Grundieren (Priming)

Sobald das Modell aus dem Gussrahmen herausgelöst, alle überstehenden Grate sauber entfernt und das Modell soweit zusammengesetzt wurde, wie es für die Bemalung erforderlich ist, bringen wir das erste Mal Farbe aufs Modell: die Grundierung.

Theorieteil:

Praxisteil:

Sonstiges:

Falls du kein Interesse an der Theorie zu diesem Thema hast und einfach nur wissen möchtest, was genau du machen solltest, um deine Miniatur ordentlich zu grundieren, kannst direkt in den Praxisteil springen.

Wozu dient die Grundierung?

Die Hauptaufgabe der Grundierung ist das Schaffen eines Untergrundes, auf dem die eigentlichen Farben möglichst gut haften. Man spricht hier auch von einem „Haftvermittler“. Kunststoff oder auch Metall sind relative glatte Materialien. Wenn man also Farben direkt auf diese glatten Oberflächen aufträgt, kann man ziemlich sicher davon ausgehen, dass sich die Farben während und auch nach dem Bemalprozess wieder abreiben. (Vor allem dann, wenn die Figuren in Spielen zum Einsatz kommen.) Die Grundierung hingegen schafft mikroskopisch kleine Unebenheiten, an denen sich die nächsten Farbschichten gut „festhalten“ können. Physikalisch gesehen ist es so, dass viele kleine Unebenheiten mehr Oberfläche besitzen als eine glatte Fläche. Die nächste Farbschicht findet also mehr Oberfläche, an der sie haften kann.

Außerdem kann eine Grundierung dazu dienen, einen farblich weitestgehend einheitlichen Untergrund zu schaffen. Das ist vor allem dann von Interesse, wenn das Modell aus unterschiedlichen Materialien (z.B. Metall, Plastik, Resin, Kork) besteht.

Warum halten Grundierungen am Modell?

Dies hat vor allem etwas damit zu tun, dass Grundiersprays anders zusammengesetzt sind als unsere üblichen Acryl-Modellbaufarben. Im Gegensatz zu letzteren enthalten sie Lösungsmittel (zumindest diejenigen, die mit einer Spraydose aufgetragen werden). Sobald dieses nach dem Aufsprühen verflogen ist, bilden die übrig gebliebenen Farbpigmente eine robuste Oberfläche. Bei Kunststoffmodellen wird zudem die Oberfläche minimal angelöst, sodass die Grundierung geradezu mit dem Modell verschmilzt. (Natürlich nicht so sehr, dass die Konturen des Modells verlaufen würden.

Welche Möglichkeiten gibt es, sein Modell zu grundieren?

Spraydose

Das wohl am weitesten verbreitete Verfahren, seine Miniatur zu grundieren, ist sicherlich die Verwendung einer Spraydose. Die Handhabung ist extrem einfach (siehe unten) und man benötigt keine weitere Ausrüstung. Aufgrund der im Grundierspray enthaltenen Lösungsmittel sollte man die Grundierung jedoch im Freien oder zumindest in einem sehr gut belüfteten Raum durchführen.

Airbrush

Eine Alternative zur Spraydose ist das Grundieren mit Hilfe eines Airbrush. Im Gegensatz zur Spraydose enthalten Airbrush-Grundierungen jedoch keine Lösungsmittel. Hier gehen die Meinungen der Hobbyisten, die ich kenne, durchaus auseinander. Während die einen dies als Vorteil betrachten, da die Farbe nahezu geruchlos ist, sehen andere dies als klaren Nachteil, da sich Airbrush-Grundierungen deutlich leichter vom Modell ablösen lassen als lösungsmittelhaltige Sprays.

Pinsel

Die dritte Möglichkeit ist, seine Miniatur mit einem Pinsel zu grundieren. In diesem Fall trägt man die Grundierfarbe so dünn wie möglich mit einem Pinsel auf. Grundsätzlich lassen sich alle Farben, die man mit dem Airbrush aufsprühen kann, auch mit einem Pinsel auftragen. Hin und wieder lese ich, dass dieses Verfahren nicht oder kaum funktioniere, weil man viele Schichten übereinander legen müsse, um eine deckende Wirkung zu erzielen. Ich glaube jedoch, dass diesen Meinungen ein Missverständnis zu Grunde liegt. Noch einmal: Die Hauptaufgabe der Grundierung besteht in ihrer Funktion als Haftvermittler. Deckkraft ist in diesem Bemalschritt nicht zwingend notwendig.

Ich selbst verwende übrigens so gut wie immer Grundiersprays und greife nur auf andere Methoden zurück, wenn mir die Wetterverhältnisse das Sprühen draußen unmöglich machen (siehe unten).

Welche Farbe sollte ich zum Grundieren verwenden?

