Sehhilfen/ Lupen

Als ich mich als Jugendlicher erstmals mit dem Bemalen von Miniaturen beschäftigte, war das Thema „Sehhilfe“ für mich nur von sehr geringem Interesse. Ich bin zwar seit meinem sechsten Lebensjahr Brillenträger, doch war meine „normale“ Brille für mein Hobby völlig ausreichend.

Heutzutage sieht die Sache schon etwas anders aus. Zum einen sind meine Augen etwas in die Jahre gekommen und benötigen manchmal etwas mehr Untertstützung. (Im Gegensatz zum Rest meines Körpers, den man nur als topfit bezeichnen kann. 😉 ) Und zum anderen ist mein Anspruch zumindest bei einem Teil meiner Malprojekte seit meiner Jugend gewachsen.

Da ich weiß, dass dieses Thema nicht nur mich beschäftigt, möchte ich an dieser Stelle meine bisherigen Erfahrungen mit unterschiedlichen Produkten beschreiben und auch entsprechende Empfehlungen aussprechen.

Gründe für die Verwendung einer Lupe in unserem Hobby

Ich sage es ganz klar: Ich male lieber ohne Lupe. In einer perfekten Welt wären meine Augen taufrisch und meine Sehkraft stünde mir nie im Wege. Aus diesem Grund male ich auch so viel wie möglich ohne irgendwelche Hilfsmittel (von meiner normalen Brille abgesehen, ohne die wird das nichts…). Trotzdem gibt es für mich aber bei eigentlich jedem Malprojekt Gründe, auf eine Lupe zurückzugreifen.

Soweit ich das bisher beobachten konnte, sind es wohl im Wesentlichen drei unterschiedliche Gründe, warum Miniaturenbemaler Lupen verwenden.

Die Augen sind zu müde (oder auch: Die Lichtverhältnisse sind schlecht)

Ich selbst komme mittlerweile eigentlich nur noch abends zum Bemalen meiner Miniaturen. Bis dahin haben meine Augen schon so einiges leisten müssen. Ich muss in meinem Beruf viel lesen und sitze auch einige Stunden am Tag am Computer. Wenn ich dann endlich Zeit für mein Hobby habe, sind meine Augen oft schon müde. (Und ich wette, dass ich mit dieser Situation nicht alleine bin.)

Müde Augen sehen schlechter. Ich bin absolut nicht vom Fach, aber soweit ich das verstehe, liegt das an Folgendem: Um im Nahbereich (also in unserem Hobby) scharf sehen zu können, muss sich die Augenlinse stark krümmen (ihre Brechkraft nimmt zu). Diese Krümmung entsteht durch die Anspannung eines kleinen Muskels im Auge (Musculus Ciliaris, siehe auch Wikipedia). Und wie bei andere Muskeln auch, macht sich Erschöpfung durch verminderte Leistungsfähigkeit bemerkbar. Folglich kann sich dann die Linse nicht mehr so stark krümmen, wie es nötig wäre.

Ich stelle dabei im Übrigen auch fest, dass ich im müden Zustand mehr Licht bei der Arbeit benötige. Dies könnte daran liegen, dass sich die Pupille bei müden Menschen nicht so zuverlässig weitet (um mehr Licht ins Auge zu lassen) als dies bei ausgeschlafenen Menschen der Fall ist (dieses Phänomen macht man sich übrigens beim Pupillografischen Schläfrichkeitstest zu Nutze).

Die Sehkraft ist zu schlecht

Ganz pauschal würde ich sagen, dass jemand, der „normal gut“ sehen kann, eigentlich die meisten Arbeiten an einer Miniatur auch ohne Lupe erledigen können wird. Zumindest das Blocken der einzelnen Bereiche mit den jeweiligen Grundfarben sollte kein Problem darstellen.

Wir sehen aber nun einmal nicht alle gleich gut. Aus diesem Grund greifen einige Maler auch bei Aufgaben auf Lupen zurück, die andere auch ohne entsprechende Hilfsmittel bewältigen. Solltest du zu dieser Gruppe von Malern gehören, würde ich dir allerdings empfehlen, erst einmal zu einem Augenarzt oder Optiker zu gehen und deine Augen überprüfen zu lassen. Es bringt nichts, sich eine Lupe zum Malen zu kaufen, wenn man doch eigentlich eine (neue) Brille bräuchte. (Vermutlich wird dir dann nicht nur das Malen, sondern auch das Lesen des Einkaufszettels und ähnliche Dinge wieder leichter fallen. Ich weiß, wovon ich spreche.)

