letztendlich der Bausatz, ob sich diese Möglichkeit wirklich sinnvoll ergibt oder nicht.

Was benötigt man für die Haarspraytechnik?

Bevor wir uns ans Bemalen machen können, benötigen wir (neben unserem sonstigen „Malkram“) zwei weitere Zutaten.

Chipping Fluid oder Haarspray

Die entscheidende Zutat für diese spezielle Technik ist natürlich Haarspray oder ein Chipping Fluid/ Chipping Medium.

In der Vergangenheit habe ich immer das Heavy Chipping Acrylic Fluid von AK Interactive (*) verwendet und war damit auch durchgehend sehr zufrieden. Es lässt sich sowohl mit dem Airbrush als auch mit dem herkömmlichen Pinsel problemlos auftragen. (Andere Firmen bieten vergleichbare Produkte an, mit denen ich selbst jedoch noch keine Erfahrung gemacht habe.)

In unserem Hobby besteht oftmals die Möglichkeit, teure Hobbyprodukte durch günstigere „Hausmittelchen“ zu ersetzen. So kann mann statt auf Pinselseife auch auf Kernseife zurückgreifen oder statt Airbrushreiniger (*) auch Isopropanol (*) verwenden. Ich habe aber normalerweise kein Problem damit, etwas mehr Geld für ein teur(er)es Hobbyprodukt auszugeben, wenn ich für mich einen Mehrwert in dem teureren Produkt sehe.

Haarspray ist in meinen Augen durchaus eine echte und deutlich günstigere Alternative (Eigenmarken kosten weniger als 1 Euro) zum Hobbyprodukt, allerdings erkenne ich auch hier beim Hobbyprodukt durchaus einen gewissen Mehrwert in der Anwenderfreundlichkeit: Obwohl ich den Effekt als gleichwertig betrachte, hat man beim Einsatz des Produktes von AK Interactive etwas mehr Kontrolle darüber, wohin das Chipping Fluid gerät und wie groß die Menge ist, die man aufträgt. Airbrush und vor allem Pinsel lassen sich natürlich gezielter einsetzen als eine Spraydose. Man sollte beim Haarspray auf jeden Fall auf den richtigen Abstand achten und darauf, dass man nicht zu viel Flüssigkeit auf einmal aufträgt. Ob man zur Vermeidung dieses Problems bereit ist, (im Falle des AK Interactive Produktes) in etwa das fünffache zu zahlen, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Ich habe Haarspray als Alternative zum Chipping Medium das erste Mal tatsächlich erst bei der Vorbereitung dieses Artikels verwendet und muss sagen, dass ich durchaus positiv überrascht war.

Rhino-Tür (GW) – links: Technik mit AK Interactive Heavy Chipping Fluid; rechts: Technik mit Haarspray

Die Fahrzeugtür auf der linken Seite habe ich mit dem Hobbyprodukt von AK Interactive bearbeitet. Rechts habe ich handelsübliches Haarspray von Rossmann (für Volumen und extra starken Halt 😉 ) verwendet. Ich selbst kann jetzt und konnte auch bei der Bearbeitung der Türen keinen Unterschied erkennen. Ich habe zwischenzeitlich sogar vergessen, welche Tür ich wie behandelt hatte. (Der etwas fleckige Glanz, der auf den unteren Bereichen der Türen zu sehen ist, verschwindet übrigens nachdem man das Modell mit Mattlack versiegelt hat.)

„Kratzer“

Um die Lackschäden hervorzurufen, benötigen wir etwas, mit dem wir auf unserem Modell „herumkratzen“ können. Es sollte sich darbei um etwas handeln, dass starr genug ist, um tatsächlich einen Effekt zu erzielen. Gleichzeitig sollte es natürlich weich genug sein, um keinene echten Schaden am Modell hervorzurufen.

Hier lohnt es sich, ein wenig herumzuexperimentieren. Die Wahl des Werkzeugs hat dabei durchaus Einfluss auf das konkrete Schadensbild, das man hinterlässt.