Auch bei der Farbwahl gehen unterschiedliche Bemaler durchaus unterschiedliche Wege. Die meisten Miniaturenbemaler verwenden wohl eine schwarze, eine weiße oder eine graue Grundierung.

Schwarz hat den Vorteil, dass es nicht so dramatisch ist, wenn man einmal eine kleine, schwer erreichbare Vertiefung des Modells nicht mit dem Pinsel getroffen hat. In der Regel wirkt die schwarze Grundierung dann wie ein Schatten bzw. so, als hätte man diesen Bereich mit Absicht dunkel gelassen.

Weiß hingegen erleichtert dem Maler die Arbeit bei hellen Farben wie Gelb deutlich. Normalerweise benötigt man nur zwei dünne Schichten, um ein strahlendes Ergebnis zu erzielen. Versucht man hingegen helle Farben auf einer schwarzen Grundierung aufzutragen, sind mehr Schichten notwendig.

Grau ist – wenig überraschend – der Mittelweg, bei dem Vor- und Nachteile von Schwarz und Weiß weniger stark ins Gewicht fallen. Außerdem habe ich selbst den Eindruck, dass ich von einer grauen Grundierung weniger stark „geblendet“ werde als von rein weißen oder schwarzen Oberflächen. Das mag allerdings anderen Malern anders gehen.

Um zu vermeiden, dass man von Reflexionen der Schreibtischlampe auf der Miniatur geblendet wird, sollte die Grundierung aber auf jeden Fall ein mattes Finish aufweisen.

Space Marine (GW): links Grundierung weiß; rechts Grundierung schwarz

Wenn man im weiteren Verlauf mit dünnen Farbschichten arbeitet (und das sollte man, um ein möglichst glattes Ergebnis zu erreichen), kann sich die Wahl der Grundierungsfarbe durchaus auf das Gesamtergebnis auswirken.

die beiden gleichen Modelle mit drei dünnen schichten Macragge Blue (GW)

Die Unterschiede sind nur subtil und verschwinden mit jeder weiteren Farbschicht ein wenig mehr, sodass die Wahl der Grundierung für das Endergebnis in den wenigsten Fällen eine echte Rolle spielen wird. In dem Beispiel oben wurden beide Modelle mit drei dünnen Schichten blauer Farbe bemalt und das Ergebnis unterscheidet sich nur wenig. (Auf dem Foto ist der Unterschied kaum zu erkennen – wenn die Figuren vor einem stehen, werden die Auswirkungen der Grundierung etwas deutlicher.)

Anders sieht es übrigens aus, wenn man mit transparenten Farben arbeitet. Hier spielt die Wahl der Grundierung bzw. der Grundierungen eine entscheidende Rolle. Siehe hierzu auch weiter unten Pre-Shading bzw. Dusting.)

Einige Firmen wie, wie z.B. GW/ Citadel oder Army Painter vertreiben auch Sprühdosen mit anderen Farben (*). Offiziell gelten diese bei Citadel zwar nicht als Grundiersprays, doch weisen sie meiner Meinung nach die wichtigste Eigenschafte auf, die man von einer Grundierung erwarten kann: Sie halten sehr gut am Modell und die nachfolgenden Farbschichten haften wiederum ebenso gut an der Grundierschicht.

Wie genau grundiere ich denn nun?

Im Folgenden beschreibe ich die von mir favorisierte Möglichkeit, seine Miniaturen zu grundieren: mit einer Spraydose.

Im Idealfall grundiert man seine Figuren an einem möglichst trockenen und nicht zu kalten Tag, denn die Grundierung sollte man aufgrund der ungesunden Dämpfe möglichst draußen vornehmen. (Lagern sollte man die Spraydose allerdings drinnen, wo es weniger Temperaturschwankungen gibt.)

Die Figur wird dann in einem Abstand von etwa 25-30 cm im 45° Winkel schräg von oben angesprüht – und zwar von vorne, von hinten und von beiden Seiten. Wichtig ist, dass man nur kurze Sprühstöße abgibt und nicht etwa sekundenlang auf die Figur einsprüht (dies würde zu einer viel zu dicken Farbschicht führen). Anschließend wiederholt man das Ganze noch einmal im 45° Winkel von schräg unten.

Ork (GW)

Auch wenn man sich beim Besprühen des Modells viel Mühe gibt, kann es immer einmal wieder vorkommen, dass die Grundierung einzelne, verdeckte Stellen nicht erreicht. In dem Bild oben wurde die Stelle unter dem Bizeps und der Griff der Granate kaum grundiert. Das ist jedoch nicht weiter schlimm. In der Regel sind dies ja genau die Stellen, die man selten bis gar nicht anfasst, sodass die Farbe an diesen Stellen auch weniger beansprucht wird. Wenn man wirklich sichergehen will, kann man natürlich immer noch einen weiteren Sprühstoß auf diese Stellen geben, um einen wirklich gleichmäßigen Untergrund für die nächsten Bemalschritte zu erreichen. Man sollte dabei jedoch darauf achten, dass die Grundierung nicht zu dick aufgetragen wird, da sonst Details verschwinden können. In dem Beispiel oben liefe man Gefahr, die Kontur zwischen Nagelbett und Finger zu verlieren.