Es kann übrigens durchaus sein, dass man meint, grundsätzlich eigentlich gut genug sehen zu können. Beim Bemalen seiner Miniaturen stößt man dann aber doch an seine visuellen Grenzen. Dies mag daran liegen, dass wir bei vielen Tätigkeiten unsere Sehschwäche durch anderes Verhalten bis zu einem gewissen Grad ausgleichen können. Ab einem gewissen Zeitpunkt wird Altersweitsichtigkeit für fast alle von uns zum Thema. Dabei gelingt es der Augenlinse nicht mehr, sich angemessen stark zu krümmen, um im Nahbereich gut sehen zu können. Der Brennpunkt oder Fokus (also der Punkt des schärfsten Sehens) entfernt sich quasi von unserem Gesicht. Wenn ich aufrund einsetzender Altersweitsichtigkeit (Diesen Begriff hier zu verwenden, ist echt bitter für mich!) meinen Einkaufszettel nicht mehr so gut lesen kann, kann ich diesen einfach ein Stück weiter als früher gewohnt von meinem Gesicht weghalten und ich sehe ihn wieder scharf. Das Lesen am ausgestreckten Arm mag noch eine Zeit lang angehen, aber Miniaturen bemalen sich nun einmal auf diese Weise ausgesprochen bescheiden.

Hierbei wird im Übrigen auch deutlich, dass Lupen eben nicht nur der Vergrößerung dienen, sondern auch der Reduzierung der Arbeitsentfernung. Diese beiden Punkte hängen aber natürlich zusammen.

Die Bemalansprüche sind hoch

Jeder, der seine Miniaturen schon einmal fotografiert hat, um sie beispielsweise im Internet irgendwo zu präsentieren, wird dies kennen: Eigentlich war man mit dem Resultat recht zufrieden und dann sieht man seine Figur zum ersten Mal auf dem Monitor oder Handybildschirm und stellt fest, dass die hochauflösende Kamera leider jeden Fehler riesengroß erscheinen lässt. Man fühlt sich also mal wieder wie ein kleines Kind mit Wachsmalstiften, dem es nicht gelingen will, zwischen den Linien zu malen. Dass man dann an die Fotos auch noch heranzoomen kann, macht die Sache nicht besser.

Wenn beim Malen eine Lupe zum Einsatz kommt, macht man letztendlich ja nichts anderes als beim Heranzoomen an Details: Man vergrößert den Bereich, an dem man arbeitet, und erkennt auf diese Weise Fehler und/oder Unsauberkeiten sofort. Wer beispielsweise Probleme mit dem Setzen von Kantenakzenten hat, sollte durchaus mal über den Einsatz einer Lupe nachdenken. Mir selbst hilft das jedenfalls sehr.

Ob du zu der Gruppe von Malern gehörst, die einen solchen Qualitätsanspruch an ihren fertigen Miniaturen haben, dass der Einsatz einer Lupe zur Option wird, musst du natürlich für dich selbst entscheiden. Wenn du selbst beispielsweise deine Modelle für den Einsatz als Brettspielfigur oder auf dem Tabletop bemalst, kannst du dir Foglendes vor Augen (Achtung, Wortspiel!) führen: Falls du „normal gute“ Augen hast und ohne Lupe die Unsauberkeiten auf deiner Miniatur nicht erkennst, werden deine Mitspieler das garantiert auch nicht. Sollte doch mal jemand etwas finden, kannst du davon ausgehen, dass er/sie von deiner Bemalleistung so angetan war, dass er/sie sich dein Modelle aus reiner Faszination wirklich genau angesehen hat.

Das Fotografieren der Minis, um sie auf dem Monitor besser nach Unsauberkeiten durchsehen zu können, ist – nebenbei bemerkt – übrigens eine andere Möglichkeit, um das Endprodukt möglichst sauber geraten zu lassen.