Geeignet sind beispielsweise Borstenpinsel (*) (möglicherweise findet sich etwas Passendes im alten Schulttuschkasten bzw. dem Tuschkasten der Kinder). Eine Zahnbürste würde sicherlich auch funktionieren. Nur sollte man dabei nicht mit der gesamten Borstenfläche gleichzeitig arbeiten, um nicht den gesamten Lack herunterzuputzen.

Alternativ dazu funktioniert die Technik auch mit Zahnstochern. Hierbei sollte man jedoch darauf achten, dass man nicht zu grob arbeitet, um (echte) Schäden zu vermeiden.

Für den Hobbyisten, der schon alles hat, gibt es im Übrigen auch extra Sets mit Bürsten fürs Weathering.

Wie wird die Haarspraytechnik ausgeführt?

Die eigentliche Ausführung der Technik ist denkbar einfach. Die größte Herausforderung stellt dabei vermutlich dar, unnötig dicke Farbschichten zu vermeiden, da diese den Effekt unter Umständen weniger stark ausfallen lassen würden. Besonders einfach geht dies natürlich, wenn man einen Airbrush zur Verfügung hat. Die Technik funktioniert aber natürlich auch mit unserem traditionellen Pinsel.

Schritt 1: Untergrund

Nachdem das Modell grundiert wurde, trägt man die Farbe des Untergrunds auf, der an den abgeplatzten Stellen später zum Vorschein kommen soll. Ich habe mich hier für einen Braunton entschieden (1:1 Mischung aus Mud Brown und Mahagony, beides Vallejo Model Air), der einen rostigen Untergrund darstellen soll.

Wie weiter oben schon erwähnt, bieten sich hier aber auch andere Farben an – je nachdem, welchen Look man strebt. (Weitere Überlegungen zur Farbwahl findest du hier.)

Natürlich kann man auch mehr als einen Farbe als Untergrundfarbe verwenden. So hätte ich beispielsweise auch Bereiche in einem helleren Braun bemalen können, um dann im Endergebnis unterschiedlichen Stufen der Korrosion darstellen zu können. Hierbei sollte man jedoch darauf achten, dass man einigermaßen graduelle Farbverläufe erzeugt, da eine später freigelegte Farbkante natürlich sehr unrealistisch aussehen würde.

Schritt 2: Haarspray/ Chipping Fluid

Nachdem die Untergrundfarbe durchgetrocknet ist, wird das Haarsprays bzw. das Chipping Fluid aufgetragen. Auch hier ist darauf zu achten, dass die Schichten nicht zu dick ausfallen. Zum einen besteht die Gefahr, dass Details zugeklebt werden und dann im späteren Bemalprozess verschwinden. Zum anderen können zu dicke Schichten dazu führen, dass nachfolgende Farbschichten beim Trocknen aufreißen. So lange die Flüssigkeit transparent trocknet, ist man im grünen Bereich. Trocknet sie jedoch mit einem Grauschleier, kann es zu den Rissen kommen. (Natürlich sind diese auch kein Beinbruch, da sie ja durchaus zum verwitterten Erscheinen des Modells beitragen können. Allerdings gibt man dabei natürlich ein gewisses Maß an Kontrolle über den Bemalprozess auf.)

Chipping Fluid

Solltest du mit Chipping Fluid arbeiten, empfehle ich den Auftrag von zwei Schichten (egal ob mit Pinsel oder Airbrush).

Haarspray

Beim Haarspray ist eine Schicht völlig ausreichend. Hier besteht die Herausforderung eher darin, nicht zu viel auf einmal aufzutragen. Es bietet sich also an, den Abstand vorher einmal neben dem Modell auszuprobieren. Nachdem man einen Bereich eingesprüht hat, sollte man keinesfalls sofort noch einmal nachsprühen, um auch wirklich die letzte Ritze noch zu treffen. Wenn man meint, auch wirklich den letzten Fleck noch treffen zu müssen, sollte man lieber warten bis die erste Schicht getrocknet ist und dann eben später doch noch eine zweite Schicht an einzelnen, gezielten Stellen auftragen. Meiner Meinung nach ist es aber ohnehin nicht so wichtig, wirklich jeden Fleck des Modells zu erreichen, da anschließend ja ohnehin nicht die gesamte Farbe abplatzen soll.