Wenn man nur eine Figur grundieren möchte, bietet es sich an, sein Modell auf einer Halterung (z.B. einem Korken oder auch der Kappe der Spraydose) zu befestigen, um sie in der Hand halten zu können, ohne Fingerabdrücke auf der feuchten Grundierung zu hinterlassen. Ich selbst verwende hierzu gerne Patafix (*) oder ähnliche Produkte.

Vor allem dann, wenn man seine Miniaturen in Spielen einsetzt, wird man mehr als eine Figur grundieren wollen. Hierfür bietet es sich an, die Figuren auf einem dicken Stück Pappe oder auch einem Holzbrettchen zu befestigen – auf diese Weise kann man immer gleich alle Figuren gleichzeitig wenden. Außerdem ist es sinnvoll, die Figuren in einer Box (z.B. einem Schuhkarton) zu besprühen, damit sich die Farbpigmente im Sprühnebel nicht auf der gesamten Umgebung ablegen.

Unter Umständen kann es sinnvoll sein, sein Modell in Baugruppen einzuteilen und in unterschiedlichen Farben zu grundieren – natürlich setzt das voraus, dass das Modell aus mehreren Einzelteilen besteht, die erst noch zusammengeklebt werden müssen. Wenn man also beispielsweise eine Miniatur in schwarzer Rüstung, aber mit einem gelben Helm bemalen möchte, spart man sich später etwas Arbeit, wenn man die Rüstung schwarz und den Helm weiß grundiert.

Pre-Shading/ Dusting

Wie bereits beschrieben, ist die zentrale Aufgabe der Grundierung ihre Funktion als Haftvermittler. Dennoch kann man sich alle weiteren Bemalschritte mit einem recht einfachen Kniff in dieser Phase durchaus erleichtern: Nachdem man sein Modell schwarz grundiert hat, kann man noch eine weitere – dieses Mal weiße – Grundierung von oben (45° oder mehr von allen Seiten) auftragen.

Das Modell in dem Beispielbild sieht aus, als wäre es mit Puderzucker bestäubt worden – man spricht hier auch von dusting. (Die Körnung ist mir in diesem Beispiel etwas grob bzw. „klecksig“ geraten. Wie es dazu gekommen sein kann, erkläre ich weiter unten.)

Viele Miniaturenbemaler bemalen ihre Figuren so, als würde sich über ihnen eine Lichtquelle (z.B. die Sonne) befinden – man spricht hier von zenithal highlighting. Wenn man nun also kurze weiße Sprühstöße von oben auf die schwarze Figur gibt, bleibt die weiße Grundierung an den hervorstehenden Elementen der Miniatur hängen und man erhält relativ natürlich wirkende Highlights. In dem Beispiel oben sind die Schultern und der Helm fast weiß und der Bereich zwischen den Beinen bleibt schwarz. Wenn man anschließend das Modell mit durchscheinenden Farben (Lasuren, Inks, Washes) bemalt, stellt dieses Verfahren ein pre-shading dar – würde man das Modell nun beispielsweise komplett blau einfärben, würden die weißen Bereiche hellblau erscheinen, und die dunkleren Bereiche würden dementsprechend dunkler bis sogar schwarz erscheinen. Sollte man jedoch seine Farben deckend auftragen wollen (und das ist meistens der Fall), ist es sinnvoll, an dieser Stelle ein paar Fotos von seiner Miniatur zu machen, um später Referenzmaterial zu haben, wenn es darum geht, sich zu entscheiden, wo man seine Highlights setzt.

Ein alternativer Einsatz des dusting wäre es, seine Miniatur sowohl 45° von oben als auch 45° von unten mit Weiß zu besprühen. Auf diese Weise verliert man zwar den zenithal highlight Effekt, doch treten hier die Struktur und die Details der Miniatur deutlich hervor. Zudem „blenden“ einen die einfarbigen Oberflächen nicht mehr.