Konkrete Hilfsmittel

Im Folgenden möchte ich auf die konkreten Hilfsmittel eingehen, die man in unserem Hobby üblicherweise zur Vergrößerung einsetzt. Die meisten dieser Produkte habe ich bereits selbst ausprobiert – teilweise im Laufe der Jahre auf Suche nach einem geeigneten Vergrößerungswerkzeug für mein Hobby, teilweise aber auch als konkrete Vorbereitung auf diesen Artikel. In Einzelfällen spreche ich auch Möglichkeiten an, die ich selbst noch nicht direkt ausprobiert habe. In diesen Fällen werde ich das aber immer dazuschreiben.

Lötlupe

Lötlupe, im Foto mit nur einer Klammer

Diesen ersten Punkt nehme ich nur der Vollständigkeit halber auf, denn sie ist eigentlich keine echte Option. (Aber auch das zu wissen, ist ja vielleicht hilfreich.) Eine „3. Hand“ oder auch Lötlupe (*) klingt eigentlich wie etwas, was für unser Hobby geradezu ideal sein müsste: Eine Lupe, an der auch noch Klammern befestigt sind, mit denen man das Modell festhalten kann. Man hat also nicht nur eine Sehhilfe, sondern auch einen Miniaturenhalter.

Das Konstrukt, das ich mir dann vor vielen Jahr deswegen gekauft habe, entpuppte sich aber als Reinfall. Denn leider funktioniert diese Lötlupe zumindest für mich überhaupt nicht. Zum einen ist der Abstand zwischen Lupe und Modell zu gering, sodass man dazwischen nicht vernünftig mit einem Pinsel hantieren kann. Zum anderen sind auch – zumindest bei meinem Modell – die Klammern viel zu spitz und grob und ich hätte viel zu viel Angst, dass sie mein Bemalobjekt zerkratzen, als dass ich auf die Idee käme, sie wirklich als Bemalhalterung einzusetzen.

Ich nutze die Klammern an der Lötlupe heute nur gelegentlich mal, wenn ich eine etwas sensible Klebestelle an einem Modell fixieren möchte, während der Kleber trocknet. Und das natürlich nur an unbemalten Modellen. Als Sehhilfe findet diese Lupe bei mir aber keine Verwendung mehr.

Lesebrille aus dem Supermarkt

günstige Lesebrille aus einem Super- oder Drogeriemarkt

In vielen Supermärkten oder auch Drogerien gibt es, in der Regel irgendwo im Bereich der Kassen, sehr günstige Lesebrillen zu kaufen. (Die gibt es natürlich auch online (*) – teils im 2er oder 3er Sparpack.) Da ich selbst ja ohnehin schon Brillenträger bin und es bei mir auch noch eine Hornhautverkrümmung auszugleichen gilt, kommt diese Option für mich nicht in Betracht.. Als Vorbereitung für diesen Artikel habe ich mir allerdings mal eine solche Brille ausgeliehen (+2 Dioptrien). Ich kann sagen, dass ich wirklich positiv überrascht war und damit grundsätzlich ziemlich gut arbeiten konnte.

Mit welcher genauen Brillenstärke man am besten zurecht kommt, muss wohl jeder für sich selbst ausprobieren. Je nach Brille vergrößern diese Produkte unterschiedlich stark, mehr als eine Verdopplung bei der Vergrößerung ist aber wohl nicht möglich/ üblich. Wichtig ist, dass man dabei darauf achtet, dass man auch in der richtigen Arbeitsentfernung scharf sehen kann. Und das ist vermulich bei den meisten Malern etwas näher als beim Lesen. In meiner normalen Bemalhaltung habe ich selbst etwa 25 cm Abstand zwischen Augen und Bemalobjekt.

Lupenbrillen

Ein weitere interessante Produktgruppe sind Lupenbrillen. Diese werden teilweise genauso wie Brillen auf der Nase getragen oder aber als „Stirnlupe“ am Kopf, auf der Höhe der Stirn, getragen. Es gibt sie als beleuchtete und als unbeleuchtete Variante.

Lupenbrille mit Licht

Die erste Lupenbrille (dieses Produkt hier (*)), die ich mir gekauft habe, hat eine integrierte Lampe und wird auf der Nase getragen. Sie ist vergleichsweise preisgünstig und tut, was sie verspricht: Sie vergrößert und sie strahlt an, was man anschaut. Außerdem kommt sie mit mehreren Einsätzen, sodass man sich die gewünschte Vergrößerung (bis 3,5-fach) und damit indirekt natürlich auch die passende Arbeitsentfernung heraussuchen kann. Praktisch ist auch, dass man den Winkel der Vergrößerungslinsen einstellen kann.