links: braune Farbe (als rostfarbigen Untergrund); rechts: wie links mit zwei Schichten AK Interactive Heavy Chipping Fluid

Wie man rechts im Bild sehen kann, sieht die Fahrzeugtür nun aus, als wäre sie mit einer etwas fleckigen Schicht Glanzlack versehen worden. Dieser Glanz verschwindet in der Regel schon, wenn weitere Farben aufgetragen werden – spätestens aber natürlich dann, wenn man das Modell mit Mattlack versiegelt. (Hinweis: Das Foto links ist etwas dunkel geraten und der Glanz des später aufgetragenen Chipping Fluid lässt die rechte Tür etwas heller erscheinen. Es handelt sich aber um die selbe Fahrzeugtür.)

Schritt 3: Farbe auftragen

Als nächstes folgt die eigentliche Bemalung des Modells. Am Ende dieses Schrittes sieht die Fahrzeugtür oben aus, als wäre sie frisch aus der Lackiererei gekommen. In dem Beispiel oben habe ich mit einem Airbrush einen Farbverlauf von Macragge Blue über Caledor Sky nach Calgar Blue (alles GW/ Citadel Air) aufgetragen.

Arbeitet man mit einem Pinsel, sollte man sich bemühen, die Farbschichten nicht zu dick aufzutragen. Allerdings gilt dies ja ohnehin immer, wenn wir Miniaturen bemalen. Und wie auch sonst gilt, dass mehrere dünne Schichten besser sind als eine dicke. In dem Beispiel oben wurde der hellste Bereich (also das obere Drittel) mit drei Schichten Farbe versehen und die Technik funktioniert genauso gut wie auf den unteren Bereichen.

Schritt 4: Chipping/ Lackschäden verursachen

links: blaue Grundfarbe (drei Farbtöne); rechts: wie links nach Durchführung des „Chippings

Nachdem die Farbe getrocknet ist, kann man sich an das Erzielen der Lackschäden machen. Diese Trocknungsphase sollte nicht zu lange dauern. Ein paar Stunden oder auch ein paar Tage sind kein großes Problem. Bei einem Modell, dass ich jedoch einige Wochen nicht weiterbearbeitet hatte, war die Technik nur noch mit viel Mühe (Zahnstocher mit viel Druck) durchzuführen. Wartet man nur ein paar Stunden, sollte das Ablösen des Lackes ganz leicht von der Hand gehen.

Als erstes muss man die Oberfläche, auf der die Schäden entstehen sollen, mit Wasser anfeuchten. Ich verwende dazu meist einen Pinsel, aber ein Schwämmchen oder ein Airbrush würden natürlich auch funktionieren. Die Oberfläche sollte feucht, aber nicht pitschnass sein.

Die auf der rechte Seite des Fotos zu sehenden Schäden habe ich mit einem Pinsel mit recht festen Borsten erzielt. Hierbei sollte man zuerst einmal mit nur wenig Druck arbeiten und beobachten, wie viel Farbe sich tatsächlich ablöst. Löst sich keine Farbe, kann man den Druck sukzessive erhöhen, bis man ein Ergebnis sieht. Es ist sinnvoll, immer nur über kleine Bereiche des Modells auf einmal zu wischen und den Pinsel nach oben (also vom Modell weg) zu ziehen. (So, als würde man ein Sandkorn wegwischen wollen, das einem zwischen die Tasten der Tastatur gefallen ist.) Die abgelöste Farbe löst sich in der Regel in größeren Stücken ab. Diese sind allerdings nicht spröde, sondern sehr weich und können sich teilweise auch noch im Wasser lösen. Dies kann ggf. zu Farbveränderungen auf dem Rest des Modells führen, wenn man wild hin und her wischt oder den Pinsel über lange Strecken über das Modell führt.

Es bietet sich außerdem an, nicht zu schnell zu wischen. Es kann durchaus auch einmal passieren, dass sich Stücke lösen, die einem zu groß erscheinen. Wenn man dies rechtzeitig bemerkt, kann man diese mit einem weichen Pinsel vorsichtig wieder an ihre urspüngliche Position schieben und dort dann wieder antrocknen lassen.