Mögliche Fehlerquellen

Nach dem Grundieren ist auf dem Schulterpanzer der linken Figur eine unschöne Struktur entstanden. Falls ähnliche Probleme bei dir auftauchen, solltest du überlegen, ob vielleicht einer der folgenden Punkte zutreffen könnte:

  1. Die Sprühdose wurde nicht lange genung vor ihrem Einsatz geschüttelt. Das bedeutet, dass die Farbe nicht genug Zeit hatte, sich ordentlich zu durchmischen.
  2. Die Farb- oder die Außentemperatur war zu niedrig. Idealerweise sollte die Außentemperatur mindestens 15° C betragen. Ist die Umgebungstemperatur zu niedrig, härten die Farbpartikel beim Sprühen zu schnell aus und verbinden sich auf der Oberfläche der Figur nicht mehr zu einer homogenen Schicht.
  3. Die Sprühentfernung zum Modell ist zu groß. Hierbei tritt letztendlich der gleiche Effekt auf, wie bei 2. Die Farbpartikel fliegen so lange, dass sie unterwegs antrocknen.
  4. Die Sprühentfernung zum Modell ist zu niedrig oder die Sprühstöße sind zu lang, sodass sich die Grundierung anstaut, Details verschwinden lässt und sich ggf. sogar als Struktur aufbaut.
  5. Die Spraydose ist zu alt (und die Farbpigmente bereits angetrocknet) bzw. von schlechter Qualität (auch bei guten Marken kann es einmal zu schlechten Chargen kommen).
  6. Ein unsauberer Arbeitsplatz: Wenn in der direkten Nähe des Modells zu viel Staub herumliegt, wird dieser ggf. durch die Sprühstöße aufgewirbelt und landet dann als Struktur auf dem Modell.

(In meinem Beispiel oben links lag übrigens eine Kombination der Gründe 1, 2, 5 und 6 vor. 😉 Das kommt davon, wenn man es eilig hat und in der Garage noch eine fast leere Dose Grundierspray findet…)

Bei dem Modell auf der rechten Seite, wurde die Grundierung nicht völlig deckend aufgetragen. Der Grund hierfür liegt in einer zu großen Sprühentfernung zur Figur. Für die meisten Situationen ist diese Grundierung jedoch völlig ausreichend.

Kann eine Grundierung auch für andere Dinge eingesetzt werden?

Miniaturenbemaler, die sehr genau arbeiten möchten und sich an kleinsten Kratzern auf ihren Modellen stören, setzen Grundierungen auch als Mikrofüller ein. Das heißt, sie grundieren das Modell und schleifen die Grundierung dann wieder bis auf das Plastik/ Metall herunter. Die Grundierung, die sich in kleinsten Vertiefungen angesammelt hat, verbleibt dort und füllt diese auf diese Weise. Natürlich ist dieses Vorgehen eher für größere Oberflächen geeignet, bei denen man ein sehr glattes Finish erreichen möchte. Wenn man Grundierung auf diese Weise einsetzen möchte, sollte man darauf achten, dass sie „schleifbar“ ist.

Welche konkreten Produkte verwende ich?

Für Grundierungen gibt es viele namhafte Hersteller, die man in aller Regel guten Gewissens verwenden kann. Ich selbst verwende in der Regel die nachfolgend verlinkten Produkte und habe damit gute Erfahrungen gemacht:

Im Übrigen gibt es auf www.-gw-fanworld.net einen Thread voll mit Erfahrungsberichten zu unterschiedlichen (und teils auch deutlich günstigeren) Grundierungen. Hier ist der Link zum Forum.

So, ich bin ein wenig überrascht, wie lang dieser Text nun doch geworden ist. War der Artikel für dich hilfreich? Über einen Kommentar oder weiterführende Fragen freue ich micht natürlich sehr.

4 Replies to “Grundieren (Priming)”

  1. Dank Deiner Ausführlichkeit, mit der Du das Thema Grundierung darstellst, sind mir als Greenhorn viele Zusammenhänge verständlich geworden! Vielen Dank für Deine gründliche Arbeit!

    Reicht für den Anfang ein graues Spray als Grundierung oder sollte man sich gleich s/w-Sprays zulegen?

    Über eine kurze Antwort freue ich mich sehr!

    1. Hallo Norman,

      vielen Dank für das Lob. Das freut mich wirklich sehr!

      Meiner Meinung nach reicht anfangs ein graues Spray völlig aus. Wenn ich mit deckenden Farben arbeite und somit kein pre-shading benötige, verwende ich in der Regel auch einfach eine graue Grundierung. Achte beim Auftragen der anschließenden Grundfarben einfach darauf, dass auch in den Vertiefungen alle Stellen Farbe abbekommen. Wenn man da sorgfältig ist, ist das Arbeiten mit einer grauen Grundierung vermutlich einfacher als das Malen auf einer schwarzen Grundierung.
      Das von mir beschriebene Dusting kann zwar wirklich hilfreich sein, kann aber auch zu einer leicht grisseligen Struktur führen, wenn man das weiße Spray von zu großer Entfernung aufträgt. (Das habe ich soeben auch noch im Artikel ergänzt.)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.