Allerdings haben sich für mich bei dieser Lupe auch ein paar Nachteile herausgetellt: Zum einen eignet sie sich nicht sehr gut für Brillenträger. Ich habe sie zwar eine Zeit lang einfach auf meine Brille draufgesetzt und das hat auch (zumindest bei meinem Brillengestell) ganz gut funktioniert, aber bequem ist das nicht. Zudem führen vor allem die Batterien dazu, dass die Lupenbrille ein nicht unerhebliches Gewicht bekommt. Auf meiner Küchenwaage wurden 109g angezeigt. Das mag nicht viel klingen, aber für etwas, das man ggf. über Stunden auf der Nase trägt, ist das auch nicht wenig. Außerdem sind die Linsen recht nah an den Augen, sodass man sie immer erst wegklappen muss, wenn man etwas betrachten möchte, was weiter als 20-30 cm entfernt ist. Das macht das Treffen des Wasserbechers mit dem Pinsel nicht immer einfach. Der für mich entscheidende Nachteil ist jedoch die Lichtqualität. Für mich persönlich ist das Licht einfach zu kalt/ blau und somit fürs Malen nicht geeignet. (Weitere Infos zum Thema Beleuchtung beim Malen findest du hier.)

Zusammenfassend kann ich hier sagen, dass diese Lupenbrille zwar durchaus für unser Hobby geeignet ist, dass ich persönlich aber die Batterien gleich weg- und die Lampe ausgeschaltet lassen würde. Stattdessen würde ich eher für eine gute Ausleuchtung meines Arbeitsplatzes sorgen. Letztendlich habe ich dann aber nichts anderes als eine „Lupenbrille ohne Licht“.

Lupenbrille ohne Licht

Für micht persönlich hat sich dieses Hilfsmittel als ideal herausgestellt. Ich verwende dieses Produkt hier (*). Auch hier werden mehrere Vergrößerungsstufen mitgeliefert. Mit 47g auf meiner Küchenwaage ist das gute Stück weniger als halb so schwer wie meine Lupenbrille mit Beleuchtung. Zudem wird sie an der Stirn getragen, sodass diese paar Gramm auch noch auf mehr Fläche verteilen und somit (Trommelwirbel! Weiterer Wortwitz:) nicht weiter ins Gewicht fällt.

Auch als Brillenträger habe ich damit keine Probleme. Aufgrund des Abstands der Linse zu den Augen, kann man zudem auch unter dem (Kunststoff-)Glas drunterdurchgucken, um z.B. seinen Pinsel im Wasser zu reinigen.

Die Linsen selbst lassen sich zwar durch die Halterung in der Höhe verstellen, aber ein echtes Kippen wie bei meinem Modell mit Licht ist nicht möglich.

Dass ich nun gerade bei dieser Lupenbrille hängengeblieben bin, überrascht mich schon etwas. Ursprünglich hatte ich es als „Billigprodukt“ abgetan.

Standlupen

Statt die Lupe direkt am Kopf zu tragen, kann man natürlich auch den Weg gehen, die Lupe auf dem Tisch stehen (bzw. am Tisch fixiert) zu haben. Auch hier hat man (zumindest theoretisch) die Wahl zwischen der beleuchteten und der unbeleuchteten Variante.

Der Vorteil beim Einsatz einer solchen Sehhilfe ist, dass man nichts auf der Nase bzw. am Kopf tragen muss und trotzdem die Hände frei hat. Zudem bleibt die Vergrößerung an Ort und Stelle. Damit meine ich, dass die Lupe auf das zu bemalende Objekt ausgerichtet ist und eben nicht direkt am Kopf sitzt. Man kann also seinen Pinsel problemlos auswaschen, seine Lieblingsserie nebenbei schauen oder auch einmal seinem Partner/ seiner Partnerin einen Blick zuwerfen, ohne das der/die dabei zu lachen beginnt.

Lupenlampe/ Tageslichtlampe mit Lupe

Lupenlampe: Der Deckel lässt sich auch zuklappen, sodass sich die Lupe auch einfach „nur“ als Lampe nutzen lässt.