Die Richtung, in die man den Pinsel führt, hat natürlich auch Auswirkungen auf das Schadensbild. Für sehr spezifische Schäden, wie einzelne Kratzer, sollte man auf ein Werkzeug zurückgreifen, mit dem man mehr Kontrolle ausüben kann. Ich verwende hierfür normalerweise einen Zahnstocher.

Auch wenn es wirklich Spaß macht, sein Modell so richtig schön verwittert aussehen zu lassen, sollte man es mit den Lackschäden nicht übertreiben. Natürlich muss jeder selbst wissen, wie viel man sein Modell durchgemacht haben lassen möchte, aber manchmal ist weniger mehr.

Schritt 5: Kantenakzente (optional)

links: Rostflecken ohne Kantenakzente; rechts Rostflecken mit Kantenakzenten

Der letzte Schritt ist der gleiche, den man auch schon von der Schwammtechnik kennt: Um den Schäden einen dreidimensionalen Anschein zu geben, kann man die unteren Kanten (oder auch die unteren und jeweils eine der Seitenkanten) mit einem Kantenakzent versehen. Wie dies aussehen kann, ist oben rechts zu sehen. Bei der nachträglichen Betrachtung fällt mir allerdings durchaus auf, dass ich bei der Wahl der Kanten nicht immer ganz konsequent vorgegangen bin… Nun ja, der allgemeine Eindruck, der durch die Kantenakzente erreicht wird, sollte aber schon deutlich werden.

Ich empfehle, das fertige Modell anschließend mit einer Schicht Schutzlack zu überziehen. Abgesehen davon, dass ich das als grundsätzlich sinnvoll empfinde, wenn man vorhat sein Modell im Spiel einzusetzen, fixiert der Lack auch ggf. noch vorstehende Farbchips.

Abschließende Bemerkungen

Rhino (GW)

Meiner Meinung nach wirken Verwitterungseffekte am besten, wenn man sie mit anderen Verwitterungseffekten kombiniert. Wie weit man dabei gehen möchte, bestimmt letztendlich sowohl die eigene Vorstellung vom Endergebnis als auch die Zeit, die man in ein Projekt stecken möchte.

In dem Rhino auf dem Foto habe ich beispielsweise die Rostflecken mit der Haarspraytechnik verursacht. Die herablaufenden Rost-/Dreckspuren habe ich jedoch mit einem Email-Wash erzeugt. (Wie man das anstellt, werde ich vermutlich schon im nächsten Artikel erklären.) Außerdem habe ich (vor allem auf der Kette) mit trockenen Pigmenten gearbeitet.

Aber natürlich ist dies bei weitem nicht der Weisheit letzter Schluss und man könnte noch einiges mehr tun, um ein solches Fahrzeug zu verwittern. So sind in meinem Beispiel alle Effekte „nur“ aufgemalt. Stattdessen könnte man beispielsweise Schäden in das Modell hineinmodellieren oder auch mit Strukturpasten arbeiten, die die verrosteten Stellen richtig schön korrodiert erscheinen lassen. Auch auf diese Dinge werde ich im Laufe der Zeit eingehen.

2 Replies to “Lackschäden mit Haarspraytechnik”

  1. Hey,
    super Artikel wieder!
    Hab das auch schon einmal gemacht und war ebenfalls positiv überrascht. Ich habe allerdings Salz Körner auf das die noch feuchte Haarspray Schicht gegeben. Nach dem trocknen und übermalen mit der gewünschten Farbe, konnte man dann analog zu oben die Salzkörner „abbröckeln“.
    Sieht ebenfalls sehr gut aus.

    LG

    1. Hallo HerrRegenwurm,
      vielen Dank für die freundlichen Rückmeldung.
      Ja, die Verwendung von Salz beim Weathering kenne ich auch. Allerdings kenne ich das nur in der Variante, dass man die Flächen mit Wasser benetzt und dann das Salz auf die noch feuchten Flächen gibt – also vollständig ohne Haarspray. Die Idee, beide Techniken zu kombinieren, klingt allerdings interessant, da Haarspray das Salz vermutlich deutlich besser fixiert, als Wasser es tut. Das werde ich bei Gelegenheit auch noch einmal ausprobieren. Danke also schon mal für den Hinweis!

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