Tischlupen mit Beleuchtung werden auch Lupenlampen bzw. Lupenleuchte genannt. Bei der Wahl der richtigen Lupenlampe spielt natürlich auch die Qualität des Lichtes eine große Rolle (mehr dazu hier). Ich besitze diese Lampe hier (*) und bin damit sehr zufrieden. (Hinweis zum Link: Hin und wieder scheint diese Lampe ausverkauft zu sein. Wenn man nicht warten möchte oder auf der Suche nach einem günstigeren Produkt ist, gibt es aber natürlich viele andere Lampen (*) auf dem Markt, von denen sicherlich ebenfalls viele in Frage kommen. Ich würde dabei vor allem auf eine Farbtemperatur von etwa 5300 bis maximal 6500 Kelvin und auf eine gute Beweglichkeit des Lampenarms und ggf. eine Fixierbarkeit der Gelenke achten.)

Bei meiner Lupenlampe gibt es zwei Vergrößerungsstufen, die beide für unser Hobby in Frage kommen (1,75- und 2,25-fache Vergrößerung). Die Fertigung ist robust und vor allem die Gelenke halten ihre Position – die Lupe sackt also nicht etwa langsam herunter. Zudem ist sie hell genug, um einen ausreichend großen Teil meines Arbeitsplatzes auszuleuchten. Aus diesem Grund war diese Lupenleuchte auch längere Zeit meine Hauptlichtquelle beim Malen.

Ich möchte aber auch klar anmerken, dass einige Maler das Arbeiten unter einer Lupenlampe als unpraktisch empfinden. Das Hauptproblem ist, dass zwischen Linse und Modell ja auch immer noch ein Pinsel passen muss. Je nach Arbeitshaltung, Pinselführung, Positionierung der Lampe und konkretem Produkt kann dies dazu führen, dass man mit dem Pinselende auch einmal gegen die Linse stößt. Ich selbst habe mich damit ganz gut arrangiert und habe diese Problem eigentlich nicht mehr. Vor allem aber, wenn man erstmals mit einer solchen Lupe arbeitet, kann die Nähe der Linser Miniatur sicherlich schon etwas irritieren.

Meine Lampe lässt sich direkt an die Tischplatte anklemmen, was praktisch ist, weil man dadurch keine Arbeitsfläche verliert. Vor allem aber, wenn man keinen festen Hobbyplatz hat, mag dies eher stören. Man möchte ja nicht vor jeder Malsession erst noch die Beleuchtung/Lupe festschrauben müssen. Ggf. sind also Lupenleuchten mit Standfuß für einige Hobbyisten die bessere Lösung.

Standlupe ohne Licht

Wie auch schon die Lötlupe, spreche ich diesen Punkt eher der Vollständigkeit halber an. Abgesehen von miner Lötlupe habe ich mit dieser Form der Sehhilfe noch keine Erfahrungen gesammelt. (Im Wesentlichen ist eine Lötlupe, zumindest das Modell, das ich besitze, nicht viel mehr als eine Standlupe mit Klemmen).

Grundsätzlich erscheint mir aber die Kombination aus Standlupe und Licht sehr sinnvoll, da man selbst beim Beugen über die Lupe leicht einen Schatten auf das Modell werfen kann. Auch das Lupengestellt selbst könnte einen Schatten auf das zu bemalende Modell werfen. Außerdem bin ich ja auch schon weiter oben auf den Zusammenhang zwischen den Gründen für das Verwenden einer Lupe (u.a. Müdigkeit) und Licht eingegangen. Möglicherweise sind dies auch die Gründe dafür, warum ich bei meiner Recherche für meinen Artikel schon etwas suchen musste, bis ich überhaupt eine Standlupe ohne Beleuchtung finden konnte.

Speziell angefertigte Brille

Den letzten Punkt in meiner Aufzählung habe ich selbst noch nicht ausprobiert. Ererscheint mir aber eine durchaus sinnvolle Option:

Statt selbst herumzuexperimentieren, welche Vergrößerung bzw. welches Produkt für einen ideal ist, könnte man natürlich auch einfach jemanden fragen, der sich mit solchen Dingen auskennt. Wenn man dem Optiker seines Vertrauens schildert, was man vorhat, müsster dieser/ diese einem sicherlich eine maßgeschneiderte Lösung anbieten können. Wichtig ist dabei vor allem, dass man deutlich macht, um welche Arbeitsdistanz es geht. Zu dem Preis, der dann aufgerufen wird, kann ich nichts sagen. Da bei Brillen aber häufig die Gestelle einen entscheidenden Beitrag zu den Gesamtkosten leisten und wir am Hobbytisch die Ansprüche an unsere modischen Accessoires sicherlich auch einmal etwas herunterstufen können, sollten die Kosten auch bei dieser Lösung eigentlich überschaubar bleiben.

Während ich so darüber schreibe, frage ich mich, warum ich selbst noch nicht mit meinem Optiker darüber gesprochen habe. (Vielleicht war ich unterbewusst nicht scharf darauf, dem ältere Herren mein Hobby zu erklären?) Ich denke aber, dass ich das in Zukunft nachholen werde.

Abschließende Bemerkungen zur Vergrößerung

Egal für welche Möglichkeit(en) du dich letztendlich entscheidest: Ich empfehle, dem jeweiligen Produkt wirklich eine Chance zu geben. Durch die Vergrößerung ist unsere Hand-Auge-Koordinationn erst einmal dahin und man muss sich an die veränderte Sicht gewöhnen. Wenn man ein wenig mit der Vergrößerung gearbeitet hat, sollte man damit aber gut zurecht kommen.

Ich empfehle außerdem es mit der Vergrößerung nicht zu übertreiben. Irgendwo zwischen 1,5-fach und 3-fach sollte völlig ausreichend sein. Je stärker vergrößert wird, desto mehr Schwierigkeiten wird man mit der Gewöhnung haben. Zudem verliert man den Überblick bzw. man verliert sich in Details, die ohnehin nie ein Mensch mit bloßem Auge erkennen würde. Und letztendlich sind wir auch „nur“ Miniaturenbemaler und keine Microchipdesigner.

11 Replies to “Sehhilfen/ Lupen”

  1. Wow mal wieder ein richtig guter Artikel. Ich hatte mir auch schon Gedanken gemacht eine Lupenlampe anzuschaffen. Allerdings war ich mir nie so sicher eben weil das Ding ja im Weg ist. So eine aufsetzbare Lupe mit Stirnband klingt da sehr interessant. Mal schauen. Auf jeden Fall ist diese Übersicht eine große Hilfe, danke dafür!
    Da du ein erfahrener Lupenverwender bist, wie ist das mit der Umgewöhnungszeit? Du bist an beide Arbeitsweisen gewöhnt. Wenn du jetzt das Blocken ohne machst und dan auf Lupe umsteigst für die Details. Wie lange brauchst du um dich daran zu gewöhnen? Weil, wenn man dann erst mal eine halbe Stunde zum Umgewöhnen braucht sind die meisten Details bereits versaut 😉

    Viele Grüße
    Christoph

    1. Hallo Christoph,

      vielen Dank für die Blumen! 🙂

      Sobald man erst einmal ein paar Mal mit Lupe gemalt hat, geht der Wechsel dann eigentlich ganz schnell. Zumindest ist das bei mir so.

  2. Hallo,

    wie immer top artikel. was mich sich vielleicht noch geben könnte, wäre digital Mikrsokope. dort gibt es schon halbwechs brauchbare modelle für bis zu 150€ (was man miunter für einen vernüftige schreibtisch schwenkarm lumpe auch zahlt)

    vorteil an der sache, das man sein werk direkt an einen bildschirm sieht. ich überlebe mit tatsächlich so ein teil als kimbination jfür das löten und eben das anmalen sehr kleiner bauteile anzuschaffen.

    LG Stefan von Talk&Build

  3. Hallo Stefan,

    vielen Dank für deinen freundlichen Kommentar und den zusätzlichen Input. Mit digitalen Mikroskopen habe ich mich nun noch gar nicht beschäftigt. Ich könnte mir aber schon vorstellen, dass das in einigen Fällen sicherlich eine sinnvolle Option wäre. Besonders interessant wird es sicherlich dann, wenn man mehr als eine Verwendungsmöglichkeit dafür findet – also so wie bei dir.

  4. Ich heute bei meiner Eltern zu besuch. Wir sind am aussortieren, da wir dort bald wieder einziehen. Liegt da eine Standlupe mit Licht rum. Habe ich gleich gefragt ob meine Mutter die noch braucht. Meint sie: „Ich habe zwei aber ich brauch nur eine!“ Ich die Situation ausgenutzt und gleich mal beide verglichen. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass die Dinger so unterschiedlich sind und dabei habe ich rein auf die Lupe geachtet. Eine davon hat eine sehr starke Vergrößerung. Ohne deinen Artikel hätte ich mir die sofort unter den Nagel gerissen. ABER die Lupe ist kleiner. Daher sieht man nicht so gut durch. Außerdem sorgt die starke Vergrößerung dafür, dass man mit dem zu vergrößernden Objekt so nah an die Lupe ran muss, dass man auf keinen Fall darunter mit einem Pinsel arbeiten kann. Meiner Mutter passt die aber besser denn die will nur Fäden in Nadeln einfädeln.
    Also ich die andere getestet. Ich habe sie zwar noch nicht richtig getestet. Ich habe noch keine Minis damit bemalt. Doch der erste Eindruck war fantastisch. Ich bin der Meinung, dass ich kaum eine Vergrößerung habe wenn ich etwas so weit weg halte, dass ich es scharf sehe. Aber ich habe Platz zum Pinseln und hier kommt einer der Knackpunkte die ich ohne deinen Artikel vernachlässigt hätte: Es fühlt sich viel entspannter an dadurch zu schauen. Die größere Lupe trägt ihren Teil dazu bei aber die leichte Vergrößerung scheint auszureichen, dass ich viel entspannter die Feinheiten erkennen kann. Zack habe ich das Teil für mich auf die Seite gelegt. Wird installiert sobald ich meinen eigenen Arbeitsraum bekomme!
    Danke für den Artikel mit deiner Erfahrung, die mir einiges an „Lernzeit“ erspart hat!

    1. Hallo Christoph,
      vielen Dank für deinen Bericht. Du stellst darin ja auch noch zwei wichtige Punkte heraus: 1) Der Abstand zum Bemalobjekt darf nicht vergessen werden. 2) Lupen können zu entspannterem Malen führen. Freut mich wirklich, dass ich helfen konnte.

  5. Mein Großvater hatte auch eine Lupenbrille. Ich habe mich oft gefragt wieso und wozu er sie verwendet. Er selber, war Hobbyminiaturmaler und ich. weiß auch, dass er sehr schlechte Augen hatte. Dann wird es wohl daran gelegen haben.

    1. Hallo Lisa,

      ja, das klingt schlüssig. Schlechte Augen und das Bemalen von Miniaturen müssen sich – dank solcher Hilfsmittel – nicht unbedingt ausschließen.

      Viele Grüße!

  6. Moin!
    Mir gefallen Deine Artikel sehr. Man merkt, dass Du Dich mit dem Thema beschäftigst, viel darüber liest und, was ich für ganz wichtig halte, sie durchdenkst. Du versuchst an alle Aspekte des Themas zu durchdenken. Das gefällt mir sehr, denn dadurch sind Deine Texte sehr fundiert!

    Was wirklich wichtig ist, wenn man mit einer Lupe arbeitet, ist sich bewusst zu machen, das man eine andere „Perspektive“ hat. Man sieht alles vergrößert und sehr kleine Fehler, die mit dem bloßen Auge eben nicht auffallen. In die Falle bin ich auch am Anfang getappt. Dazu kommt dann noch, das ich den Sinn von bestimmten Effekten nicht erkannt habe, da sie vergrößert waren. In der Citadel App werden Bemalungen gezeigt für Kampfbereit und für Parade. Die Ränder zu Highlighten so nicht gut aus – was daran lag, dass der Teil des Modells übertrieben vergrößert war. Ich habe es nun beim Bemalen eines Footballs genutzt. Der Effekt wirkt sehr schön – mit dem bloßen Auge.

    Weiter so, mit solchen fundierten Texten!

    Grüße aus Norddeutschland
    Björn

    1. Hallo Björn!

      Vielen herzlichen Dank für dein Feedback. Du hast vollkommen Recht. Man läuft beim Einsatz einer Lupe durchaus Gefahr, viel Zeit in „Verbesserungen“ zu stecken, die man im Nachhinein mit bloßem Auge ohnehin nicht sehen könnte.

      Viele Grüße zurück! 🙂

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